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Wenn es wirkt, war es NLP?! … oder war es umgekehrt?

NLP-Grenzen

Was ist (noch) NLP und was nicht mehr? Das Ergebnis einer Gruppe von NLP-Trainern (just in work;-)

Wenn ich in Google eingebe “Was ist NLP?“, dann bekomme ich in 0,37 Sekunden über 1,4 Millionen Treffer. Doch viel interessanter finde ich die Frage “Was ist nicht NLP?” (… die Google übrigens geflissentlich ignoriert;-)

Denn wenn ich etwas mit “x” bezeichne, muss es doch zwangsläufig auch “nicht-x” geben, oder?

Dazu  sind mir weider einmal meine Unterlagen von einem NLP-Trainer-Treffen in München in die Hände gefallen und ich stiess dabei auf diese wahrlich MERKwürdige Frage, die wir damals diskutiert hatten… tja und meines Erachtens nicht wirklich hinreichend beantwortet hatten. Grund genug, wie ich meine, dies nochmals hervorzuholen, oder?!

Was ist NLP und was ist kein NLP (mehr)?
oder etwas anders gefragt: “Wenn ich auf etwas stosse z.B. eine Kommunikationstechnik o.ä.
– woher weiss ich, dass dies NLP ist oder eben kein NLP ist?

Vielleicht meint Ihr jetzt, dass dies doch sehr akademisch ist und wenig pragmatisch. Vielleicht – vielleicht auch nicht?

Vielleicht hat es ja etwas mit meinen Werten (Transparenz, Klarheit?!) zu tun, das ich gerne wissen möchte, auf was ich mich einlasse. Oftmals ist mir das mehr oder weniger klar: Wenn ich einen LKW-Führerschein mache, lerne ich dort nicht, wie man mit einer Kettensäge umgeht und falls doch, würde mich das schon befremden. Und wenn ich mir eine Schachtel Kopfschmerztabletten kaufe, möchte ich nicht, dass da ein Kondom drin ist.

Bei Führerscheinen oder Tablettenpackungen ist das (noch) relativ einfach – bei Seminaren und speziell bei NLP-Seminaren nicht mehr ganz so einfach. Natürlich haben wir NLP-Trainer (auf alle Fälle die meisten von uns) ein Curriculum, das ein NLP-Verband ausgearbeitet hat.
Und in diesem Curriculum steht auch, was wir in unseren Ausbildungen lehren sollten – was jedoch nicht darin steht, ist was wir nicht lehren sollten.

Und so gibt es da draußen eine wunderbare Vielfalt von “Kombipräparaten” – sorry – ich meine natürlich “NLP-Seminaren” in denen der Teilnehmer ganz kostenlos und zusätzlich auch Dinge lernt und erfährt wie z.B. der Muskeltest aus der Kinesiologie funktioniert, die “4 Botschaften einer Nachricht von Friedemann Schultz von Thun”, das Enneagramm oder Techniken aus der Emotional Freedom Technique.

Nun – dagegen ist ja an sich überhaupt nichts zu sagen… im Gegenteil: Erstens ehrt es den Ausbilder und seine breite Wissens- und Könnensbasis und zweitens profitiert doch der Teilnehmer. Also warum sollte man sich darüber aufregen?

Tut ja auch keiner;-), aber vielleicht würde es der geistigen Klarheit unserer Teilnehmer dienen, wenn  wir (NLP-Trainer) hin und wieder mal das Kind beim Namen nennen – wenigstens soweit wir der Vater des Kindes bekannt ist.

Allerdings: Dies beantwortet noch nicht die Kernfrage :

Was ist nun NLP … und was ist kein NLP mehr?

Der erste Weg: Wir machen es uns leicht.

Nun könnte man es sich einfach machen, und sich z.B. eine Art “Generalabsolution” stricken:

“Wenn es wirkt, war es NLP!”
Alles was wirkt ist NLP, na und wenn es nicht gewirkt hat, war es halt auch kein NLP. Ein wundervoller positiver “Doublebind”: Egal was du machst – es ist immer richtig.
Spaß beiseite…. obwohl ich diese Definition allen Ernstes schon von einem zert. NLP-Trainer gehört habe.

“Passt es zu den NLP-Axiomen? – Dann ist es NLP!”
In meinen ersten NLP-Jahren zu Anfang der 1990er Jahre habe ich mich mit bestem Gewissen damit getröstet: Wenn es mit den NLP-Axiomen übereinstimmt, das ist es NLP.
Hier auszuführen, warum dieser Ansatz  nicht wirklich brauchbar ist, vielleicht einmal an anderer Stelle;-) Als Stichworte seien nur genannt: Kontextabhängigkeit und jede Menge semantische Fehlgeformtheiten.

Wenn es so etwas wie “NLP” gibt, muss es logischerweise auch ein “NICHT-NLP” geben, sonst ergibt die Einführung des Begriffes doch keinen Sinn, oder?
Aber wo fängt dieses “NICHT-NLP” an und wo hört das NLP auf? Und ist das eine digitale Trennlinie oder eher eine weiche Übergangszone?
Und wer bestimmt, wo diese Linie oder Zone liegt? Richard, John, Robert, Wyatt, die INLPTA, der DVNLP?
Oder vielleicht gar ich selbst – im besten Sinne unseres “Landkarten-Modells?”

 

Der zweite Weg: Das muss jeder für sich selbst beantworten

Fragen über Fragen… die mich gerade auf “die Mutter aller Fragen” bringt:

Ist die Frage “Ist das NLP oder ist dies kein NLP?” denn überhaupt prinzipiell entscheidbar?

Nach Heinz von Foerster gibt es…

a) prinziell entscheidbare und

b) prinzipiell nicht entscheidbare Fragen.

Prinzipiell entscheidbare Fragen, wie z.B. “Müssen Menschen essen?” oder “Fällt ein Stein nach unten, wenn man ihn loslässt?” stammen aus der objektiven Welt (Wirklichkeit 1. Ordnung) … und lassen sich demnach beantworten (=entscheiden). Prinzipiell entscheidbare Fragen gehorchen dem Muster “Ich lege für mich fest, wie es (für mich) ist.”

Prinzipiell nicht entscheidbare Fragen sind Fragen aus der subjektiven Wirklichkeit (Wirklichkeit 2. Ordnung) und lassen sich per definition prinzipiell nicht entscheiden.

  • Was geschieht, wenn wir sterben?
  • Hat das Licht Teilchen- oder Wellencharakter?
  • Ist Frau X eine gute Führungskraft?

Wenn man sie jedoch entscheiden (=beantworten) will, muss man dies selbst tun “Es ist wie ich es sage.
Dann aber trägt man auch die Verantwortung über diese Entscheidung d.h. wir müssen später antworten können auf die Frage, weshalb wir uns so und nicht anders entschieden haben.

Meiner Meinung nach ist diese Frage prinzipiell nicht entscheidbar, da ich NLP als eine Disziplin sehe, die sich mit dem subjektiven Erleben von Menschen beschäftigt.
Demnach muss ich selbst zu entscheiden, ob z.B. der Muskeltest aus der Kinesiologie noch zu NLP gehört oder eben nicht?
… was mich wiederum dazu zwingt, mich mit z.B. NLP und Kinesiologie intensiv auseinander zu setzen, mir Erfüllungs-Kriterien zu überlegen, an denen ich festmachen kann,
ob eine Technik oder ein Modell…

  1. zum Kern des NLP gehört
  2. mit NLP “verwandt” ist (engl. “familiar”)
  3. mit NLP kompatibel ist oder
  4. mit NLP inkompatibel ist

… um einmal ein paar Bereiche einer eventuellen Übergangszone von NLP zu “Nicht-NLP” zu formulieren.

Und während ich das hier schreibe, merke ich, dass dies schon wieder weitere Fragen aufwirft;-)

Und vielleicht es ja auch ganz anders, denn…

“Wir irren allesamt… nur jeder irret anders!” (Albrecht von Haller)

Ihre/Eure konstruktiven Meinungen zu diesen – für mich selbst noch unausgegorenen Gedanken – sind herzlich willkommen.

 

Von MERKwürdigen Amateuren und anderen Dilettanten

Meine Leser oder Seminarteilnehmer wundern sich hin und wieder darüber, wie ich manche Worte verwende. z.B. das harmlose Wörtchen “merkwürdig“.
Mit “merkwürdig” bezeichnet man ja heute im täglichen Sprachgebrauch etwas Seltsames, Komisches. Wenn ich dann von einem “MERKwürdigen Kommunikationsmodell” spreche oder schreibe, dann verwende ich dieses Wort allerdings im ursprünglichen Wortsinn von “es ist würdig, sich zu merken” – eben MERK-würdig.

Warum tue ich das?

Worte sind per se “Bedeutungs-Container“, das heisst, es sind leere Behälter, denen wir dann beim Lesen oder Hören Bedeutung verleihen – unsere Bedeutung –  nicht die Bedeutung. Man könnte auch sagen, Worte funktionieren wie “Erfahrungs-Anker“, d.h. ich (Sie auch!) lesen oder hören ein Wort und dieses Wort zieht “wie ein Anker” unsere dazugehörende Erfahrung hervor.
Dies gilt respektive für abstrakte Substantive, Verben und Adverbien.
Wenn ich also z.B. das Wort “Freund” höre, ziehen zeitgleich und unbewusst eine ganze Reihe von realen (oder konstruierten) Erfahrungen vor meinem geistigen Auge vorbei. Und damit verleihe ich diesem Wort “Freund” Bedeutung. Aber – es sind meine Erfahrungen, meine Anker und meine Bedeutung.

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

Ich spiele gerne mit Bedeutungen, um meine Leser, Hörer oder Teilnehmer dazu anzuregen (oder auch: wertschätzend provozieren), darüber nach zu denken, was das ein Wort für sie bedeutet.
Und eine Möglichkeit, sich frech über die alltägliche Bedeutung eines Wortes hinweg zu setzen, ist es nach dem URsprünglichen Wort-Sinn zu forschen.

Hier noch zwei MERKwürdige Beispiele:

  • Du Amateur!”… meist abwertend oder geringschätzend gemeint, wird dieses Wort meist für Situationen benutzt, in denen etwas schief läuft oder jemand einen Fehler gemacht hat.
    Im besten Falle gilt es als Entschuldigung für ein Mißgeschick. In beiden Fällen ist “Amateur” nicht gerade eine Prädikatsauszeichnung.
    Schade eigentlich, denn im “Amateur” steckt jede Menge Leidenschaft und Liebe, wenn man auf den Ursprung des Wortes schaut –  ausgehend vom lat.: “amator” = Liebhaber über das italienische “amabile” bis zum heutigen eigentlich französischen “Amateur”. Was soll bitte an einem Menschen, der etwas aus Liebe macht, falsch sein?
    Kinder spielen aus Liebe zum Spiel – bis sie auf eine Institution namens Schule treffen, in dem das Spiel (meist) aufhört und dem Ernst des Lebens Platz machen muss.
    Dann wenn der Ernst seine (Hochschul-)Reife errungen hat, versuchen Eltern dilettantisch (siehe unten “Du Dilettant”)  und amateurhaft Ihren Kindern wieder BeGEISTerung für eine BeRUFung nahezubringen.
  • “Du Dilettant!” … zielt in eine ähnliche Richtung und meint heutzutage die stümperhafte, oberflächliche und unfachmännische Ausführung einer Arbeit.
    Der Ursprung dieses Wortes ist jedoch ein ganz anderer. Der stammt nämlich von dem italienischen “dilettare“, was sich wiederum aus dem lateinischen Wort “delectare” ableitet und soviel wie “erfreuen” heisst.
    Ja, der “Dilettant” erfreut sich seiner Arbeit, übt sie seiner selbst willen aus (… im Gegensatz zum Professionellen, der eine Arbeit verrichtet, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
    Ursprünglich galt der Begriff (nach Wikipedia) dem nicht ausgebildeten Künstler und dem Kunstliebhaber und war keineswegs abwertend gemeint, sondern diente im 18. Jahrhundert dazu, die Tätigkeiten der Adeligen von denen derjenigen abzugrenzen, die sie zur Beschaffung ihres täglichen Brotes verrichten mussten.
    Hier einige mehr oder weniger berühmte Dilettanten:

    • Der Buchdrucker Benjamin Franklin erfand den Blitzableiter.
    • Der Pastor Robert Stirling erfand den Stirling-Motor.
    • Der Kaufmann Heinrich Schliemann entdeckte Troja.
    • Der Patentamtssachbearbeiter Albert Einstein entwickelte in seiner Freizeit die Relativitätstheorie.

Liebe MERKwürdige Amateure,
lasst uns weiterhin mit Passion und Liebe und voller intrinsischer Motivation mit unseren täglichen Aufgaben spielen. Vielleicht stecken wir ja den einen oder anderen “Professionellen”, der (nur) das tut, was er tut, um seine täglichen Brötchen zu verDIENEN.

PS. Sollte Ihnen noch das eine oder andere MERKwürdige Wort geläufig sein, dessen Bedeutung wir im Laufe der Zeit verändert (-gewaltig?!) haben – dann freue ich mich von Ihnen zu lesen.