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Verstehen ist die Ausnahme – Missverstehen die Regel

Warum es keine Garantie gibt, dass wir andere wirklich verstehen.

Im Prinzip ist Kommunikation ist ja schnell erklärt:

Auf der einen Seite gibt es den „Sender“. Er „verpackt“ seine Botschaft in kommunikative Signale (Sprache, Schriftzeichen oder auch Körpersprache) und „schickt“ sie zum „Empfänger“, der diese Signale aufnimmt und „decodiert“. Basta!
Und: Die Kommunikation war dann erfolgreich, wenn die vom Empfänger decodierte Nachricht mit der Nachricht, die der Sender codiert hat, identisch ist. Oder auf gut deutsch: Wenn der Empfänger verstanden hat, was der Sender meinte.

Natürlich kann es bei dieser Informationsübertragung einige „Störfälle“ geben:

Störfall 1: Undeutliche Signale
Der Sender hat undeutlich gesprochen, es war zu laut im Raum oder der Empfänger hat nicht „gescheit“ zugehört.  Das ist keine große Sache, da man dies bewusst bemerkt und das „Kommunikationsproblem“ durch ein Wiederholen oder Nachfragen schnell aus der Welt schaffen kann.

Störfall 2: Unbekannte Signale
„Können Sie mir einen Plögel leihen. Mir ist meiner leider entkolbt.“

Mit diesem Kommunikationsangebot hätten Sie wohl schon eher Probleme.
Verstehen setzt voraus, dass Sender und Empfänger über denselben Zeichen-Vorrat verfügen. Und das Nomen „Plögel“ und das Verb „kolben“ gehören wohl eher nicht zu Ihrem „Zeichen-Vorrat“, da ich diese beiden Worte gerade erfunden habe.

Sprache lebt. So wie neue Wörter „geboren“ werden, sich verbreiten und irgendwann allgemein bekannt sind, „sterben“ und verschwinden andere Wörter aus unserem Sprachgebrauch.
Versuchen Sie einmal sich mit einem 15-Jährigen über „Liebestöter“, „Kolonialwaren“ oder „Bandsalat“ zu unterhalten. Dann können Sie sich vorstellen, was meine.
(Wenn Sie Lust haben, einmal in Archaismen (=Wörter, die es in früheren Zeiten einmal gab) zu stöbern, hier ein Link

Aber auch dieser Störfall ist leicht aus der Welt zu schaffen: Man fragt einfach nach.

Störfall 3: Vieldeutige Signale
„Ich liebe Dich.“

Wieso ist das ein Störfall, fragen Sie. Das ist doch sonnenklar, meinen Sie.
Und genau d-a-s ist das Problem. Oben habe ich ja schon beschrieben, dass die Voraussetzung für gelungene Kommunikation ist, dass Sender und Empfänger einen „gemeinsamen Zeichen-Vorrat“ besitzen. Und das heißt eben nicht nur, dass die beiden nur Worte benutzen, die der andere auch kennt, sondern dass Sender und Empfänger einem Wort auch die gleiche Bedeutung geben. Das ist bei einem Satz wie „Bitte reiche mir das Mineralwasser.“ noch relativ harmlos. Da gibt es relativ wenig Deutungsspielraum. Bei „Ich liebe Dich!“ wird es da schon spannender.
In den meisten Fällen sprachlicher Kommunikation verwenden wir Wörter, die keine zuvor vereinbarte feste Bedeutung haben und auch nicht haben können. Stellen Sie sich bitte nur einmal vor, wir müssten vor jedem Gespräch mit unserem Kommunikationspartner erst einmal definieren, welche Worte wir benutzen werden und welche Bedeutung diese Worte haben sollen. Das würde schon deshalb nicht funktionieren, weil wir dazu ja auch wieder Worte benutzen müssten, die wir zuvor wieder definieren müssten und so fort. Im Computer-Jargon nennte man dieses Henne-Ei-Phänomen das „Bootstrap-Problem“.

Darunter fallen übrigens alle Wörter, die mit unseren Emotionen zusammenhängen. Es ist schlichtweg unmöglich, genau zu definieren, was es für eine Person bedeutet bzw. was sie wirklich damit meint, wenn sie sagt: „Ich bin sehr enttäuscht.“ Oder eben auch „“Ich liebe Dich.“

Solche Worte haben einen riesigen „semantischen Hof“, d.h. sie können sehr unterschiedliche Bedeutungen haben, abhängig von der Situation und vor allen Dingen von dem Menschen und seinem ganz persönlichen mentalen Modell.

Das eigentliche Kernproblem bei diesem dritten Störfall – im Gegensatz zu ersten beiden Fällen ist – dass der Empfänger diese gar nicht bewusst als Störung wahrnimmt.
Er hört ein solches Wort „Liebe, Enttäuschung etc.“, es ist ihm bekannt und er gibt ihm eine Bedeutung. Was ihm allerdings nicht bewusst ist, dass dies s-e-i-n-e Bedeutung ist und die nicht zwangsläufig die Bedeutung des Senders sein muss.

Der Neurobiologie und Philosoph Gerald Roth schreibt dazu:

Die Bedeutung von Wörtern und Sätzen ergibt sich daraus, dass die akustischen […] und grammatikalisch-syntaktischen Laut-und Sprachmuster mit allen in unserem semantischen Sprachgedächtnis enthaltenen Bedeutungen verglichen werden, die bei dem vorliegenden Muster zutreffen könnten und es wird diejenige Bedeutung aktiviert, die dem Muster am nächsten kommt.“

Oder wie es der österreichische Psychiater und Begründer der Logotherapie, Victor Frankl, ausdrückte:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion.“

 

Schlussfolgerungen:

  1. Wir können zwar Informationen kommunizieren, die Bedeutung dieser Information kann jedoch nicht (mit-)kommuniziert werden. Bedeutungen werden in jedem (Empfänger-) Gehirn auf der Grundlage sozialer und persönlicher Vorerfahrungen erzeugt.
  2. Kommunikation ist also kein Austausch von Informationen, sondern eine Anregung zu wechselseitiger Konstruktion von Bedeutungen.
  3. Wir – als Sender – können damit auch keine bestimmte – von uns gewollte – Bedeutungskonstruktion beim Zuhörer erzwingen.
  4. Wenn „Verstehen“ bedeutet, dass Sender und Empfänger identische Bedeutungen teilen, dann ist Verstehen dann wohl eher die Ausnahme und Missverstehen der Normalfall – nur merken wir meist nichts davon.

Wenn wir über dieses Thema in meinem NLP-Ausbildungen sprechen, spüre ich seitens mancher Teilnehmer recht heftige Frustrationsreaktionen:

  • Dann weiß ich ja nie, ob mich mein Mitarbeiter, meine Kinder, mein Partner wirklich verstanden hat.
  • Wenn wirkliches Verstehen eher die Ausnahme ist, wie schaffen wir Menschen es dann überhaupt zusammen zu arbeiten, Projekte zu realisieren und gemeinsam Ziele zu erreichen?
  • Wenn das so ist, wie kann ich dann überhaupt etwas dafür tun, dass ich Menschen besser verstehe und Menschen mich besser verstehen?

Gute Fragen, wie ich meine.

Meine Antwort darauf lautet: Wir werden zwar nie eine Garantie haben, dass ich den anderen so verstehe, wie er es gemeint hat (um umgekehrt), aber wir können sehr wohl die Wahrscheinlichkeit des gegenseitigen Verstehens erhöhen und zwar dadurch:

  1. Dass wir uns immer wieder vor Augen halten, dass wir nur Kommunikationsangebote machen können, aber weder eine Garantie haben, was der andere an Bedeutung daraus macht, noch eine Kontrolle darüber haben.
  2. Dass es eine ganze Reihe von recht nützlichen Vorannahmen gibt, die uns dabei unterstützen können, wie z.B.
    1. Wenn das, was ich tue, gerade nicht funktioniert, liegt das nicht (zwangsläufig) an der Renitenz meines Kommunikationspartners, sondern ist zunächst einmal ein Hinweis dazu, etwas Anderes zu tun.“
    2. Auch wenn sich der andere etwas unglücklich ausdrückt oder gerade nicht den richtigen Ton fand, unterstelle ihm eine positive Absicht.“
    3. Menschen verhalten sich zwar nicht immer rational und auf der Grundlage nachvollziehbarer Fakten, aber immer konform zu ihrem persönlichen mentalen Modell. (Peter Senge)
  3. Dass es vor diesem Hintergrund recht nützlich scheint, das mentale Modell meines Gesprächspartners zu erkunden und dieses als prinzipiell gleich-wertig zu meinem eigenen Modell anzusehen – bevor ich ihm relevante Kommunikations-Angebote unterbreite. Denn je besser ich seinen Bedeutungshintergrund verstehe (seine Werte, und seine Überzeugungen) desto passgenauer kann ich meine Angebote formulieren.

Warnung:  Bitte verstehen Sie diesen Artikel nicht als Appell, nun zum Beispiel mit Ihrem Lebenspartner sämtliche Erfüllungskriterien der Werte durchzudiskutieren, die Ihnen in Ihrer Beziehung wichtig sind. Aus eigener Erfahrung kann man recht gut 30 Jahre glücklich in einer Partnerschaft zusammenleben, ohne wirklich genau zu wissen, was z.B. „Liebe“ für den anderen im Detail bedeutet.

Quellennachweis: 

Gerhard Roth: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten: Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern

Peter Senge: Das Fieldbook zur Fünften Disziplin

Ein Video zum dem Werte-Instrument profilingvalues

Auf meinen letzten Artikel über das Werte-Instrument “profilingvalues” haben mich eine Menge Mails und Anrufe von Menschen erreicht, die sich für dieses recht einzigartige Instrument interessieren.

Was mich besonders freute, waren all die Fragen, die an mich darüber gestellt wurden.

Fragen wie:

  • Was genau misst das profilingvalues?
  • Wo kann man es einsetzen?
  • Was erfährt man genau über sich mit dem profilingvalues?

und vieles andere mehr.

[squeeze_box]Mein Angebot: Da ich gerne meinen Teil zur Verbreitung des profilingvalues beitragen möchte, biete ich Ihnen den “Advanced-profilingvalues-Check” im Wert von € 360.- zu einem Kennenlernpreis von nur € 175.- an.

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Unter anderem fragte mich ein Anrufer, ob es denn nicht möglich sei, das profilingvalues in einem kurzen Video etwas näher zu erläutern. Und da ich gerade ein paar Seminar-freie Tage hatte…. wohlan… hier mein erstes Video über das profilingvalues, in der Hoffnung, dass es die wichtigsten Fragen über dieses Wertemessinstrument beantwortet;-)

 

Ein Einführungsvideo in das profilingvalues


Mehr über das profilingvalues:

Meine erste Begegnung mit dem profilingvalues (Artikel)

Coaching mit dem profilingvalues (Info-Seite)

Autor: Hans-Jürgen Walter

Erste Begegnungen mit dem profilingvalues (1)

Auf den Punkt gebracht: 

In diesem (… und den folgenden) Artikeln möchte ich Euch von meinen persönlichen Erlebnissen mit einem faszinierenden Instrument namens “profilingvalues” und dem dahinterliegenden Wertemodell berichten.

HINWEIS: Dieser Artikel ist eher für LeserInnen gedacht, die gerne hinter die Kulissen meiner Arbeit schauen und denen es Spaß macht, sich auch einmal mit eher abstrakten Themen auseinander zu setzen. Allen Pragmatikern unter Ihnen, die sich  für die Umsetzung in die Praxis interessieren möchte ich die folgende Seite empfehlen: Das profilingvalues

Werte … ein supraleitendes Thema?!

Mein Freund Stephan Magnus spricht hin und wieder von “supraleitenden Themen“, Themen also, die ohne grossen Widerstand unabhängig von Zeit und Raum viele Menschen immer wieder in ihren Bann ziehen.

Eines meiner supraleitenden Themen seit Jahren sind “Werte”.
Wohl einerseits, da Werte in der innerpsychischen Gemengenlage von Verhaltensweisen, Einstellungen, Überzeugungen, Motive und Glaubenssätze eine recht zentrale Rolle einzunehmen scheinen und gegenüber vielen anderen dieser Konstruktionen relativ stabil durch die Zeit sind.
Andererseits aber auch, da die Werte eines Menschens so vielfältigen Einfluss auf unseren Alltag haben: Wofür kann ich mich motivieren – wofür nicht? Zu wem fühle ich mich hingezogen – zu wem nicht? In welcher Unternehmenskultur fühle ich mich wirklich wohl?

Wenn ich mir die Bücher zu diesem Thema in meinem Schrank anschaue, dann kann man diese rund 2.500 Seiten ganz grob in zwei Kategorien teilen:

  1. Bücher, deren Autoren den Eindruck erwecken, sie seien im Besitz des “richtigen” Wertesets und sie wüssten, was die Welt, Unternehmen, Familien oder der Mensch ans sich gerade bräuchten. Vielleicht liegt es an meinen Werten, aber vieles davon kommt mir – bei aller inhärenter Konsistenz – allzu dogmatisch, oft anmassend und meist recht viel zu pessimistisch (“Werteverfall”) vor.
  2. Bücher, deren Autoren – oftmals sehr  faszinierende – neue Modelle geschaffen haben, wie man “Werte” betrachten kann. Hier sei z.B. Das “Graves-Modell” des amerikanischen Psychologen Claire Graves genannt, oder die Weiterentwicklung daraus, das “Spiral Synamics” von Don Beck.

Was ich in beiden “Regalen” bisher etwas vermisst habe, ist ein Werteansatz, der a) genügend Tiefgang bietet b) auf der Grundlage einer nachvollziehbaren Philosophie basiert, c) mir bitte nicht vorschreibt, welche Werte ich haben sollte und d) mir darüberhinaus ein praktisches Werkzeug liefert, das mich bei der persönlichen Entwicklung meiner Werte (… und der meiner Coachees) unterstützt.

Nun könnt Ihr mir gerne einen tendenziell perfektionistischen Ansatz unterstellen 😉 … aber ich momentan das Gefühl, dass ich sehr nahe daran bin, diesen Ansatz gefunden zu haben.

Erste Berührung – erste Irritationen

Als ich vor ca. einem Jahr über zwei gute Freunde von profilingvalues hörte, war ich zunächst einmal irritiert.

Vielleicht kennt Ihr das: Du glaubst über ein bestimmtes Thema recht gut Bescheid zu wissen und versuchst unbewusst, jede neue Information, die du zu diesem Thema erfährst nun irgendwie in deine bisherige Auffassung einzuordnen. Wenn dir das gelingt, dann hast du zwar nicht wirklich etwas gelernt, fühlst Dich aber ob der inneren Konsistenz weiterhin gut.
Meine beiden Freunde schafften es irgendwie (lieben Dank an Ulla und Martin), diese Psychodynamik (“confirmation Pias”) bei mir auszuhebeln und  mich so in den Bann zu ziehen. Ja sie erreichten sogar, dass mich die Irritation über das, was die beiden über Werte und das profilingvalues erzählten, eher noch neugieriger machte.

Was mich zunächst so irritiert hat, war folgendes:

Wenn man mit Menschen über Werte spricht, denkt man meist automatisch an solche Begriff wie Freundschaft, Ehrlichkeit, Freiheit, Loyalität etc..

Relativ abstrakte Begriffe also, mit denen jeder Mensch zwar etwas anfangen kann, denen jeder Mensch aber auch höchst unterschiedliche Bedeutungen zuweist. Was für den einen schon “Freundschaft” ist, muss dem anderen noch lange nicht genügen.

Werte im landläufigen Sinne sind also eine Art “sozialer Konstrukte”, die verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Erfüllungskriterien (Wann genau ist dieser Wert für mich existent?) belegen. Und das machte die Arbeit mit Werten z.B. Im Coaching oder auch bei der Erarbeitung einer Unternehmenskultur nicht immer ganz einfach;-)

Der Werteansatz von Dr. Robert S. Hartmann

Und nun hörte ich, dass der geistige Urvater des profilingvalues, Dr. Robert S. Hartmann (1910-1973), einen völlig anderen Ansatz verfolgte: Er beschäftige sich nicht mit Werten im Sinne von Nominalisierungen und sozialen Konstrukten, sondern ging zurück zu dem Verb “werten” im Sinne von “etwas Bedeutung geben“.

(Wir NLP´ler würden sagen: “Er entnominalisierte das Substantiv “Wert” und führte es wieder zurück auf das ursprüngliche Verb “werten”. Damit löste er die eingefrorene Starrheit des “Wertes” auf und gab ihm wieder seine ursprüngliche Dynamik zurück in Form der Tätigkeit “werten”)

Was dem  einen oder anderen Leser nun vielleicht wie eine sprachliche Spitzfindigkeit vorkommt, bekommt eine weitaus grössere Tragweite, wenn man sich den Ansatz von Robert S. Hartmann genauer anschaut:

Das persönliche Wertemodell eines Menschens entsteht durch den millionenfachen Vorgangs des Wertens.

Dies erläutert Dr. Ulrich Vogel, der das profilingvalues auf der Grundlage der Erkenntnisse von Hartmann entwickelt hat sinngemäss so:

Wenn wir uns das Talent-Portfolio eines Kleinkindes anschauen, das – so nehmen wir an – eine sehr hohe Begabung im zwischenmenschlichen Bereich aufweist und nehmen weiterhin an an, dass dieses Kind von Anfang an in einer Umgebung aufwächst, wo es dieses Talent auch anwenden kann. Dann beginnt dieses Kind bereits im frühkindlichen Stadium sehr genau zu werten, denn es gibt den Dingen und Menschen um sich herum unterschiedliche Bedeutung. Zum Beispiel dadurch, dass es in einem Raum, in dem es menschen und Dinge gibt, sich in aller Regel eher auf die Menschen zugeht und nicht zuerst zu den Bauklötzen. In der Tendenz erlangen Menschen für dieses Kind eine höhere Bedeutung als Gegenstände.  […] dieses letztendlich viele millionenfache Werten baut das einzigartige Wertesystem eines Menschen auf.
(Quelle: Dr. Ulrich Vogel, Anwenderhandbuch, S. 52ff)

Mein erstes Resümee (Stand: Juni 2012)

Langsam aber sicher wurde mir – nach anfänglichen Stadien der Verwirrung (… die bekanntermassen eine guet Vorstufe für wirkliches Verstehen sein soll;-) klar, was mich an dem Instrument und dem Denkansatz des profilingvalues so fasziniert:

  • Werte werden nicht als starre Eigenschaften verstanden, sondern der Prozess des Wertens im Sinne von “Bedeutung geben” steht im Vordergrund.
  • Das Wertesystem eines Menschens wird nicht “Holzschnitt-artig” auf einige – letzendlich doch nicht wirklich greifbare – soziale Konstrukte reduziert, sondern dem Umstand Rechnung getragen, dass jeder Mensch ein absolut einzigartiges Wertesystem besitzt
  • Dieses Wertesystem (=Vorgang des Wertens als Tätigkeit) kann trotz seiner Komplexität mit dem profilingvalues greifbar gemacht werden.

[… wird fortgesetzt] 

Autor: Hans-Jürgen Walter

Credits:
photo credit: otherthings via photopin cc

Von MERKwürdigen Amateuren und anderen Dilettanten

Meine Leser oder Seminarteilnehmer wundern sich hin und wieder darüber, wie ich manche Worte verwende. z.B. das harmlose Wörtchen “merkwürdig“.
Mit “merkwürdig” bezeichnet man ja heute im täglichen Sprachgebrauch etwas Seltsames, Komisches. Wenn ich dann von einem “MERKwürdigen Kommunikationsmodell” spreche oder schreibe, dann verwende ich dieses Wort allerdings im ursprünglichen Wortsinn von “es ist würdig, sich zu merken” – eben MERK-würdig.

Warum tue ich das?

Worte sind per se “Bedeutungs-Container“, das heisst, es sind leere Behälter, denen wir dann beim Lesen oder Hören Bedeutung verleihen – unsere Bedeutung –  nicht die Bedeutung. Man könnte auch sagen, Worte funktionieren wie “Erfahrungs-Anker“, d.h. ich (Sie auch!) lesen oder hören ein Wort und dieses Wort zieht “wie ein Anker” unsere dazugehörende Erfahrung hervor.
Dies gilt respektive für abstrakte Substantive, Verben und Adverbien.
Wenn ich also z.B. das Wort “Freund” höre, ziehen zeitgleich und unbewusst eine ganze Reihe von realen (oder konstruierten) Erfahrungen vor meinem geistigen Auge vorbei. Und damit verleihe ich diesem Wort “Freund” Bedeutung. Aber – es sind meine Erfahrungen, meine Anker und meine Bedeutung.

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

Ich spiele gerne mit Bedeutungen, um meine Leser, Hörer oder Teilnehmer dazu anzuregen (oder auch: wertschätzend provozieren), darüber nach zu denken, was das ein Wort für sie bedeutet.
Und eine Möglichkeit, sich frech über die alltägliche Bedeutung eines Wortes hinweg zu setzen, ist es nach dem URsprünglichen Wort-Sinn zu forschen.

Hier noch zwei MERKwürdige Beispiele:

  • Du Amateur!”… meist abwertend oder geringschätzend gemeint, wird dieses Wort meist für Situationen benutzt, in denen etwas schief läuft oder jemand einen Fehler gemacht hat.
    Im besten Falle gilt es als Entschuldigung für ein Mißgeschick. In beiden Fällen ist “Amateur” nicht gerade eine Prädikatsauszeichnung.
    Schade eigentlich, denn im “Amateur” steckt jede Menge Leidenschaft und Liebe, wenn man auf den Ursprung des Wortes schaut –  ausgehend vom lat.: “amator” = Liebhaber über das italienische “amabile” bis zum heutigen eigentlich französischen “Amateur”. Was soll bitte an einem Menschen, der etwas aus Liebe macht, falsch sein?
    Kinder spielen aus Liebe zum Spiel – bis sie auf eine Institution namens Schule treffen, in dem das Spiel (meist) aufhört und dem Ernst des Lebens Platz machen muss.
    Dann wenn der Ernst seine (Hochschul-)Reife errungen hat, versuchen Eltern dilettantisch (siehe unten “Du Dilettant”)  und amateurhaft Ihren Kindern wieder BeGEISTerung für eine BeRUFung nahezubringen.
  • “Du Dilettant!” … zielt in eine ähnliche Richtung und meint heutzutage die stümperhafte, oberflächliche und unfachmännische Ausführung einer Arbeit.
    Der Ursprung dieses Wortes ist jedoch ein ganz anderer. Der stammt nämlich von dem italienischen “dilettare“, was sich wiederum aus dem lateinischen Wort “delectare” ableitet und soviel wie “erfreuen” heisst.
    Ja, der “Dilettant” erfreut sich seiner Arbeit, übt sie seiner selbst willen aus (… im Gegensatz zum Professionellen, der eine Arbeit verrichtet, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
    Ursprünglich galt der Begriff (nach Wikipedia) dem nicht ausgebildeten Künstler und dem Kunstliebhaber und war keineswegs abwertend gemeint, sondern diente im 18. Jahrhundert dazu, die Tätigkeiten der Adeligen von denen derjenigen abzugrenzen, die sie zur Beschaffung ihres täglichen Brotes verrichten mussten.
    Hier einige mehr oder weniger berühmte Dilettanten:

    • Der Buchdrucker Benjamin Franklin erfand den Blitzableiter.
    • Der Pastor Robert Stirling erfand den Stirling-Motor.
    • Der Kaufmann Heinrich Schliemann entdeckte Troja.
    • Der Patentamtssachbearbeiter Albert Einstein entwickelte in seiner Freizeit die Relativitätstheorie.

Liebe MERKwürdige Amateure,
lasst uns weiterhin mit Passion und Liebe und voller intrinsischer Motivation mit unseren täglichen Aufgaben spielen. Vielleicht stecken wir ja den einen oder anderen “Professionellen”, der (nur) das tut, was er tut, um seine täglichen Brötchen zu verDIENEN.

PS. Sollte Ihnen noch das eine oder andere MERKwürdige Wort geläufig sein, dessen Bedeutung wir im Laufe der Zeit verändert (-gewaltig?!) haben – dann freue ich mich von Ihnen zu lesen.

NLP-Survival-Kit (4): Die BedeutungsLeiter hochklettern…

Die BedeutungsleiterSeit gestern ist eine weitere Hörsendung (Podcast) zum Thema “Mit NLP durch schwierige Zeiten” online:

Heute geht es darum, wie wir jeden Tag …

von konkreten Fakten…

… über vage Bedeutungen…

… zu manchmal abstrusen Schlußfolgerungen kommen

… und darauf ein Verhalten zeigen, das oft genug so manches Gespräch “emotional an die Wand fährt” – kurzum: wie wir jeden Tag flink wie Schimpansen die Bedeutungs-Leiter im eigenen Kopf emporklettern

Sendung anhören? Einfach auf den “Play-Button klicken!

[audio:http://hjwalter.podspot.de/files/ak064_nlpsk_bedeutungsleiter_090306.mp3]

Hörsendung herunterladen

Zu dieser Sendung habe ich einen 3-seitigen Miniskript verfasst auf dem das Wichtigste nochmals nachzulesen ist.
Den MiniSkript gibt es in der “Download-Bar” kostenlos zum Herunterladen.

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