Management By Talking Around

Ich bin mir nicht sicher, aber glaube, dass es Tom Peters das erste Mal propagiert hat: “Liebe Führungskräfte, nehmt Euch Zeit, geht immer wieder durch die Büros und Produktionsstätten Eures Unternehmens und … sprecht mit Euren Leuten – ohne Agenda – einfach so.” – “Management by Walking around” – eben!

Das mag bei 20 oder 30 Mitarbeitern ja noch angehen, aber was ist, wenn der tägliche “Walk around” langsam Marathonausmaße annimmt?

Wie wäre es dann mit einem “Talk around” – wie es zum Beispiel im Otto Versand in Hamburg seit einiger Zeit Usus ist.

  • Der Vorstand als “Märchenonkel”
    Da gibt es zum Beispiel den Mini-Event “Der Vorstand liest.” Da sitzen Vorstände in einer gemütlich gestalteten Ecke der Hauptverwaltung und lesen Passagen aus ihren Lieblingsbüchern vor. Und nicht nur das: Sie begründen, warum Sie ausgerechnet dieses Buch lesen und diskutieren mit den anwesenden Teilnehmer über die Inhalte.
    Ziel des Events ist es laut Sirka Laudon, der Leiterin der Personalentwicklung und Personalmarketing bei Otto, Berührungsängste zwischen den Chefs und den Mitarbeitern abzubauen und miteinander ins Gespräch zu kommen. (aus: Zeitschrift “Impulse 9/2010).
  • “Blind Lunch”
    Als weitere Möglichkeit, sich auch außerhalb der eigenen Abteilung besser zu vernetzen und wertvolle Kontakte zu knüpfen hat der Otto Versand so. “Blind Lunches” eingeführt. Wer Lust hat, kann mit unbekannten Kollegen oder Chefs Mittag essen gehen, die ihm per Losverfahren zugeteilt werden.

Ob “Walking” oder “Talking” – es gibt unzählige Möglichkeiten, über die man als Unternehmer oder Führungskraft mit anderen Menschen (… nicht nur mit dem eigenen Team) in Kontakt kommen kann, wenn man ein klein wenig kreativ ist und vielleicht auch die eine oder andere (konventionelle) Regel über Bord wirft.
So hat ein mir nicht unbekannter Chef einer Werbeagentur das Ritual eines gemeinsamen (aber nicht verbindlichen) Frühstücks eingeführt. Ein Kollege bringt ein paar Tüten Brötchen mit und man trifft sich einmal die Woche zu einem gemeinsamen Frühstück. Sein Resumee: “In diesen 30 min werden oft Dinge besprochen, die weitaus wichtiger sind, als so manches Meeting.”

Um Ihnen noch eine letzte Anregung zu geben: Als ich vor 5 Jahren unser Edutainment-Portal “Das Abenteuer Leben” gründete, gehörte ein lieber Freund und seines Zeichens Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens zu den ersten Hörern.
Unser Podcast-Portal hat ihn dermaßen inspiriert, dass er kurze Zeit darauf seinen eigenes “Unternehmens-Radio” aus der Taufe hob. In regelmässigen Abständen nahm er mit einem mobilen Aufnahmegerät kurze Audio-Clips mit Themen auf, die ihn bewegten und speiste diese für alle Mitarbeiter ins Intranet ein – die Leute waren begeistert.

In der Hoffnung, Sie mit diesem Artikel auf ein paar neue und MERKwürdige Ideen gebracht zu haben…

I h r

1 Antwort
  1. Marco G.
    Marco G. says:

    Hallo Hans-Jürgen,

    das war ein sehr interessanter Artikel. Ich praktiziere genau dies nun seit zwei Jahren. Die Ergebnisse sind sehr positiv:
    – Mein Team ist mir gegenüber extrem loyal (Zitat: “Chef, für Dich geh ich durch’s Feuer!”).
    – Es arbeitet härter als vorher und ist dabei sehr zufrieden.

    Die ganze “Wir-sitzen-alle-in-einem-Boot”-Nummer funktioniert ausgezeichnet. Ich erkläre immer, daß wir uns alle nur durch unsere Aufgabe/Rolle unterscheiden – und nicht in unserer Wichtigkeit. So habe ich es bei meinen letzten zwei Projekten nach kürzester Zeit geschafft, daß das “Loyalitäts-Ranking” so ausschaut:
    1. Marco
    2. Auftraggeber
    3. Arbeitgeber

    (outgesourcte Vertriebsprojekte)

    Das macht mir meine Arbeit viel leichter…
    Wie mache ich das?
    Ich unterhalte mich ungezwungen mit meinem Team, höre zu, gebe Ratschläge, klammere kein Thema aus, nehme Ihre Sorgen, Wünsche, Anregungen ernst und helfe ihnen auch bei nicht arbeits-bezogenen Themen. Und vor allem: Ich nehm mich selbst nicht so ernst!

    So konnte ich es schaffen ein unterperformendes Projekt innerhalb von nur 4 Wochen in die schwarzen Zahlen zu bringen. Unglaublich wie Loyalität und Motivation zusammenhängen.

    Gruß
    Marco

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