Der Gabungi oder die 5 Warum-Fragen

Eine gute Frage ist die halbe Lösung

Ob es darum geht, einen neuen Mitarbeiter einzustellen, die Reklamationsquote zu senken oder ein neues Projekt zu finanzieren… jeden Tag stellen sie sich uns und wollen gelöst werden: Probleme!
Doch so allgegenwärtig dieses Phänomen ist, so wenig Aufmerksamkeit wird der systematischen Lösung desselben gewidmet. Kaum eine Schule oder Universität hat uns gelehrt, wie man es anpackt. Und so bleibt uns meist nichts anderes als uns auf unserer Intuition (=”geronnene Erfahrung”) zu verlassen… und fühlen uns manchmal recht verlassen. “Stuck state” wie wir NLP-ler sagen – man steckt fest und kommt nicht weiter. Je mehr man sich anstrengt, desto weniger geht…

Doch:
Systemisches nlp kann Ihnen eine ganze Reihe von ganz kreativen und praktischen Techniken und Lösungsstrategien anbieten, wie Sie Probleme jeder Art in Zukunft weitaus schneller und effektiver lösen können.

Heute möchte ich Ihnen eine Technik aus dem systemischen nlp vorstellen, die gleichermassen einfach wie wirkungsvoll ist, wenn es darum geht, an die Ursache eines Problems vorzustossen.

Der Gabungi oder die fünf “Warums”
Es ist drei Uhr nachmittags, eine Stunde vor Schichtwechsel, und ich bin der Vorarbeiter. Auf meinem Rundgang durch die Fabrik mache ich einen Abstecher bei einem Freund von mir, der zufällig vor ein paar Tagen auf einem Seminar zum Thema “Kreative Problemlösungsstrategien” war. Plötzlich entdecke ich eine Ölpfütze auf dem Boden. Ich wende mich an den Fließbandarbeiter, der mir am nächsten steht und raunze ihn an:

Hey, da ist eine Öllache auf dem Boden. Wie leicht kann da jemand ausrutschen! Machen Sie das mal sauber.
Als ich ausgeredet habe, sagt mein Problemlösungsfreund ganz ruhig: “Warum ist da eine Ölpfütze auf dem Boden?
Gute Frage“, entgegne ich und gebe sie an den Mitarbeiter weiter: “Wie ist das Öl dahin gekommen?
Der Gabungi (*) leckt“, entgegnet der Mann. Wir schauen alle zur Decke. Kein Zweifel, da ist ein sichtbares Leck am Gabungi.
Ach so“, seufze ich . “Na gut, dann wischen Sie mal das Öl auf und anschließend reparieren Sie den Gabungi.
Mein Freund zieht mich zur Seite und fragt leise: “Aber warum ist der Gabungi kaputt?
Tja, also, der Gabun-…“, sage ich und wende mich hilfesuchend an den Arbeiter. “Warum ist der Gabungi eigentlich kaputt?
Die Dichtungen sind defekt“, lautet die Antwort.
Auch das noch“, stöhne ich. “Also wischen Sie das Öl weg, reparieren Sie den Gabungi, und, äh, tun sie was wegen der Dichtungen.
Und mein Freund fügt hinzu:” Und warum sind die Dichtungen defekt?
Genau!” sage ich. “Aus reiner Neugier – wieso haben wir eigentlich defekte Dichtungen im Gabungi?
Der Arbeiter: “Ich habe gehört, dass der Einkauf eine Riesenmenge von diesen Dichtungen besorgt hat – und die taugen einfach nichts.
Bevor mein Freund noch den Mund aufmachen kann, frage ich: “Und warum hat der Einkauf eine Riesenmenge davon besorgt?”
Woher soll ich das wissen?” entgegnet der Arbeiter und macht sich auf die Suche nach Eimer und Lappen.
Nach ein paar Telefonaten stellt sich heraus, dass seit einiger Zeit die operative Regel gilt, alles zum niedrigsten Preis einzukaufen – und daher also der Vorrat an minderwertigen Dichtungen.
(aus: Peter Senge et al: Das Fieldbook zur Fünften Disziplin, Klett Cotta)

(*) Ein Gabungi ist eine große Maschine an der Decke, die das Dingsda in das Rumsta leitet, damit es gedödelt werden kann.

Der Ablauf:

  • 1. Schritt: Das erste Warum
    Wählen Sie ein Symptom, mit dem Sie beginnen möchten. Stellen Sie sich oder der Gruppe die erste Warum-Frage: “Warum geschieht das und das?” Wahrscheinlich bekommen Sie drei oder vier unterschiedliche Antworten. Heften Sie diese an die Wand.
  • 2. Schritt: Die folgenden “Warums”
    Wiederholen Sie den Vorgang für jede Aussage, indem Sie bei jeder einzelnen nach dem “Warum” fragen. Heften Sie die Antworten neben die “Eltern”. Suchen Sie beharrlich nach weiteren plausiblen Antworten. Ein Dutzend unterschiedlicher Symptome lassen sich meist auf ein oder zwei Kernursachen zurückführen.

Beachte:

  • Geben Sie sich nie mit nur einer Antwort zufrieden!
  • Akzeptieren Sie niemals Schuldzuweisungen “Es gibt keine Schuldigen – nur Ursachen!”
  • Probieren Sie es zunächst mit einem persönlichen Problem, bevor Sie mit einer Gruppe arbeiten.

Hier noch ein Beispiel, wie man die “5 Warum´s” auch bei einem persönlichen Problem einsetzen kann:

 

 

3 Kommentare
  1. Hans-Jürgen
    Hans-Jürgen says:

    Hallo Gregor,
    vielleicht ist “Kernursache” nicht ganz der passende Begriff, denn er impliziert, dass es eine oder nur wenige Ursachen gäbe und wenn die gelöst wären, wäre auch das Problem pass?©. Im Bereich der toten Materie (siehe Gabungi-Beispiel) wäre das ja denkbar – in Bereich lebender Systeme glaube ich eher nicht an Monokausalität.
    Was mache ich praktisch: Ich versuche, mit meinen Warum-Fragen möglichst in einem Ast zu bleiben … und beisse mich dort fest ;-).
    Meiner Erfahrung passieren dabei interessante Dinge:
    z.B. man (ich, Klient…) landet bei einer Ursache, die ihm/mir völlig verrückt vorkommen, was dann jedoch bedeuten würde, dass alle darauf aufbauenden Konsequenzen bis hoch zum Ausgangsproblem logisch nicht mehr haltbar scheinen.
    Sieh es bitte eher als Methode zur Exploration von problemstabilisierenden Weltmodellen, als denn als “Problemlösungs-Methode”.

    Antworten
  2. Gregor
    Gregor says:

    Hallo Hans-Jürgen,
    schöne Sache das mit Gabungis Fragen. Im Beispiel-chart auch schön durchdekliniert. Allein – es stellt sich mir die Frage, was mache ich mit den Antworten auf die die vielen WARUMS? Wie komme ich von den Dutzend Symptomen auf die ein oder zwei Kernursachen?
    Lg Gregor

    Antworten

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