Wenn die Boomer langsam gehen … oder ist KI die Lösung

In den nächsten Jahren verabschiedet sich ein großer Teil der Babyboomer in den Ruhestand. Und mit ihnen verschwindet etwas, das Unternehmen dringend brauchen: jahrzehntelange Erfahrung.

Die naheliegende Hoffnung lautet: KI kann dieses Wissen sichern.

Erfahrene Mitarbeiter werden interviewt, Dokumente digitalisiert, Erfahrungen gesammelt. Die KI macht daraus einen Wissensspeicher, der auch dann noch verfügbar ist, wenn die Menschen längst im Ruhestand sind.

Klingt vernünftig.

Aber lässt sich Erfahrung wirklich speichern?

Hier lohnt sich eine wichtige Unterscheidung:

Wissen ist nicht Können.

Wissen lässt sich beschreiben, dokumentieren und weitergeben. Und genau darin ist KI inzwischen ziemlich gut.

Können zeigt sich dagegen oft erst dann, wenn etwas passiert, das nicht im Handbuch steht.

Der erfahrene Produktionsleiter hört eine Maschine und denkt: „Da stimmt etwas nicht.“

Die erfahrene Führungskraft spürt in einem Meeting: „Wenn ich jetzt weiter Druck mache, kippt die Stimmung.“

Der erfahrene Verkäufer merkt: „Der Kunde sagt zwar Ja, aber entschieden hat er sich noch nicht.“

Woher wissen diese Menschen das?

Oft wissen sie es eben nicht bewusst. Sie können es.

Gerhard Wohland bringt diesen Unterschied mit einem schönen Satz auf den Punkt:

„Können klebt am Könner.“

Und genau hier liegt die Grenze des KI-gestützten Wissenstransfers.

KI kann sehr viel von dem bewahren, was erfahrene Menschen wissen.

Aber sie kann nicht ohne Weiteres das bewahren, was diese Menschen können: ihre Intuition, ihre Wahrnehmungsmuster, ihr Gespür für Situationen und ihre Fähigkeit, auf Überraschungen angemessen zu reagieren.

Damit wird aus dem vermeintlichen Wissensproblem eine viel interessantere Frage:

Wie geben wir nicht nur Wissen weiter, sondern entwickeln Können bei der nächsten Generation?

Vielleicht ist genau das die eigentliche Herausforderung des bevorstehenden Generationenwechsels.

Und darüber schreibe ich im nächsten Denkanstoß weiter.

Liebe Grüße
Hans-Jürgen