Was man von Rednern so alles lernen kann … PräsentationsKompetenz

Am letzten Wochenende war ich Gast auf einem Management-Kongress, den ich seit vielen Jahren regelmässig besuche.

Es mag daran liegen, dass ich mich momentan intensiv mit Vortrags- und Präsentationstechnik beschäftige – auf jeden Fall hatte ich manchmal wirklich Schwierigkeiten den Inhalten zu folgen, da ich so auf die Art und Weise des Vortrages konzentriert war.

Hier einmal ein paar kurze erste Erkenntnissen aus diesen beiden Tagen:

  1. Reduziere deinen Stoff auf das wirklich Wesentliche!
    Dazu fällt mir besonders ein Redner ein, ein überaus erfolgreicher Unternehmer, der über seine Erfolgsrezepte plauderte.
    Toller Start und dieser Mann war wirklich mit viel Herzblut bei der Sache, aber irgendwann im 2. Drittel merkte ich, wie sich – nicht nur meine – Konzentration langsam aber sicher in Wohlgefallen auflöste und ich einen unbändigen Drang nach einem Cappuccino bekam.
    Warum? Weil der nette Mensch zu meinen glaubte, er müsse dem Publikum wirklich alles zeigen und alles sagen, was er an interessanten Dingen tut… und noch eine Folie… und noch etwas “Ganz Wichtiges”.
    Schade! Weniger wäre da wirklich mehr gewesen! Wie effektiv wäre dieser Vortrag gewesen, wenn er sich auf – sagen wir mal auf die 3 mal 3 wirklich wichtigsten Punkte reduziert hätte?
    Mein Tipp: Machen Sie sich immer bewusst: Niemand im Publikum bemerkt, was der Redner sagen wollte, aber nicht gesagt hat.
  2. Ein Vortrag ist kein Seminar!
    Der 2. Redner: tolles Thema – toller Start. Aber dann kam die erste Powerpoint-Mini-Trance: Ca. 20 eher meditative Folien mit Musik unterlegt. Das Energielevel im Publikum fällt.
    Wenig später die 2. Einspielung: eine Audiosequenz in Form eines recht schlecht verständlichen Interviews. Das Publikum wird unruhig – die ersten stehen auf, sich ein Getränk zu holen.
    Dann ca. 15 min darauf eine Übung, in der man über 4 vom Redner gestellte Fragen nachdenken sollte, während der Redner auf “Stand-by” ging. Auch wenn sich der eine oder der andere die Mühe gemacht hat, sich mit den Fragen zu beschäftigen… die Energie sank weiter.
    Mein Tipp: Was in einem Seminar¬† passt (Audio-Einspielung, Denksportaufgabe u.ä.) muss bei einem Vortrag vor ca. 250 Menschen nicht auch passen. Je grösser die Gruppe, desto grösser das “Gruppenträgheitsmoment” und desto geringer die”Response-Bereitschaft“. Grosse Zuhörergruppen lehnen sich oftmals in Konsumhaltung zurück, wollen inspiriert und unterhalten werden. Jede längere (> 20 sec) Passivitäts-Phase seitens des Redners senkt das Energieniveau.
  3. RedeErfolg = 1. wenig Stoff + 2. plausible Struktur + 3. klare Botschaft + 4. Leidenschaft + 5. Story Telling
    Ja, das gab es auch zu erleben: Redner, die sich auf wenige Kernaussagen konzentrierten, z.B. der Dirigent und Produzent Christian Gansch.
    Eine seiner Kernaussagen: “Ein Orchester ist kein chaotischer Künstlerhaufen, sondern ein absolut präziser Prozess.
    Bewunderswert mit welcher ausdrucksstarken Gestik und Mimik er dies Vortrug (Leidenschaft!) und durch einprägsame Geschichten belegte (Story Telling!)
    Dass letzteres nicht unbedingt das Erfolgsrezept per se ist, demonstrierte zum Schluß der Veranstaltung der Physiker und ehemalige Astronaut Prof. Ulrich Walter.
    Wirklich tolle Geschichten, die Sie zu erzählen hatten, Herr Professor, auch die Struktur Ihres Vortrages war völlig in Ordnung. Aber was war Ihre Botschaft???… darüber grübele ich heute noch.
    Nun gut – wollen wir nicht allzu streng sein – immerhin war mein Söhnchen völlig darüber begeistert, dass Papa ihm nun erzählen konnte, dass Astronauten die Schwerelosigkeit mit wilden Parabelflügen in einer umgebauten Boing trainieren;-)

Mein Resümee:
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wenn ich diese Profi-Redner vom letzten Wochenende mit meinen Teilnehmern des letzten “PräsentationsKompetenz”-Workshop vergleiche, dann bin ich äusserst guter Dinge.
Denn im direkten Vergleich zu den Profi-Rednern haben meine Teilnehmer durch die Bank gezeigt, dass es auch für jeden Amateur-Redner – der nur hin und wieder einmal eine kurze Präsentation vor einer weitaus kleineren Gruppe hält – durchaus möglich ist, ein recht hohes Redeniveau zu entwickeln.

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