Wertequadrat-Ordnung-Improvisation

Der Flirt mit dem Zufall – die Alternative zu Zwang und Chaos

Heute früh bin ich aufgestanden und mir kam etwas in den Sinn, was mich vor einiger Zeit bewegt hat. Lasst es mich mal nennen: Der Flirt mit dem Zufall.

Ich glaube, ich war so Anfang 20 und der Sinn stand mir nach Extremen, was mich das eine oder andere Mal haarscharf um mein Erbe gebracht hätte. Und dementsprechend war auch die Lektüre, die wir damals Ende der 70er lasen. Wir konnten nächtelang über Castanedas Don Juan diskutieren und liebten den Steppenwolf von Hermann Hesse.

Zu unserer Kultlektüre zählte damals auch der Diceman, jene Story von und über Luke Rhinehart, jenes durchgeknallten New Yorker Psychiaters, der sein Leben vom Zufall, um genau zu sein, von einem Würfel bestimmen ließ. Das Buch war wild und anarchisch, so waren die Zeiten eben – glaubten wir wenigstens. Vor einiger Zeit fiel es mir wieder in die Hände. Vielleicht kennst Du das. Du stehst so vor dem Bücherregal. Dein Blick fliegt über die Buchrücken und Du suchst etwas, was Dich anmacht. Und just da fiel es aus dem Regal, das alte abgegriffene Paperback von „Der Würfler“.

Zufall? Manche Menschen sagen ja, Zufall ist, wenn dir etwas zufällt – im richtigen Augenblick. Und ich denke, so war es. Und ich beginne zu lesen:

In erster Linie bin ich Psychiater. Meine Leidenschaft als Psychiater und als Würfler gehört der menschlichen Persönlichkeit und den Möglichkeiten, sie zu verändern. Meine Persönlichkeit, die anderer, die jedermanns. Ich will den Menschen das Gefühl der Freiheit, der ungetrübten Freude verschaffen. Die reinen nackten Empfindungen sollen wieder zum Leben erweckt werden. Empfindungen, die etwa entstehen, wenn wir mit bloßen Füßen am frühen Morgen die Erde spüren und plötzlich gleich horizontalen Blitzen die Strahlen der aufgehenden Sonne durch das Blattwerk der Bäume hervorbrechen sehen. Wenn ein junges Mädchen zum ersten Mal die Lippen zum Kuss reicht, wenn ein plötzlicher Ideenblitz uns innerhalb von einer Zehntelsekunde die Erfahrung eines ganzen Lebens im neuen Lichte erscheinen lässt. Das Leben besteht aus kleinen Inselchen der Ekstase und Verzückung inmitten eines Ozeans der Langeweile. Und ist man einmal 30, dann sieht man immer seltener Land. Wenn man gut ist, wandert man solange von einem Streifen Sand zum anderen, bis man fast jedes Sandkörnchen kennt.“

Manchmal denke ich, ein klein wenig mehr von Lukes Einstellung könnte uns in einer Zeit, in der zwei Drittel aller Steuergesetze auf der Welt in Deutsch verfasst sind nicht schaden.

“Die Zehn Gebote zählen 279 Wörter, die Unabhängigkeitserklärung der 13 US Staaten zählen 300 Wörter und haltet Euch fest! Die EG-Verordnung über Importe von Karamellbonbons zählen 25.911 Wörter.”

Wo Du hinschaust, alles ist geregelt. Wir haben die DIN 820, die Mutter aller Ordnungen, die auf 150 eng beschriebenen Seiten regelt, wie alles geregelt sein muss. Es gibt über 20.000 DIN-Vorschriften und 40.000 Fachleute in Unternehmen, Behörden und Verbänden arbeiten haupt- und nebenamtlich an der Weiterentwicklung dieser Regelwerks. Jeder Deutsche hat mindestens fünf Versicherungen oder waren es zehn? Genau aus diesem Grund ist mein Bruder vor vielen Jahren nach Brasilien ausgewandert, weil es ihm hier irgendwie einfach zu eng wurde.

Hermann Rühle, hat seinem bemerkenswerten Buch  “Die Kunst der Improvisation” schön beschrieben. Er sagte:

“Ordnung ist das halbe Leben. Und was ist eigentlich mit der anderen Hälfte?”

“Es scheint irgendwie so zu sein, dass zwei Welten unser Leben bestimmen und miteinander ringen. Auf der einen Seite eine ordentliche Welt, voller Planung, Exaktheit, Organisiertheit und Geradlinigkeit, die aus Gesetzen, Normen, Fahrplänen, Arbeitszeitmodellen, Friedhofsordnungen und Synchronschwimmen besteht. Und auf der anderen Seite eine außerordentliche Welt, in der es locker zugeht, in der man das Unvorhergesehene irgendwie spontan bewältigt, mit einer Stegreifrede zum Beispiel oder mit einer Sicherheitsnadel provisorisch, last minute-mäßig. Und beide Welten können ins Extreme abdriften. Das Ordentliche ins Zwanghafte und das Außerordentliche ins Chaos.” Der französische Schriftsteller Paul Valéry sagte dazu:

Zwei Gefahren drohen der Welt, Ordnung und Chaos.

Bitte versteh mich richtig. Ich mag Ordnung. Aber jede Ordnung hat auch die Tendenz, sich zu verfestigen und endet im Zwanghaften. Zwang ist eher unbehaglich und kein Zustand, den man auf Dauer aushalten möchte. Deshalb kippt eine zu starre Ordnung nach der Chaostheorie zwangsläufig irgendwann um, wird zur Unordnung und wir stecken im Chaos. Nach dem Chaos, wenn nichts mehr da ist, beginnt man zu improvisieren, schafft eine vorübergehende Ordnung, bis sich diese wieder langsam, aber sicher manifestiert. Die Ordnung geht in Ordnung – mit der Tendenz zum Zwang. Nach dem Soziologen Manfred Wöhlcke wirken auf alle sozialen Systeme, und zwar von der Partnerschaft über den Kegelklub, bis hin zu ganzen Staaten, immer zwei Kräfte, Syntropie und Entropie.

Syntropie ist die Tendenz zur konstruktiven Ordnung.

Von Jörg Zägel – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11739298

1996 hat Otto Rehhagel den zweitklassigen 1. FC Kaiserslautern übernommen und ist mit ihm 1998 direkt zur deutschen Meisterschaft gestürmt. Entropie ist der absteigende Ast, der Niedergang eines Systems, die Tendenz zur Unordnung, zur Anarchie, zum Chaos. 2000 wurde Rehhagel vom Betzenberg gestoßen und 2001 hatte er die müden Kicker aus Griechenland übernommen. Und 2003 syntropierte König Otto zum griechischen Nationalhelden und nach dem Hochmut kam der Zerfall. Es geht rauf und runter.

Aus dieser Idee kann man nun verschiedene Modelle basteln.

Analog zum Friedemann Schulz von Thun´s Wertequadrat sähe das in etwas so aus:

Wertequadrat-Ordnung-Improvisation

Oben links stünde die Qualität der Ordnung. Je wichtiger diese mir ist desto mehr versuche ich diese in mein Leben zu integrieren … laufe Gefahr, das Gute zu übertreibend lande im “Zwang”. Die Qualität der “Ordnung” braucht also eine zweite Qualität an ihrer Seite, die verhindert, dass wir das Kinde mit dem Bade ausschütten : die lockere Kunst der Improvisation. (Für alle, die das Wertequadrat noch nicht kennen – hier ein kurzer Video dazu.)

 

Doch wenn ich viele (auch eigene) Projekte betrachte, dann scheinen diese vier Elemente auch in einer sequentiellen Logik miteinander zusammen zu hängen.

Egal ob ich jetzt an diesen Blogartikel denke oder auch an grössere Projekte … oft beginne ich “aus dem Bauch heraus” .. zeichne einige Mindmaps… fülle die Wand hinter mir mit Dutzenden von Post-its – kurzum: Ich improvisiere. Bis ich zu einem Punkt komme, an dem ich drohe, die Übersicht zu verlieren. Meist eher ein (Stör-)Gefühl als ein Gedanke – als ob ich mental einen Schwellenwert überschritten hätte und etwas in mir beginnt .. zu ordnen.

Das macht Spaß – der Überblick kehrt zurück und mit ihm meldet sich eine weitere Qualität – die

Perfektion. “Da gibt es sicher noch eine bessere App, mit der man das Ganze grafisch noch optimaler (=perfekter) darstellen kann .. oder kann man die Post-Its vielleicht sogar “noch sauberer” (=perfekter) mit dem Drucker beschriften?” Die anfängliche Ordnung degeneriert langsam aber sicher zum Zwang. Und dann kommt irgendwann das Chaos ins Spiel zerstört (meist) auf recht schöpferische Art und Weise die zwanghafte über-perfekte Ordnung und führen uns wieder in die Leichtigkeit der Improvisation. … die irgendwann nach mehr Ordnung ruft…. ein ewiger Kreislauf.

 

Warum ich das erzähle? Weil das mit dem “Würfel” von Luke Rhinehart zu tun hat. Meine Erkenntnis aus dem Ganzen: Panta rhei, alles ist im Fluss. Schaue auf Dein Leben und bemerke, wo in diesem Kreislauf Du Dich gerade befindest und vielleicht ist es hin und wieder gut, den eigenen Improvisationsmuskel etwas zu trainieren, wobei wir genau bei den Würfeln von Luke wären. Wie wäre es denn mit einem kleinen Abenteuer á la Luke, ein klein wenig weniger Routine, Struktur und ein klein wenig mehr innere Flexibilität? Wie wäre es mal damit, sich einmal zu trennen von lieb gewonnenen Alltagsritualen und etwas zu wagen, etwas Neues beginnen? Übrigens, wann hast Du denn das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Hast Du Lust dazu? Hier ist die Chance für ein kleines Abenteuer.

Schritt eins: Schreibe zunächst sechs Dinge auf einen Zettel, die Du schon immer mal machen, lernen, erleben wolltest. Vielleicht fallen Dir Dinge ein, Sachen ein, die Du früher gerne getan hast und die aus irgendwelchen Gründen irgendwann unter den Tisch der Zeit gefallen sind. Du, das muss nichts Großartiges sein, keine Kilimandscharo-Besteigung und auch keine Weltumseglung. Aber es sollte etwas sein, was Dich aus Deiner Komfortzone herausholt. Denn wie man weiß echtes Wachstum findet niemals in dieser Zone statt. Natürlich hängt das von jedem Einzelnen ab, was und was in und was außerhalb der Komfortzone ist. Hier mal ein paar völlig unrepräsentative Beispiele out of my zone:

  • Erstens, zwei Monate absolut nix bei Amazon.de bestellen.
  • Zweitens, einen Gesangsworkshop besuchen.
  • Drittens, einen Theaterkurs machen.
  • Viertens, einen ganzen Tag ohne Internet verbringen. Horror.
  • Fünftens, ein asiatisches Vier-Gänge-Menü kochen und zwar ohne Rezept.
  • Sechstens, nix von alledem. Alles bleibt so, wie es ist. Denn die Beständigkeit braucht ja auch ihre Chance, oder?

So, und jetzt kommt es. Nimm einen Würfel zur Hand, und bevor Du ihn wirfst, ringe Dir das Versprechen ab, dass Du das zu hundert Prozent tust, was der Würfel Dir sagt. Los geht es.

Genau. And now role the die. Ach, Du hast keinen Würfel zur Hand? Die Ausrede gilt nicht. Im Internet gibt es ein Online-Würfel (https://www.freeonlinedice.com/#dice)

Und achte doch mal auf Deine Gedanken, während Du das tust. Denn die Gedanken sind fast so interessant, wie das Würfelerlebnis selbst. Okay, das war es schon. Wenn Du möchtest, schreib mir einfach mal Deine Erfahrung, und wenn Du nette andere Würfeloptionen gefunden hast, freue ich mich. Schreibe sie einfach in eine Mail rein oder in die Kommentare. Übrigens solltest Du noch ein paar ausgefallene Würfeloptionen benötigen, ich wüsste da schon noch ein paar. 🙂

 

Flirt mit dem Zufall from Hans J. Walter on Vimeo.

Quellen: 

Hermann Rühle: Die Kunst der Improvisation

Luke Rhinehart: Der Würfler

Lohnt es sich in der Führung über Generation Y nachzudenken?

Der Stereotyp der “Generation Y” (geboren zwischen 1981 und 1997) erfreut sich ungebremster Popularität – wenn ich der Amazon-Trefferliste Glauben schenken kann. Es gibt über 500.000 Publikationen zu diesem Thema:

  • Gebrauchsanleitung für die Generation Y
  • Wie die Generation Y unsere Welt verändert
  • 30 min Generation Y
    usw. usw.

Was in vielen dieser Bücher proklamiert wird, ist die Annahme, dass diese ca. 15 Millionen Menschen der Generation Y eine in sich homogene, im Vergleich zu anderen Generationen aber völlig andere Werthaltungen, Interessen und Motive haben.

Ergo: Diese Menschen wollen auch anders rekrutiert, motiviert und geführt werden. Logisch, oder;-)

Doch bevor wir gemeinsam eine Sammelbestellung bei Amazon starten, lassen Sie uns einmal etwas kritischer hinterfragen:

  • Wer gehört eigentlich genau zur Generation Y? Und wer definiert dies?
  • Sind die Unterschiede zu anderen Generationen wirklich so entscheidend?
  • Und: Haben die Menschen dieser Generation Y wirklich eine so grosse Übereinstimmung in ihren Werthaltungen, dass dies für die Führung und Personalentwicklung von Relevanz ist.
  • Kurzum: Ist es sinnvoll, sich im Rahmen von Führung intensiv mit der “Generation Y zu beschäftigen?

Im Sinne meines Mottos “Denken lehren – nicht Gedachtes” schätze ich Menschen, wie Prof. Uwe Peter Kanning von der Hochschule Osnabrück, der zu dem Thema  ein MERKwürdiges Video anbietet.

In seinem Artikel (s.u.) schreibt Uwe Peter Kanning in seinem Schlusssatz: “Die Bedeutung der Generation Y für die alltägliche Personalarbeit im Unternehmen tendiert jedoch gegen Null – ganz so wie bei jedem Stereotyp.”

Dem mag ich mich nicht anschliessen: Typologien können uns in ihrer holzschnittartigen Überzeichnung durchaus aufmerksamer machen – aufmerksam darauf, dass andere Menschen anders ticken, wie wir selbst.

Wir sollten jedoch immer bedenken, dass jede Typologie eine starke Vereinfachung der Realität ist – wie eine Landkarte zu einem bestimmten Gebiet. Eine Vereinfachung, die durchaus ihren Nutzen haben kann, solange sie das Gebiet hinreichend genau und korrekt darstellt und …  solange wir nie vergessen, dass es nur eine Landkarte ist und nicht das Gebiet selbst.

Und so wünsche ich mir, dass wir Typologien als das sehen was sie sind – ein mehr oder weniger nützliches Konstrukt und (vielleicht erst dadurch) jeden Menschen in seiner individuellen Einzigartigkeit erkennen und führen.

Weitere Quellen:

Kanning, Uwe-Peter: Gibt es die Generation Y”? (Personalmagazin 11/16)

Wie erkenne ich meine Entwicklungspotenziale als Verkäufer?

Was kann ich tun, um als Verkäufer noch erfolgreicher zu werden?

Keine ganz einfache Frage!

Vor allen Dingen, wenn man schon ein Tage im Verkauf unterwegs ist. Man weiss doch recht genau, was man kann… oder zumindest glaubt man das zu wissen. Denn je länger man in einem Metier unterwegs ist, desto trüber ist oft der Blick auf die eigenen “blinden Flecken”. Mir macht es immer wieder Spaß, den Spot auch mal auf meine blinden Flecken zu richten und dabei stiess ich auf ein wirklich spannendes Analyseinstrument – Dem Sales Report von profilingvalues.

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Eine Unternehmensvision mit Herz

Es erschreckt mich immer wieder.

Wenn ich Menschen frage, was sie über die Vision oder die Werte ihres Unternehmens wissen, bekomme ich häufig Antworten wie:

“Ja ich glaube, wir haben so etwas… das hängt irgendwo. Da stehen so Dinge darauf, wie “Kundenzufriedenheit” oder so. Das hat einmal die Geschäftsleitung erstellt mit so einem externen Berater erstellt. Wenn Sie mich fragen, sind das alles blutleere austauschbare Floskeln, mit denen keiner etwas richtig anfangen kann, aber man muss es halt haben…”

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Die 10 Bücher für die einsame Insel

Sag mal, welche 10 Bücher würdest Du auf eine einsame Insel  mitnehmen?“, fragte mich letzte Woche eine Teilnehmerin, als sie vor meinem Bücherregal stand.

Mein spontane Antwort: “Die Bücher mit den meisten Post-Its und Randnotizen, denn das sind meine Buchenholz-Bücher.”

Teilnehmerin: “Buchenholz-Bücher????

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Der Öko-Check für Ihre Ideen und Ziele

Passen Ihre Ideen zu Ihren Werten?

Haben Sie das schon einmal erlebt? Sie lesen über ein tolles Reiseziel, ein Freund erzählt Ihnen von seiner neuen Sportart  oder Sie entdecken in Ihrem Spanien-Urlaub eine traumhafte Finca, die zu verkaufen ist.

Und dann entwickelt sie sich in Ihrem Kopf: Die Idee.

Sie träumen davon wie es wäre, wenn…

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AK081 Danke

Hallo und herzlich willkommen

zu meinem 81. und wohl letztem Podcast in diesem Jahr, in dem ich einfach einmal “Danke” sagen möchte.

In diesem Sinne …

x-mas 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer mehr über dieses Thema wissen möchte, der schaut einfach einmal in meinen letzten Artikel:

Dankbarkeit ist die schönste Art, ein Egoist zu sein.

 

Dankbarkeit ist die schönste Art, ein Egoist zu sein.

NLP-Mühle-mit-phoebeGerade komme ich von einem langen und recht feuchten Spaziergang mit meinem Hund zurück, sitze nun hier in unserer Mühle in Bammental und mache, was ich sehr gerne tue: Nachdenken.

Ich lasse so das (fast) vergangene Jahr an mir vorbei ziehen, erinnere mich an all die Seminare, Coachings und Vorträge aus den letzten 12 Monaten, aber noch viel mehr an all die Menschen, mit denen ich dieses Jahr Zeit verbracht habe. Manchmal haben wir uns nur kurz kennengelernt mit manchen anderen habe ich viele Tage verbracht z.B. in unserer NLP-Ausbildung.

Und während ich so nachdenke, merke ich ein Gefühl der Dankbarkeit in mir, ein Gefühl, das im Trubel des Alltags oft viel zu oft zu kurz kommt. Vieles scheint so selbstverständlich – kaum eines Gedankens würdig: gute Freunde zu haben, auf die man zählen kann, eine Arbeit tun zu können, in der man einen Sinn sieht, dabei zusehen zu können, wie drei wunderbare Kinder ihren Weg finden und eine Partnerin an der Seite zu wissen, die mit einem durch dick und dünn geht.

[note_box]Zu diesem Thema gibt es auch einen aktuellen Podcast von mir. Wenn Sie Lust haben, hören Sie doch einmal hinein.[/note_box]

Ich glaube, ich bin von meiner Natur her kein undankbarer Mensch, aber ich vergesse dieses Gefühl einfach viel zu oft, räume anderen Dingen mehr Raum und Zeit in meinem Leben ein. Deshalb beschloss ich heute morgen einmal, nur einen halben Tag – jetzt da ich mein letztes Seminar für dieses Jahr hinter mir gelassen habe – mich mit einem Thema zu beschäftigen, das mir zu kurz kommt.

Ich surfte ein wenig durchs Netz und die gesammelten Werke meiner Festplatte und blieb bei meinen Notizen hängen, die ich im letzten Jahr bei einem Vortrag von Dr. Martin Seligman in Heidelberg gemacht hatte.

Da stand unter anderem:

Dankbarkeit ist die schönste Art, ein Egoist zu sein. 

Die positiven Effekte von Dankbarkeit

Komisch oder? Man dankt doch, um anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Ja, schon, aber wenn wir uns dankbar fühlen und dies anderen zeigen, macht das auch in unserem eigenen Leben gewaltige Unterschiede, wie das Michael Tomoff auf seinem Blog treffend zusammenfasst:

  1. Weil man in diesem Moment an die schönen Dinge im Leben denktDankbarkeit-flickr-medium_2845925838 Kopie und nicht – wie das unser Gehirn sonst so gerne tut – an die schlechten.
  2. Weil Dankbarkeit unsere Sichtweise verändert. Blöder Job heute? Wie wäre es damit, einen kurzen Augenblick dankbar zu sein, überhaupt einen Job zu haben? Streit mit dem Partner? Wie viele Menschen würden eine Menge dafür geben, überhaupt jemanden zu haben, mit dem sie streiten können.
  3. Weil es uns daran erinnert, was wirklich wichtig im Leben ist. Wenn ich darüber nachdenke, für was ich wirklich dankbar bin, sind es jene Dinge, die mir in meinem Leben wirklich wichtig sind.

Und falls Ihnen noch ein Weihnachtsgeschenk für einen lieben Menschen fehlt, dann hätte ich hier eine Idee – die übrigens ebenfalls aus der “Positiven Psychologie” von Dr. Seligman stammt:

Das Dankbarkeits-Geschenk

Sie brauchen dazu:

  • Papier und Stift
  • 15 min störungsfreie Zeit

Bereit? Dann kann es losgehen: Denken Sie einmal an einen Menschen, der irgendetwas dazu beigetragen hat, dass Sie sich verändert haben – zum Positiven natürlich;-) An jemanden, dem Sie dafür noch nie so richtig gedankt haben und – das ist wichtig – den Sie in den nächsten Tagen oder Wochen persönlich treffen können.

Brief-handgeschrieben-flickr-3041954566 KopieWenn Ihnen nun mehr als ein Mensch einfällt – entscheiden Sie sich gefühlsmäßig für den ersten, der Ihnen einfällt. (… Sie können das “Dankbarkeits-Geschenk gerne später auch für die anderen “verpacken” – später.)

Nun schreiben Sie einen Brief an diese Person, in dem Sie ihr genau DAFÜR danken – möglichst konkret und nicht mehr als 300 Worte. Was genau hat sie für Sie getan? Wofür genau sind Sie ihr dankbar?

Nehmen Sie sich dafür wirklich nur 15 Minuten Zeit. Dieses Zeitlimit hindert Ihren Perfektionismus, daran so lange an Formulierungen zu feilen bis nichts mehr da ist. Sobald die 15 min um sind nehmen Sie den Brief, stecken ihn in ein Kuvert und kleben das Kuvert zu (… um zu vermeiden, dass der Perfektionismus wieder zur Hintertür hereinkommt;-)

Nun rufen Sie die Person an und sagen ihr, dass Sie sie gerne besuchen würden. Wichtig: Sagen Sie nicht, um was es geht. Sie werden sehen, die Freude kommt mit der Überraschung.

Wenn Sie die Person dann treffen, darf es gerne zunächst ein paar Minuten Small Talk sein. Dann aber bitten Sie sie um 3 Minuten Aufmerksamkeit und darum, Sie in diesen 3 Minuten auf gar keinen Fall zu unterbrechen. Ziehen Sie jetzt Ihren Brief hervor, reissen ihn auf und lesen Sie ihn in aller Ruhe der Person vor. Vielleicht mutet  Ihnen das beim ersten Mal seltsam vor , aber die Wirkung wird Sie überraschen.

Und… falls Sie es wirklich nicht schaffen sollten, diese Person persönlich zu treffen, dann lesen Sie ihr den Brief am Telefon vor.

Dankbarkeit zu fühlen und sie nicht auszudrücken,
ist wie ein Geschenk zu verpacken und es nicht
zu verschenken.
William A. Ward

Credits:
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lanier67 via photopin cc

Die Balance zwischen Ordnung und Improvisation

Alles in Ordnung?!

Wo man hinschaut, alles scheint geregelt.

Wir haben die DIN 820, die Mutter aller Ordnungen, die auf über 50 eng beschriebenen Seiten regelt, wie alles geregelt sein muss. Es gibt 20.000 DIN-Vorschriften und 40.000 Fachleute in Unternehmen, Behörden und Verbänden arbeiten haupt- und nebenamtlich an der Weiterentwicklung dieser Regelwerks. Jeder Deutsche hat mindestens fünf Versicherungen oder waren es zehn?

Hermann Rühle, hat das in seinem  Buch „Die Kunst der Improvisation“ schön beschrieben. Er sagt:

Ordnung ist das halbe Leben. Und was ist eigentlich mit der anderen Hälfte?

Es scheint so zu sein, dass zwei Welten unser Leben bestimmen und manchmal auch miteinander ringen.

Zwei Welten bestimmen unser Leben

Auf der einen Seite eine ordentliche Welt, voller Planung, Exaktheit, Organisiertheit und Geradlinigkeit, die aus Gesetzen, Normen, Fahrplänen, Arbeitszeitmodellen, Friedhofsordnungen und Synchronschwimmen besteht.

Auf der anderen Seite eine außerordentliche Welt. Eine Welt, in der man das Unvorhergesehene spontan bewältigt, mit einer Stegreifrede zum Beispiel oder mit einer Sicherheitsnadel provisorisch, “last minute”-mäßig.

Ja wir schätzen Regelmässigkeit, Ordnung und Sicherheit. Wir haben es irgendwie gerne, wenn wir nach Hause kommen und alles ist so, wie es war, als wir wegfuhren. Wir mögen es, wenn das Morgen ungefähr so ist, wie das Heute und wenn unser Auto dort steht, wo wir es geparkt haben. Und trotz aller Ordnungsliebe – und manchmal auch gerade deswegen überrascht uns dann die außer-ordentliche Welt.

Fast stündlich geben sich diese beiden Welten die Türklinke in die Hand. Überlegen Sie einmal, wie oft es anders kam, als Sie geplant hatten und dann war sie da – die außerordentliche Welt.

Eigentlich hatten wir einen gemütlichen Abend zu zweit geplant, aber plötzlich klingelte es an der Tür und unerwartete Gäste kamen zu Besuch…”

Wie geht man nun damit um, wenn das AußerOrdentliche an die Tür klopft?

Möglichkeit 1: Vermeidung der außer-ordentlichen Welt durch noch mehr Ordnung
Man öffnet den unerwarteten Gästen erst gar nicht die Tür und tut so als ob man nicht zu Hause sei. Ja am besten man stellt die Türglocke ab und demontiert auch gleich den Klingelknopf. In Organisationen heisst das dann “Null-Fehler”-Kultur”, denn Fehler sind nicht nur außerordentlich sondern auch lästig. Also versucht man sie auf Biegen und Brechen zu vermeiden.
Doch Vorsicht: Schon Paul Helwig hat 1967 treffend beschrieben, dass das eigentlich Gute, z.B. der Hang zur Ordnung schnell ins Extreme abdriften kann. Aus der ordentlichen Welt würde eine zwanghafte Welt.

Eine zweite Möglichkeit wäre: Sich auf die außer-ordentliche Welt einlassen
Man öffnet den Gästen die Tür – und heisst das Außerordentliche willkommen. Was es dazu braucht, könnte man  “Improvisieren” nennen. Die Fähigkeit, schnell umzuschalten, von dem, was wir erwartet haben zu dem Unerwarteten. Aber auch hier droht die Übertreibung: “Warum sollte ich überhaupt noch für Ordnung sorgen, wenn ich so toll improvisieren kann?”, meint das Improvisationstalent und ist damit auf dem besten Wege vom Außerordentlichen ins Chaos abzudriften.

Der französische Schriftsteller Paul Valéry sagte:

Zwei Gefahren drohen der Welt, Ordnung und Chaos.

Und da stimme ich ihm nicht ganz zu. Meine Variante hiesse:

Zwei Gefahren drohen der Welt, Zwanghaftigkeit und Chaos.

Grafik-Ordnung-chaos1

Möglichkeit 3: Balance zwischen Ordnung und Improvisation

Wenn “zuviel Ordnung” droht, in zwanghaftes Verhalten  und “zuviel Improvisation” ins Chaos abzudriften, liegt die Lösung – wie so oft – in der Mitte, in der Balance.
Doch diese Balance zu wahren ist nicht ganz einfach.  Denn dazu muss man es bemerken, wenn sich der gute Kern (das Ordentliche und das AußerOrdentliche) langsam aus dem Gleichgewicht geraten und man sich in Richtung Extrem (Zwang oder Chaos) aufmacht.
hjw-bücherEin Beispiel: Hinter mir stehen so ca. 1.300 Dach- und Fachbücher, die sich im Laufe der Jahrzehnte angesammelt haben. Kurz vor der Sommerseminarpause merkte ich immer öfters, wie ich vor dem Regal stand, und suchte und suchte und suchte. Das “Chaos” hatte schleichend Einzug gehalten. Also nutze ich die erste Seminar-freie Woche um Ordnung zu schaffen, sortierte, ordnete und kategorisierte – erst nach Grossthemen wie “Psychologie, Philosophie etc.” Eigentlich hätte ich mich damit zufrieden geben können, aber es war halt noch nicht perfekt. Ich sortierte die Bücher innerhalb der Themen nach Unterthemen, kaufte mir ein Literaturverwaltungsprogramm und begann alle meine Bücher dort zu erfassen und zu verschlagworten. Ola – da war es – das Zwanghafte. Mittlerweile glaube ich eine ganz “gesunde Ordnung” gefunden zu haben … mal schauen, wie lange ich die Balance halten kann;-)

Zusammenfassung:

  1. Zwei gegensätzliche Welten bestimmen unser Leben: Die ordentliche Welt  und die außer-ordentliche Welt
  2. Beide Welten begegnen uns jeden Tag.
  3. Beide Welten sind im Kern positiv.
  4. Je mehr wir eine der beiden Welten lieben, desto mehr besteht die Gefahr, dass wir das Gute beginnen zu  übertreiben: Das Ordentliche ins Zwanghafte – das Außerordentliche ins Chaos.
  5. Um dies zu vermeiden, braucht jede der beiden Welten ihre “Schwesterwelt”, die sie abhält ins Extreme abzugleiten.

Ich freue mich über Ihr Feedback auf diesen Artikel. Gerne gleich hier als Post in meinem Weblog oder gerne auch als mail an hjw@visionintoaction.de

Ein Artikel von Hans-Jürgen Walter

Quelle:

  • Hermann Rühle: “Die Kunst der Improvisation”, Paderborn 2004
  • Paul Helwig, Charakterologie. Herder, Freiburg/B. 1968 (Herder-Bücherei; 283)

Bildnachweis: © Reimer – Pixelvario – Fotolia.com

Ein Video zum dem Werte-Instrument profilingvalues

Auf meinen letzten Artikel über das Werte-Instrument “profilingvalues” haben mich eine Menge Mails und Anrufe von Menschen erreicht, die sich für dieses recht einzigartige Instrument interessieren.

Was mich besonders freute, waren all die Fragen, die an mich darüber gestellt wurden.

Fragen wie:

  • Was genau misst das profilingvalues?
  • Wo kann man es einsetzen?
  • Was erfährt man genau über sich mit dem profilingvalues?

und vieles andere mehr.

[squeeze_box]Mein Angebot: Da ich gerne meinen Teil zur Verbreitung des profilingvalues beitragen möchte, biete ich Ihnen den “Advanced-profilingvalues-Check” im Wert von € 360.- zu einem Kennenlernpreis von nur € 175.- an.

Nutzen Sie dazu bitte folgenden Bestellbutton und den Gutscheincode: hueg3vaf

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Dieses Angebot ist gültig bis zum 1. August 2013. Alle genannten Preise verstehen sich zzgl. MwSt.[/squeeze_box]

Unter anderem fragte mich ein Anrufer, ob es denn nicht möglich sei, das profilingvalues in einem kurzen Video etwas näher zu erläutern. Und da ich gerade ein paar Seminar-freie Tage hatte…. wohlan… hier mein erstes Video über das profilingvalues, in der Hoffnung, dass es die wichtigsten Fragen über dieses Wertemessinstrument beantwortet;-)

 

Ein Einführungsvideo in das profilingvalues


Mehr über das profilingvalues:

Meine erste Begegnung mit dem profilingvalues (Artikel)

Coaching mit dem profilingvalues (Info-Seite)

Autor: Hans-Jürgen Walter