9. Oktober 2018

Ich glaube, es war Prof. Gerald Hüther, der sinngemäss schrieb: „Was Menschen brauchen um glücklich und zufrieden zu sein, ist das Gefühl sich zugehörig zu fühlen.“
Worauf ein Bereichsleiter in meinem letzten Seminar meinte: „Dann sollten wir unbedingt wieder einmal einen Team-Event machen: In den Hochseilgarten oder Rafting oder wenigstens Kart-Fahren gehen“.
Nicht dass solche Events keinen Spaß machen, aber das Geld könnte man sich sparen. Denn Menschen haben seit Jahrtausenden eine äusserst wirksame Methode, um soziale Zugehörigkeit und Bindung zu stärken: Rituale.
Wenn das Wort „Ritual“ fällt, denken viele an archaische Initiationsriten oder japanische Teerituale. Aber schauen Sie sich einmal um: Auch wir sind tagtäglich von kleinen und grösseren Ritualen umgeben:
Wenn Sie dieses Beitrag lieber hören, als lesen…
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Und das ist gut so, denn eine wichtige Funktion von Ritualen ist, Menschen Sinn und Halt zu geben, besonders in Übergängen von einer Lebensphase zur nächsten. Jeder Übergang z.B. vom Kind zum Jugendlichen ist mit Unsicherheiten verbunden. Unsicherheiten, die ganz natürlich daraus entstehen, dass man vom „Alten“ noch nicht ganz los lassen kann und will, da man das „Neue“ noch nicht richtig einschätzen kann. Aus diesem Grund pflegen viele Kulturen, diese Übergänge mit Ritualen zu begleiten. Rituale sind also immer auch ein sozialer Kommunikationsakt, durch den wir ausdrücken: „Du bist nicht alleine – wir begleiten Dich auf Deinem Weg.“
Nun nehmen Sie einen jungen Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen, den man gerade zum Teamleiter gemacht hat. Ist dieser Übergang nicht mit ebenso vielen Unsicherheiten verbunden? Gestern noch auf Augenhöhe mit den Kollegen und heute Vorgesetzter. Deshalb würde ich mir wünschen, dass solch ein Übergang nicht nur mit einem neuen Arbeitsvertrag und einem höheren Gehalt verbunden wäre, sondern auch mit einem sinnvollen offiziellen Ritual. Dazu braucht es kein grosses Brimborium. Ein kleiner offizieller Akt, in dem der Chef den neuen Teamleiter vor der Gruppe offiziell „inthronisiert“, reicht völlig aus.
Ein anderes Beispiel: Ich erlebe immer wieder, besonders in mittelständischen Unternehmen, dass sich über die Zeit ein Führungsteam gebildet hat, das zusammen mit der Geschäftsleitung auch strategische Aufgaben wahrnimmt. Allerdings ist dieses Führungsteam nie offiziell als solches „eingesetzt“ worden – es hat sich „halt so ergeben“. Vielleicht wäre es auch hier eine gute Idee, z.B. bei der nächsten Betriebsversammlung, das Führungsteam als solches einmal offiziell vorzustellen – in Form eines kurzen, aber sinnvollen Rituals. Ich bin mir sicher, dass dies nicht nur den Führungskräften gut tun würde, sondern auch für mehr Vertrauen und Sicherheit bei der Mannschaft führt.
Womit ich bei einer zweiten wichtigen Funktion von Ritualen wäre:

Die Jahresmottos einer meiner Kunden
Wenn der Chef sein Führungsteam ein Mal im Quartal zu sich nach Hause einlädt, dort alle zusammen kochen und essen – dann hat das die Kraft eines Rituals und stärkt die Zugehörigkeit weitaus mehr als ein Nachmittag auf der Kart-Bahn.
Ein letztes Beispiel: Bei vielen Unternehmen, die ich begleitet habe, ist es Usus, im vierten Jahresquartal für ein oder zwei Tage in Klausur zu gehen, über das vergangene Jahr zu reflektieren und strategische Ziele für das nächste Jahr zu formulieren. Als Abschlussritual biete ich immer an, zusammen ein kraftvolles Motto für das kommende Jahr zu suchen und mit einem kleinen Ritus zu verabschieden.
Mit meinen Beispielen möchte ich Ihnen zeigen, dass sinnvolle Rituale weder etwas mit spassigen Events noch mit aufgeblasener Folklore zu tun haben.
Aber wie kann man das auseinanderhalten?
Hierzu einige wesentliche Eigenschaften eines sinnvollen Rituals, die der Anthropologe Roy Rappoport treffend beschrieben hat:
Schreiben Sie mir doch, wie Sie über Rituale denken und welche sinnvollen Rituale es bei Ihnen – in Ihrer Familie oder Ihrem Unternehmen gibt.
Quellen: Roy Rappoport http://www.radicalanthropologygroup.org/old/class_text_097.pdf
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