Beiträge

Verstehen ist die Ausnahme – Missverstehen die Regel

Warum es keine Garantie gibt, dass wir andere wirklich verstehen.

Im Prinzip ist Kommunikation ist ja schnell erklärt:

Auf der einen Seite gibt es den „Sender“. Er „verpackt“ seine Botschaft in kommunikative Signale (Sprache, Schriftzeichen oder auch Körpersprache) und „schickt“ sie zum „Empfänger“, der diese Signale aufnimmt und „decodiert“. Basta!
Und: Die Kommunikation war dann erfolgreich, wenn die vom Empfänger decodierte Nachricht mit der Nachricht, die der Sender codiert hat, identisch ist. Oder auf gut deutsch: Wenn der Empfänger verstanden hat, was der Sender meinte.

Natürlich kann es bei dieser Informationsübertragung einige „Störfälle“ geben:

Störfall 1: Undeutliche Signale
Der Sender hat undeutlich gesprochen, es war zu laut im Raum oder der Empfänger hat nicht „gescheit“ zugehört.  Das ist keine große Sache, da man dies bewusst bemerkt und das „Kommunikationsproblem“ durch ein Wiederholen oder Nachfragen schnell aus der Welt schaffen kann.

Störfall 2: Unbekannte Signale
„Können Sie mir einen Plögel leihen. Mir ist meiner leider entkolbt.“

Mit diesem Kommunikationsangebot hätten Sie wohl schon eher Probleme.
Verstehen setzt voraus, dass Sender und Empfänger über denselben Zeichen-Vorrat verfügen. Und das Nomen „Plögel“ und das Verb „kolben“ gehören wohl eher nicht zu Ihrem „Zeichen-Vorrat“, da ich diese beiden Worte gerade erfunden habe.

Sprache lebt. So wie neue Wörter „geboren“ werden, sich verbreiten und irgendwann allgemein bekannt sind, „sterben“ und verschwinden andere Wörter aus unserem Sprachgebrauch.
Versuchen Sie einmal sich mit einem 15-Jährigen über „Liebestöter“, „Kolonialwaren“ oder „Bandsalat“ zu unterhalten. Dann können Sie sich vorstellen, was meine.
(Wenn Sie Lust haben, einmal in Archaismen (=Wörter, die es in früheren Zeiten einmal gab) zu stöbern, hier ein Link

Aber auch dieser Störfall ist leicht aus der Welt zu schaffen: Man fragt einfach nach.

Störfall 3: Vieldeutige Signale
„Ich liebe Dich.“

Wieso ist das ein Störfall, fragen Sie. Das ist doch sonnenklar, meinen Sie.
Und genau d-a-s ist das Problem. Oben habe ich ja schon beschrieben, dass die Voraussetzung für gelungene Kommunikation ist, dass Sender und Empfänger einen „gemeinsamen Zeichen-Vorrat“ besitzen. Und das heißt eben nicht nur, dass die beiden nur Worte benutzen, die der andere auch kennt, sondern dass Sender und Empfänger einem Wort auch die gleiche Bedeutung geben. Das ist bei einem Satz wie „Bitte reiche mir das Mineralwasser.“ noch relativ harmlos. Da gibt es relativ wenig Deutungsspielraum. Bei „Ich liebe Dich!“ wird es da schon spannender.
In den meisten Fällen sprachlicher Kommunikation verwenden wir Wörter, die keine zuvor vereinbarte feste Bedeutung haben und auch nicht haben können. Stellen Sie sich bitte nur einmal vor, wir müssten vor jedem Gespräch mit unserem Kommunikationspartner erst einmal definieren, welche Worte wir benutzen werden und welche Bedeutung diese Worte haben sollen. Das würde schon deshalb nicht funktionieren, weil wir dazu ja auch wieder Worte benutzen müssten, die wir zuvor wieder definieren müssten und so fort. Im Computer-Jargon nennte man dieses Henne-Ei-Phänomen das „Bootstrap-Problem“.

Darunter fallen übrigens alle Wörter, die mit unseren Emotionen zusammenhängen. Es ist schlichtweg unmöglich, genau zu definieren, was es für eine Person bedeutet bzw. was sie wirklich damit meint, wenn sie sagt: „Ich bin sehr enttäuscht.“ Oder eben auch „“Ich liebe Dich.“

Solche Worte haben einen riesigen „semantischen Hof“, d.h. sie können sehr unterschiedliche Bedeutungen haben, abhängig von der Situation und vor allen Dingen von dem Menschen und seinem ganz persönlichen mentalen Modell.

Das eigentliche Kernproblem bei diesem dritten Störfall – im Gegensatz zu ersten beiden Fällen ist – dass der Empfänger diese gar nicht bewusst als Störung wahrnimmt.
Er hört ein solches Wort „Liebe, Enttäuschung etc.“, es ist ihm bekannt und er gibt ihm eine Bedeutung. Was ihm allerdings nicht bewusst ist, dass dies s-e-i-n-e Bedeutung ist und die nicht zwangsläufig die Bedeutung des Senders sein muss.

Der Neurobiologie und Philosoph Gerald Roth schreibt dazu:

Die Bedeutung von Wörtern und Sätzen ergibt sich daraus, dass die akustischen […] und grammatikalisch-syntaktischen Laut-und Sprachmuster mit allen in unserem semantischen Sprachgedächtnis enthaltenen Bedeutungen verglichen werden, die bei dem vorliegenden Muster zutreffen könnten und es wird diejenige Bedeutung aktiviert, die dem Muster am nächsten kommt.“

Oder wie es der österreichische Psychiater und Begründer der Logotherapie, Victor Frankl, ausdrückte:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion.“

 

Schlussfolgerungen:

  1. Wir können zwar Informationen kommunizieren, die Bedeutung dieser Information kann jedoch nicht (mit-)kommuniziert werden. Bedeutungen werden in jedem (Empfänger-) Gehirn auf der Grundlage sozialer und persönlicher Vorerfahrungen erzeugt.
  2. Kommunikation ist also kein Austausch von Informationen, sondern eine Anregung zu wechselseitiger Konstruktion von Bedeutungen.
  3. Wir – als Sender – können damit auch keine bestimmte – von uns gewollte – Bedeutungskonstruktion beim Zuhörer erzwingen.
  4. Wenn „Verstehen“ bedeutet, dass Sender und Empfänger identische Bedeutungen teilen, dann ist Verstehen dann wohl eher die Ausnahme und Missverstehen der Normalfall – nur merken wir meist nichts davon.

Wenn wir über dieses Thema in meinem NLP-Ausbildungen sprechen, spüre ich seitens mancher Teilnehmer recht heftige Frustrationsreaktionen:

  • Dann weiß ich ja nie, ob mich mein Mitarbeiter, meine Kinder, mein Partner wirklich verstanden hat.
  • Wenn wirkliches Verstehen eher die Ausnahme ist, wie schaffen wir Menschen es dann überhaupt zusammen zu arbeiten, Projekte zu realisieren und gemeinsam Ziele zu erreichen?
  • Wenn das so ist, wie kann ich dann überhaupt etwas dafür tun, dass ich Menschen besser verstehe und Menschen mich besser verstehen?

Gute Fragen, wie ich meine.

Meine Antwort darauf lautet: Wir werden zwar nie eine Garantie haben, dass ich den anderen so verstehe, wie er es gemeint hat (um umgekehrt), aber wir können sehr wohl die Wahrscheinlichkeit des gegenseitigen Verstehens erhöhen und zwar dadurch:

  1. Dass wir uns immer wieder vor Augen halten, dass wir nur Kommunikationsangebote machen können, aber weder eine Garantie haben, was der andere an Bedeutung daraus macht, noch eine Kontrolle darüber haben.
  2. Dass es eine ganze Reihe von recht nützlichen Vorannahmen gibt, die uns dabei unterstützen können, wie z.B.
    1. Wenn das, was ich tue, gerade nicht funktioniert, liegt das nicht (zwangsläufig) an der Renitenz meines Kommunikationspartners, sondern ist zunächst einmal ein Hinweis dazu, etwas Anderes zu tun.“
    2. Auch wenn sich der andere etwas unglücklich ausdrückt oder gerade nicht den richtigen Ton fand, unterstelle ihm eine positive Absicht.“
    3. Menschen verhalten sich zwar nicht immer rational und auf der Grundlage nachvollziehbarer Fakten, aber immer konform zu ihrem persönlichen mentalen Modell. (Peter Senge)
  3. Dass es vor diesem Hintergrund recht nützlich scheint, das mentale Modell meines Gesprächspartners zu erkunden und dieses als prinzipiell gleich-wertig zu meinem eigenen Modell anzusehen – bevor ich ihm relevante Kommunikations-Angebote unterbreite. Denn je besser ich seinen Bedeutungshintergrund verstehe (seine Werte, und seine Überzeugungen) desto passgenauer kann ich meine Angebote formulieren.

Warnung:  Bitte verstehen Sie diesen Artikel nicht als Appell, nun zum Beispiel mit Ihrem Lebenspartner sämtliche Erfüllungskriterien der Werte durchzudiskutieren, die Ihnen in Ihrer Beziehung wichtig sind. Aus eigener Erfahrung kann man recht gut 30 Jahre glücklich in einer Partnerschaft zusammenleben, ohne wirklich genau zu wissen, was z.B. „Liebe“ für den anderen im Detail bedeutet.

Quellennachweis: 

Gerhard Roth: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten: Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern

Peter Senge: Das Fieldbook zur Fünften Disziplin

Die Bedeutungsleiter oder warum sich Menschen manchmal so merkwürdig verhalten

Wir Menschen sind schon seltsame Wesen. Da hat uns der liebe Gott (oder die Evolution;-) zwei Augen und zwei Ohren zum Wahrnehmen gegeben. Und dennoch spinnen wir lustig unsere persönlichen Wirklichkeiten. Und kaum haben unsere Kopfgeburten das Licht der Welt entdeckt sind wir vollends überzeugt, dass die Welt genau so ist, wie wir sie sehen.

In den letzten Wochen hatte ich viel Zeit und noch mehr Spaß dabei, derartiges (auch) bei mir selbst zu entdecken. Dieser Artikel dreht sich darum, wie elegant wir in einer Situation Bedeutungen generieren, Schlussfolgerungen ziehen, uns dann dementsprechend verhalten – und manchmal völlig daneben liegen.

Weiterlesen

AK081 Danke

Hallo und herzlich willkommen

zu meinem 81. und wohl letztem Podcast in diesem Jahr, in dem ich einfach einmal “Danke” sagen möchte.

In diesem Sinne …

x-mas 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer mehr über dieses Thema wissen möchte, der schaut einfach einmal in meinen letzten Artikel:

Dankbarkeit ist die schönste Art, ein Egoist zu sein.

 

Dankbarkeit ist die schönste Art, ein Egoist zu sein.

NLP-Mühle-mit-phoebeGerade komme ich von einem langen und recht feuchten Spaziergang mit meinem Hund zurück, sitze nun hier in unserer Mühle in Bammental und mache, was ich sehr gerne tue: Nachdenken.

Ich lasse so das (fast) vergangene Jahr an mir vorbei ziehen, erinnere mich an all die Seminare, Coachings und Vorträge aus den letzten 12 Monaten, aber noch viel mehr an all die Menschen, mit denen ich dieses Jahr Zeit verbracht habe. Manchmal haben wir uns nur kurz kennengelernt mit manchen anderen habe ich viele Tage verbracht z.B. in unserer NLP-Ausbildung.

Und während ich so nachdenke, merke ich ein Gefühl der Dankbarkeit in mir, ein Gefühl, das im Trubel des Alltags oft viel zu oft zu kurz kommt. Vieles scheint so selbstverständlich – kaum eines Gedankens würdig: gute Freunde zu haben, auf die man zählen kann, eine Arbeit tun zu können, in der man einen Sinn sieht, dabei zusehen zu können, wie drei wunderbare Kinder ihren Weg finden und eine Partnerin an der Seite zu wissen, die mit einem durch dick und dünn geht.

[note_box]Zu diesem Thema gibt es auch einen aktuellen Podcast von mir. Wenn Sie Lust haben, hören Sie doch einmal hinein.[/note_box]

Ich glaube, ich bin von meiner Natur her kein undankbarer Mensch, aber ich vergesse dieses Gefühl einfach viel zu oft, räume anderen Dingen mehr Raum und Zeit in meinem Leben ein. Deshalb beschloss ich heute morgen einmal, nur einen halben Tag – jetzt da ich mein letztes Seminar für dieses Jahr hinter mir gelassen habe – mich mit einem Thema zu beschäftigen, das mir zu kurz kommt.

Ich surfte ein wenig durchs Netz und die gesammelten Werke meiner Festplatte und blieb bei meinen Notizen hängen, die ich im letzten Jahr bei einem Vortrag von Dr. Martin Seligman in Heidelberg gemacht hatte.

Da stand unter anderem:

Dankbarkeit ist die schönste Art, ein Egoist zu sein. 

Die positiven Effekte von Dankbarkeit

Komisch oder? Man dankt doch, um anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Ja, schon, aber wenn wir uns dankbar fühlen und dies anderen zeigen, macht das auch in unserem eigenen Leben gewaltige Unterschiede, wie das Michael Tomoff auf seinem Blog treffend zusammenfasst:

  1. Weil man in diesem Moment an die schönen Dinge im Leben denktDankbarkeit-flickr-medium_2845925838 Kopie und nicht – wie das unser Gehirn sonst so gerne tut – an die schlechten.
  2. Weil Dankbarkeit unsere Sichtweise verändert. Blöder Job heute? Wie wäre es damit, einen kurzen Augenblick dankbar zu sein, überhaupt einen Job zu haben? Streit mit dem Partner? Wie viele Menschen würden eine Menge dafür geben, überhaupt jemanden zu haben, mit dem sie streiten können.
  3. Weil es uns daran erinnert, was wirklich wichtig im Leben ist. Wenn ich darüber nachdenke, für was ich wirklich dankbar bin, sind es jene Dinge, die mir in meinem Leben wirklich wichtig sind.

Und falls Ihnen noch ein Weihnachtsgeschenk für einen lieben Menschen fehlt, dann hätte ich hier eine Idee – die übrigens ebenfalls aus der “Positiven Psychologie” von Dr. Seligman stammt:

Das Dankbarkeits-Geschenk

Sie brauchen dazu:

  • Papier und Stift
  • 15 min störungsfreie Zeit

Bereit? Dann kann es losgehen: Denken Sie einmal an einen Menschen, der irgendetwas dazu beigetragen hat, dass Sie sich verändert haben – zum Positiven natürlich;-) An jemanden, dem Sie dafür noch nie so richtig gedankt haben und – das ist wichtig – den Sie in den nächsten Tagen oder Wochen persönlich treffen können.

Brief-handgeschrieben-flickr-3041954566 KopieWenn Ihnen nun mehr als ein Mensch einfällt – entscheiden Sie sich gefühlsmäßig für den ersten, der Ihnen einfällt. (… Sie können das “Dankbarkeits-Geschenk gerne später auch für die anderen “verpacken” – später.)

Nun schreiben Sie einen Brief an diese Person, in dem Sie ihr genau DAFÜR danken – möglichst konkret und nicht mehr als 300 Worte. Was genau hat sie für Sie getan? Wofür genau sind Sie ihr dankbar?

Nehmen Sie sich dafür wirklich nur 15 Minuten Zeit. Dieses Zeitlimit hindert Ihren Perfektionismus, daran so lange an Formulierungen zu feilen bis nichts mehr da ist. Sobald die 15 min um sind nehmen Sie den Brief, stecken ihn in ein Kuvert und kleben das Kuvert zu (… um zu vermeiden, dass der Perfektionismus wieder zur Hintertür hereinkommt;-)

Nun rufen Sie die Person an und sagen ihr, dass Sie sie gerne besuchen würden. Wichtig: Sagen Sie nicht, um was es geht. Sie werden sehen, die Freude kommt mit der Überraschung.

Wenn Sie die Person dann treffen, darf es gerne zunächst ein paar Minuten Small Talk sein. Dann aber bitten Sie sie um 3 Minuten Aufmerksamkeit und darum, Sie in diesen 3 Minuten auf gar keinen Fall zu unterbrechen. Ziehen Sie jetzt Ihren Brief hervor, reissen ihn auf und lesen Sie ihn in aller Ruhe der Person vor. Vielleicht mutet  Ihnen das beim ersten Mal seltsam vor , aber die Wirkung wird Sie überraschen.

Und… falls Sie es wirklich nicht schaffen sollten, diese Person persönlich zu treffen, dann lesen Sie ihr den Brief am Telefon vor.

Dankbarkeit zu fühlen und sie nicht auszudrücken,
ist wie ein Geschenk zu verpacken und es nicht
zu verschenken.
William A. Ward

Credits:
photo credit: kurbjuhn via photopin cc
a.drian via photopin cc
lanier67 via photopin cc

Wie Sie mit Ritualen Zugehörigkeit schaffen

Ich glaube, es war Prof. Gerald Hüther, der sinngemäss schrieb: „Was Menschen brauchen um glücklich und zufrieden zu sein, ist das Gefühl sich zugehörig zu fühlen.“

Worauf ein Bereichsleiter in meinem letzten Seminar meinte: „Dann sollten wir unbedingt wieder einmal einen Team-Event machen: In den Hochseilgarten oder Rafting oder wenigstens Kart-Fahren gehen“.

Nicht dass solche Events keinen Spaß machen, aber das Geld könnte man sich sparen. Denn Menschen haben seit Jahrtausenden eine äusserst wirksame Methode, um soziale Zugehörigkeit und Bindung zu stärken: Rituale.

Wenn das Wort „Ritual“ fällt, denken viele an archaische Initiationsriten oder japanische Teerituale. Aber schauen Sie sich einmal um: Auch wir sind tagtäglich von kleinen und grösseren Ritualen umgeben:

  • eine Hochzeitsfeier
  • Die Überreichung der goldenen Uhr zum Firmenjubiläum
  • Das Richtfest eines Hauses
  • das allabendliche Vorlesen

Wenn Sie dieses Beitrag lieber hören, als lesen…

Weiterlesen

AK074 Die Losada-Rate… so stärkt man (nicht nur) Teams

© N-Media-Images - Fotolia.com2005 machte eine wissenschaftliche Studie Furore, in der die amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson und der brasilianische Unternehmensberater Dr. Marcial Losada eine spannende Entdeckung veröffentlichten: Es gibt einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Performance eines Teams und der Art der Sprache, die Teammitglieder miteinander pflegten.

Dazu Barbara Fredrickson:Wir gingen in 60 Unternehmen und transkribierten jedes Wort, das in den Team-Meetings diese Unternehmen geäussert wurde. Einige dieser Teams waren „High-Performer“, andere „Low-Performer“ und wieder andere Teams lagen im Mittelfeld. Danach kodierten wir jeden Satz nach positiven und negativen Äusserungen und berechneten das Verhältnis von positiven zu negativen Wortmeldungen.

Unsere Studie zeigt klar auf: Es gibt hier eine klare Trennlinie. Teams, bei denen das Verhältnis von positiven zu negativen Aussagen besser als 2,9 : 1 war, waren eindeutig „High Performer“. Sie hatten ein deutlich besseres Team-Klima, eine grössere Bandbreite von kreativen Ideen, wenn es um Problemlösungen ging und es waren zudem auch die erfolgreichsten Teams, gemessen an Kriterien, wie Profitabilität, Kundenzufriedenheit und den Ergebnissen ihrer 360-Grad-Beurteilung.

Wow – dachte ich, als ich diese Studie vor kurzem wieder einmal zwischen die Finger bekam. Wenn das stimmte, was Fredrickson und Losada da festgestellt haben wollen, dann wäre in diesem Ansatz ja „eine Menge Musik“ drin – und zwar nicht nur für Teams, sondern für jede Art von zwischenmenschlicher Beziehung – also auch für Familien oder Partnerschaften. Und ich forschte weiter, bis ich vor 14 Tagen einen eigenen Feldversuch startete – aber davon später.

Als ich mich in die Studien der beiden tiefer einlas, erfuhr ich u.a., dass jene Teams, die unter dem Verhältnis 2,9:1 lagen, interessante Phänomene zeigten: Sie verloren in schwierigen Zeiten ihre Flexibilität, zeigten wenig Bereitschaft, festgefahrene Wege zu verlassen und wiesen eine eher geringe Resilienz auf. Resilienz ist der psychologische Fachausdruck für die Widerstandsfähigkeit, Krisen erfolgreich zu meistern.

Das erinnerte mich lebhaft an die Ergebnisse der letzten Gallup-Studien (1), nach der 86% der deutschen Arbeitnehmer eine geringe oder gar emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen haben.

Liegt diese katastrophale Quote u.U. auch an der Art der Kommunikation die diese Menschen untereinander und ihre Führungskräfte zu ihnen pflegen?

Wenn ich mir die Kriterien von Losada anschaue, die er 2005 bei seinen Untersuchungen zu Grunde gelegt hat, neige ich dazu, meine Frage selbst mit „ja“ zu beantworten.

Losada zählte damals in den Teammeetings:

  1. negative Redebeiträge wie gegenseitige Abwertungen, Geringschätzungen, Missbilligung, oder sogar Sarkasmus und Zynismus im Vergleich zu positiven Aussagen, wie Ermutigung und Wertschätzung
  2. wie oft Team-Mitglieder sich gegenseitig in Frage gestellt haben im Vergleich dazu wie stark sie sich gegenseitig unterstützt haben
  3. wie oft die Mitglieder der einzelnen Teams eher auf sich selbst bezogen waren – also versuchten, die eigene Meinung und den eigenen Standpunkt durchzusetzen im Vergleich dazu, wie oft sie versuchten, wirklich zu verstehen, was der andere meint.

Kurzum: Wenn es also mindestens 3 Mal so viel wertschätzende, unterstützende und positive Wortbeiträge in den Teammeetings gab, blühten die Menschen richtiggehend auf. Und nicht nur, dass sie sich wohler fühlten, nein, dies schlug sich sogar „knallhart“ in ihrer Performance nieder.

Das war Grund genug für mich, einmal zu recherchieren, mit welchen praktischen Übungen ich meine persönliche “Losada-Rate” verbessern kann (“man muss ja nicht schlecht sein;-)), um noch besser zu werden.).

Wenn Sie sich für diese “Pimp-your-Losada-Rate”-Technik interessieren,

  • erfahren möchten, wie dies genau geht, um Ihre persönliche “Losada-Rate” zu verbessern,
  • als Führungskraft die Performance Ihres Teams zu erweitern
  • oder zu Hause in Ihrer Familie etwas Gutes tun wollen…

… dann hören Sie dazu meinen aktuellen Podcast und/oder laden das komplette 7-seitige Manuskript zu diesem Thema herunter.
Sie finden beides Podcast und Manuskript auf meiner Seite: www.abenteuer-kommunikation.de oder direkt unter http://j.mp/ak074-losada

 

Symposium Positive Psychologie in Heidelberg – ein Resumee

logo-positivepsychologieAm vergangenen Samstag waren Simone (meine Frau) und ich Gäste beim „2. Symposium für Positive Psychologie“ in Heidelberg und hier möchte ich von unseren Eindrücken und Erkenntnissen berichten.

Vorab für alle, die mit dem Begriff der „Positiven Psychologie“ noch wenig anfangen können, eine kurze Einführung:

Traditionell beschäftigte sich Psychologie eher mit der Erforschung und Heilung von intra- und interpersonellen Störungen, Konflikten und seelischen Krankheiten, wie z.B. Neurosen und Psychosen, kurzum mit Defiziten und Mängeln.
Auch Prof. Dr Martin Seligman, der Begründer und Schlüsselfigur der „Positiven Psychologie“ war jahrzehntelang auf diesem klassischen Gebiet tätig und arbeitete als klinischer Psychologe. Bekannt wurde er u.a. durchs eine Forschungen über „erlernte Hilflosigkeit“.
Wenn ich Dr. Seligman am letzten Samstag richtig verstanden habe, dann war ein Auslöser die „Positive Psychologie“ zu begründen, die folgende Erkenntnis: Selbst wenn es ihm gelang, einen Patienten von seinem seelischen Leid (z.B. einer Neurose) zu heilen, war diese Heilung nicht automatisch damit verbunden, dass dieser Mensch zurückfand zu Lebensfreude, Sinn und Glück…. sondern oftmals – wie es Martin Seligman ausdrückte „nur als leerer Mensch zurückblieb“.
Die von ihm begründete „Positive Psychologie“ wollte einen anderen Weg gehen, sie wollte eine Disziplin sein, die ihre Aufmerksamkeit mehr auf die Ressourcen und Stärken der Menschen richtet, als auf ihre Defizite. Sie wollte systematisch untersuchen, was Menschen tun, wie Menschen denken, um zufriedener und glücklicher zu sein. Denn: seelische Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit, so die Vertreter der Positiven Psychologie.
Wichtig erscheint mir zu betonen, dass…

  1. die „Positive Psychologie“ in keinster Weise die klassische Psychologie diskreditiert, sondern dies als ebenso wichtige Disziplin wertschätzt und
  2. prinzipiell nichts mit der Bewegung des „Positiven Denken“ (Carnegie, Hay et al) zu tun hat, sondern sich zu einer wissenschaftlich fundierte Disziplin entwickelt, die jene Aspekte erforscht, die das Leben lebenswerter machen.

Wer nun vielleicht denkt, dass die „Positive Psychologie“ bereits ein konsistenter, kompakter und alltags-tauglicher Werkzeugkoffer für mehr Lebenszufriedenheit ist, der wird etwas enttäuscht sein.
So wie ich die PP momentan begreife, ist sie ein „Modell in der Entwicklung“. Zwar gibt es auf der ganzen Welt bereits viele aussichtsreiche Projekte, in denen mit „positiv-psychologische-Ansätzen“ gearbeitet wird z.B. Die Einführung eine Schulfaches „Glück“ von OStr. Ernst Fritz-Schubert an der Boenhoeffer-Schule in Heidelberg, der damit messbare Erfolge erzielte. Dennoch erscheint mir die PP zur Zeit noch mehr ein Denkmodell zu sein, das gerade seinen Weg sucht, andere Disziplinen wie Psychotherapie, Pädagogik oder Management zu befruchten.

Besonders im angelsächsischen Raum machen „Positive Leadership“-Konzepte von sich reden, aber auch bei uns versuchen Unternehmen, wie Obi oder auch die Saturn Holding die Prinzipien der „Positiven Psychologie“ in ihre Unternehmenspolitik zu integrieren.

Bisher waren „Happiness“ und Glück die zentralen Schlagworte in der PP. Nun nennt Dr. Seligman als das neue Ziel ein psycho-soziales Wohlbefinden („well-being“), das sich mittlerweile auch weltweit messen lässt.
Die mess- und trainierbaren Einflussfaktoren auf dieses „Well-being“ sind in dem PERMA-Konzept zusammengefasst – 5 Faktoren die einen hohen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben:
P = Positive Emotionen
E = Engagement / Flow
R = Relationship (gesunde Beziehungen
M = Meaning (Sinn)
A = Accomplishement (Ziele erreichen)

Dazu haben sich Prof. Seligman und Kollegen eine Vielzahl von „Lebensübungen“ aus vielen Kulturen, Religionen und Philosophien darauf getestet, inwieweit diese Übungen Menschen unterstützen können, „PERMA“ aufzubauen.

Dr. Philip Streit, ein Redner des Symposiums hat uns dazu eine Auswahl von 14 Übungen vorgestellt, die mir als Trainer und Coach eher selbstverständlich vorkamen. Das meiste davon, wie z.B. „ein Nachruf auf das eigene Leben schreiben“, „abends vor dem Einschlafen sich an drei sehr positive Gedanken erinnern“ oder „sich den eigenen Stärken bewusst zu sein“ ist sicher nützlich, aber nicht wirklich neu.

Mein derzeitiges Resümee: Ich betrachte die „Positive Psychologie“ durchaus als wegweisenden Impuls – und freue mich sehr, wenn Schulen, Therapie und auch Management dadurch in Zukunft ressourcen- und stärkenorientierter arbeiten.

Was ich mir jedoch wünsche, ist, dass die „Positiven Psychologen“ in Zukunft (wie bei dem Symposium leider über Gebühr geschehen) weniger darauf konzentrieren, ihre Theorien statistisch wasserdicht zu machen, sondern einmal über den eigenen Tellerrand hinausschauen, was Kollegen aus der konstruktivistisch-systemischen Fraktion … und vielleicht ja auch die NLP-Community bereits an viablen Modellen und pragmatischen Veränderungsstrategien entwickelt haben und seit Jahrzehnten erfolgreich einsetzen.

Was ich hoffe, ist, dass die Positive Psychologie ihrer Aufgabe gerecht wird, eine wirkungsvolle Zäsur in unserem (leider immer noch übermächtigen) Glaubensystem “Its better to fix, what´s wrong” setzen kann, um auch bei uns im Land der Skeptiker und Kritiker ein “It´s better to built what´s strong.” zu etablieren. Good luck!

Literatur zur Positiven Psychologie

Link zur deutschsprachigen Website von “Seligman Europe”

Management By Talking Around

Ich bin mir nicht sicher, aber glaube, dass es Tom Peters das erste Mal propagiert hat: “Liebe Führungskräfte, nehmt Euch Zeit, geht immer wieder durch die Büros und Produktionsstätten Eures Unternehmens und … sprecht mit Euren Leuten – ohne Agenda – einfach so.” – “Management by Walking around” – eben!

Das mag bei 20 oder 30 Mitarbeitern ja noch angehen, aber was ist, wenn der tägliche “Walk around” langsam Marathonausmaße annimmt?

Wie wäre es dann mit einem “Talk around” – wie es zum Beispiel im Otto Versand in Hamburg seit einiger Zeit Usus ist.

  • Der Vorstand als “Märchenonkel”
    Da gibt es zum Beispiel den Mini-Event “Der Vorstand liest.” Da sitzen Vorstände in einer gemütlich gestalteten Ecke der Hauptverwaltung und lesen Passagen aus ihren Lieblingsbüchern vor. Und nicht nur das: Sie begründen, warum Sie ausgerechnet dieses Buch lesen und diskutieren mit den anwesenden Teilnehmer über die Inhalte.
    Ziel des Events ist es laut Sirka Laudon, der Leiterin der Personalentwicklung und Personalmarketing bei Otto, Berührungsängste zwischen den Chefs und den Mitarbeitern abzubauen und miteinander ins Gespräch zu kommen. (aus: Zeitschrift “Impulse 9/2010).
  • “Blind Lunch”
    Als weitere Möglichkeit, sich auch außerhalb der eigenen Abteilung besser zu vernetzen und wertvolle Kontakte zu knüpfen hat der Otto Versand so. “Blind Lunches” eingeführt. Wer Lust hat, kann mit unbekannten Kollegen oder Chefs Mittag essen gehen, die ihm per Losverfahren zugeteilt werden.

Ob “Walking” oder “Talking” – es gibt unzählige Möglichkeiten, über die man als Unternehmer oder Führungskraft mit anderen Menschen (… nicht nur mit dem eigenen Team) in Kontakt kommen kann, wenn man ein klein wenig kreativ ist und vielleicht auch die eine oder andere (konventionelle) Regel über Bord wirft.
So hat ein mir nicht unbekannter Chef einer Werbeagentur das Ritual eines gemeinsamen (aber nicht verbindlichen) Frühstücks eingeführt. Ein Kollege bringt ein paar Tüten Brötchen mit und man trifft sich einmal die Woche zu einem gemeinsamen Frühstück. Sein Resumee: “In diesen 30 min werden oft Dinge besprochen, die weitaus wichtiger sind, als so manches Meeting.”

Um Ihnen noch eine letzte Anregung zu geben: Als ich vor 5 Jahren unser Edutainment-Portal “Das Abenteuer Leben” gründete, gehörte ein lieber Freund und seines Zeichens Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens zu den ersten Hörern.
Unser Podcast-Portal hat ihn dermaßen inspiriert, dass er kurze Zeit darauf seinen eigenes “Unternehmens-Radio” aus der Taufe hob. In regelmässigen Abständen nahm er mit einem mobilen Aufnahmegerät kurze Audio-Clips mit Themen auf, die ihn bewegten und speiste diese für alle Mitarbeiter ins Intranet ein – die Leute waren begeistert.

In der Hoffnung, Sie mit diesem Artikel auf ein paar neue und MERKwürdige Ideen gebracht zu haben…

I h r