Wie Sie mit Ritualen Zugehörigkeit schaffen

Ich glaube, es war Prof. Gerald Hüther, der sinngemäss schrieb: „Was Menschen brauchen um glücklich und zufrieden zu sein, ist das Gefühl sich zugehörig zu fühlen.“

Worauf ein Bereichsleiter in meinem letzten Seminar meinte: „Dann sollten wir unbedingt wieder einmal einen Team-Event machen: In den Hochseilgarten oder Rafting oder wenigstens Kart-Fahren gehen“.

Nicht dass solche Events keinen Spaß machen, aber das Geld könnte man sich sparen. Denn Menschen haben seit Jahrtausenden eine äusserst wirksame Methode, um soziale Zugehörigkeit und Bindung zu stärken: Rituale.

Wenn das Wort „Ritual“ fällt, denken viele an archaische Initiationsriten oder japanische Teerituale. Aber schauen Sie sich einmal um: Auch wir sind tagtäglich von kleinen und grösseren Ritualen umgeben:

  • eine Hochzeitsfeier
  • Die Überreichung der goldenen Uhr zum Firmenjubiläum
  • Das Richtfest eines Hauses
  • das allabendliche Vorlesen

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7 Stolperfallen bei Ihrem Jahres-Ziel-Meeting

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Wer gute Prioritäten setzen will, braucht klare Ziele, und zwar Ziele, die von möglichst allen Beteiligten mitgetragen werden.

Und so verwundert es nur den Unwissenden, dass viele Unternehmer und Führungskräfte sich gerade jetzt – rechtzeitig vor dem Jahresende die Zeit und den Raum nehmen, mit ihrer Führungsmannschaft ein oder gar zwei Tage aus dem Alltagsgeschäft zurückziehen, um in … Klausur zu gehen.

Klausur darüber zu halten,

  • wie das vergangene Jahr gelaufen ist,
  • welche Ziele man erreicht hat, welche (noch) nicht und
  • wo dafür die Ursachen (nicht die Schuldigen!) zu suchen sind.

Sich darüber zu beraten,

  • wo das Unternehmen, die Abteilung momentan steht,
  • wo Risiken und Gefahren lauern, aber auch…
  • welche momentanen Stärken am meisten darauf drängen zu echten Chancen gemacht zu werden.

Und letztendlich festzulegen,

  • wie der konkrete “Fahrplan” (die Ziele) für das kommende Jahr aussehen soll,
  • wer sich für die einzelnen Ziele verantwortlich zeichnet und
  • wie (mit welchen Ressourcen) diese Ziele erreicht werden sollen.

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Wenn es wirkt, war es NLP?! … oder war es umgekehrt?

NLP-Grenzen

Was ist (noch) NLP und was nicht mehr? Das Ergebnis einer Gruppe von NLP-Trainern (just in work;-)

Wenn ich in Google eingebe “Was ist NLP?“, dann bekomme ich in 0,37 Sekunden über 1,4 Millionen Treffer. Doch viel interessanter finde ich die Frage “Was ist nicht NLP?” (… die Google übrigens geflissentlich ignoriert;-)

Denn wenn ich etwas mit “x” bezeichne, muss es doch zwangsläufig auch “nicht-x” geben, oder?

Dazu  sind mir weider einmal meine Unterlagen von einem NLP-Trainer-Treffen in München in die Hände gefallen und ich stiess dabei auf diese wahrlich MERKwürdige Frage, die wir damals diskutiert hatten… tja und meines Erachtens nicht wirklich hinreichend beantwortet hatten. Grund genug, wie ich meine, dies nochmals hervorzuholen, oder?!

Was ist NLP und was ist kein NLP (mehr)?
oder etwas anders gefragt: “Wenn ich auf etwas stosse z.B. eine Kommunikationstechnik o.ä.
– woher weiss ich, dass dies NLP ist oder eben kein NLP ist?

Vielleicht meint Ihr jetzt, dass dies doch sehr akademisch ist und wenig pragmatisch. Vielleicht – vielleicht auch nicht?

Vielleicht hat es ja etwas mit meinen Werten (Transparenz, Klarheit?!) zu tun, das ich gerne wissen möchte, auf was ich mich einlasse. Oftmals ist mir das mehr oder weniger klar: Wenn ich einen LKW-Führerschein mache, lerne ich dort nicht, wie man mit einer Kettensäge umgeht und falls doch, würde mich das schon befremden. Und wenn ich mir eine Schachtel Kopfschmerztabletten kaufe, möchte ich nicht, dass da ein Kondom drin ist.

Bei Führerscheinen oder Tablettenpackungen ist das (noch) relativ einfach – bei Seminaren und speziell bei NLP-Seminaren nicht mehr ganz so einfach. Natürlich haben wir NLP-Trainer (auf alle Fälle die meisten von uns) ein Curriculum, das ein NLP-Verband ausgearbeitet hat.
Und in diesem Curriculum steht auch, was wir in unseren Ausbildungen lehren sollten – was jedoch nicht darin steht, ist was wir nicht lehren sollten.

Und so gibt es da draußen eine wunderbare Vielfalt von “Kombipräparaten” – sorry – ich meine natürlich “NLP-Seminaren” in denen der Teilnehmer ganz kostenlos und zusätzlich auch Dinge lernt und erfährt wie z.B. der Muskeltest aus der Kinesiologie funktioniert, die “4 Botschaften einer Nachricht von Friedemann Schultz von Thun”, das Enneagramm oder Techniken aus der Emotional Freedom Technique.

Nun – dagegen ist ja an sich überhaupt nichts zu sagen… im Gegenteil: Erstens ehrt es den Ausbilder und seine breite Wissens- und Könnensbasis und zweitens profitiert doch der Teilnehmer. Also warum sollte man sich darüber aufregen?

Tut ja auch keiner;-), aber vielleicht würde es der geistigen Klarheit unserer Teilnehmer dienen, wenn  wir (NLP-Trainer) hin und wieder mal das Kind beim Namen nennen – wenigstens soweit wir der Vater des Kindes bekannt ist.

Allerdings: Dies beantwortet noch nicht die Kernfrage :

Was ist nun NLP … und was ist kein NLP mehr?

Der erste Weg: Wir machen es uns leicht.

Nun könnte man es sich einfach machen, und sich z.B. eine Art “Generalabsolution” stricken:

“Wenn es wirkt, war es NLP!”
Alles was wirkt ist NLP, na und wenn es nicht gewirkt hat, war es halt auch kein NLP. Ein wundervoller positiver “Doublebind”: Egal was du machst – es ist immer richtig.
Spaß beiseite…. obwohl ich diese Definition allen Ernstes schon von einem zert. NLP-Trainer gehört habe.

“Passt es zu den NLP-Axiomen? – Dann ist es NLP!”
In meinen ersten NLP-Jahren zu Anfang der 1990er Jahre habe ich mich mit bestem Gewissen damit getröstet: Wenn es mit den NLP-Axiomen übereinstimmt, das ist es NLP.
Hier auszuführen, warum dieser Ansatz  nicht wirklich brauchbar ist, vielleicht einmal an anderer Stelle;-) Als Stichworte seien nur genannt: Kontextabhängigkeit und jede Menge semantische Fehlgeformtheiten.

Wenn es so etwas wie “NLP” gibt, muss es logischerweise auch ein “NICHT-NLP” geben, sonst ergibt die Einführung des Begriffes doch keinen Sinn, oder?
Aber wo fängt dieses “NICHT-NLP” an und wo hört das NLP auf? Und ist das eine digitale Trennlinie oder eher eine weiche Übergangszone?
Und wer bestimmt, wo diese Linie oder Zone liegt? Richard, John, Robert, Wyatt, die INLPTA, der DVNLP?
Oder vielleicht gar ich selbst – im besten Sinne unseres “Landkarten-Modells?”

 

Der zweite Weg: Das muss jeder für sich selbst beantworten

Fragen über Fragen… die mich gerade auf “die Mutter aller Fragen” bringt:

Ist die Frage “Ist das NLP oder ist dies kein NLP?” denn überhaupt prinzipiell entscheidbar?

Nach Heinz von Foerster gibt es…

a) prinziell entscheidbare und

b) prinzipiell nicht entscheidbare Fragen.

Prinzipiell entscheidbare Fragen, wie z.B. “Müssen Menschen essen?” oder “Fällt ein Stein nach unten, wenn man ihn loslässt?” stammen aus der objektiven Welt (Wirklichkeit 1. Ordnung) … und lassen sich demnach beantworten (=entscheiden). Prinzipiell entscheidbare Fragen gehorchen dem Muster “Ich lege für mich fest, wie es (für mich) ist.”

Prinzipiell nicht entscheidbare Fragen sind Fragen aus der subjektiven Wirklichkeit (Wirklichkeit 2. Ordnung) und lassen sich per definition prinzipiell nicht entscheiden.

  • Was geschieht, wenn wir sterben?
  • Hat das Licht Teilchen- oder Wellencharakter?
  • Ist Frau X eine gute Führungskraft?

Wenn man sie jedoch entscheiden (=beantworten) will, muss man dies selbst tun “Es ist wie ich es sage.
Dann aber trägt man auch die Verantwortung über diese Entscheidung d.h. wir müssen später antworten können auf die Frage, weshalb wir uns so und nicht anders entschieden haben.

Meiner Meinung nach ist diese Frage prinzipiell nicht entscheidbar, da ich NLP als eine Disziplin sehe, die sich mit dem subjektiven Erleben von Menschen beschäftigt.
Demnach muss ich selbst zu entscheiden, ob z.B. der Muskeltest aus der Kinesiologie noch zu NLP gehört oder eben nicht?
… was mich wiederum dazu zwingt, mich mit z.B. NLP und Kinesiologie intensiv auseinander zu setzen, mir Erfüllungs-Kriterien zu überlegen, an denen ich festmachen kann,
ob eine Technik oder ein Modell…

  1. zum Kern des NLP gehört
  2. mit NLP “verwandt” ist (engl. “familiar”)
  3. mit NLP kompatibel ist oder
  4. mit NLP inkompatibel ist

… um einmal ein paar Bereiche einer eventuellen Übergangszone von NLP zu “Nicht-NLP” zu formulieren.

Und während ich das hier schreibe, merke ich, dass dies schon wieder weitere Fragen aufwirft;-)

Und vielleicht es ja auch ganz anders, denn…

“Wir irren allesamt… nur jeder irret anders!” (Albrecht von Haller)

Ihre/Eure konstruktiven Meinungen zu diesen – für mich selbst noch unausgegorenen Gedanken – sind herzlich willkommen.

 

Denkfallen im Kopf oder warum Irren allzu menschlich ist (inkl. Denk-Test)

[titled_box title=”In diesem Artikel geht es um:” variation=”silver” textColor=”#000000″]Um handlungsfähig zu bleiben, müssen wir täglich viele Situationen und Menschen beurteilen und unzählige kleine und grosse Entscheidungen treffen. Viele dieser Einschätzungen treffen wir auf Grund von “Faustregeln” (Heuristiken), die zwar ungenau sind, aber meist ausreichend gute Ergebnisse liefern. Diese Faustregeln liefert uns unser schnelles, intuitives und automatisches Denksystem. Dieser Prozess läuft sehr schnell, automatisch und weitgehend unbewusst ab. Die Faustregel-Resutate fühlen sich subjektiv stimmig an und es fällt uns oft schwer, Ihnen zu widerstehen. In bestimmten Situationen versagen diese Faustregeln und werden zu “Denkfallen“.
Die Konsequenzen: Fehlurteile und Fehlentscheidungen.[/titled_box]

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AK 77 Der Experte 2.0 … Worum es in Zukunft gehen wird

Mal ganz ehrlich, es hatte schon was, ein Experte zu sein.

Ganz gleich, ob als IT-Fachmann, Marketing-Experte, Reisebürokauffrau oder NLP-Trainer.
Wir waren die Wissenden – und die anderen kamen zu uns, um zu lernen, zu erfahren und meist waren sie gerne bereit, uns dafür zu entlohnen, dass wir unser Wissen weiter gaben.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt:
Wieso „waren“?

Ganz einfach, weil der Wissensvorsprung der so genannten Experten schneller dahin schmilzt als viele wahrhaben wollen.

Keine Zeit zum Lesen?

Den Artikel gibt´s auch zum Hören:

 

 

Der Grund: Die Leute machen sich selber schlau – und zwar oft schneller und noch schlauer als die Experten es tun können. Das Medium „Internet“ macht´s möglich.
(Und ich meine jetzt nicht das kollektive Zücken von Smartphones, wenn in gemütlicher Runde jemand fragt, wie weit der Mars von der Erde entfernt ist.)

Ich meine jenes Wissen, das noch vor ein paar Jahren ganz klar als Expertenwissen galt und zu dem Nicht-Experten schlichtweg keinen Zugang hatten. Der Wissenspool im Internet ist gigantisch gross geworden – und jeder kann sich bedienen.

Ein Beispiel:
Bevor meine Mutter das Rezept ihres Arztes einlöst, können Sie gewiss sein, dass sie vorher alles über das Medikament in Erfahrung bringt, was es zu wissen gilt – und zwar übers Internet. 

Armer Apotheker, der kann dann einem leid tun, denn er hat gar keine Chance so viel über das Medikament zu wissen, wie meine Mutter – schlicht weil er sich mit Hunderten Medikamenten beschäftigen muss – meine Mutter hingegen interessiert sich nur für ein einziges Medikament.

Ein zweites Beispiel:
Ich fahre ein recht spezielles Mountainbike und wenn ich meinen Fahrradhändler frage, ob da speziell für den Winter nicht auch ein paar noch fettere Reifen montiert werden können,  schaut der im PC nach und sagt mir: „Auf der Händlerseite steht leider nichts davon.“ Also stöbere ich mal schnell übers iPhone in ein paar einschlägigen MTB-Foren und habe die Info binnen 6 Minuten. Geht doch. Ich könnte den Reifen sogar sofort dort bestellen, günstiger wäre er auch … na und montieren kann ich das selbst. 

Wissen Sie was? Ich habe auch keine Lust mehr ins Reisebüro zu gehen, wenn ich eine nette Finca für mein nächstes Mallorca-Seminar suche. Wissen Sie was da passiert? „Moment – ich schau mal nach“, sagt dann die „durchaus nette Dame“ und wendet sich dem PC zu. Drei mal dürfen Sie raten, wo sie nachschaut. Das kann ich auch – und sogar meist schneller als sie.

Manchmal frage ich mich ernsthaft: Wozu gibt es eigentlich noch Reisebüros? Etwa nur deswegen, weil ca. 25% der Deutschen noch keinen Internetzugang haben? Nein oder?

Wozu müssen unsere Studierende eigentlich noch Zeit in klassischen Frontalvorlesungen über Grundlagenthemen absitzen? Da stellt man einmal einen rhetorisch versierten Professor vor die Kamera und schaut sich die Vorlesung dann über Youtube an – wo und wann man will und gerne auch öfters.

Kurzum: Unser schöne neue Welt des Internets futtert langsam aber sicher den Experten ihr Brot-und Butter Geschäft weg, mit dem sie jahrelang gutes Geld verdient haben.

Mal ganz nebenbei gilt das für uns Trainer, Coaches und Berater auch.

Sie glauben gar nicht, wie fit meine Teilnehmer schon ins Seminar kommen, wieviel z.B. über NLP die schon wissen, gelesen und gehört haben – meine 70 NLP-Podcasts allemal.

Lange Zeit war es völlig ausreichend,  ein klein wenig mehr als die Masse zu wissen, und damit konnte man locker seine Brötchen zu verdienen. Oder um es etwas drastischer auszudrücken: Solange die Nicht-Wissenden keinen oder nur beschwerlich Zugang zu dem gewünschten Wissen hatten, hatten die, die Zugang hatten, quasi vollautomatisch Expertenstatus.

Sterben die Experten aus?
Heisst das nun, dass wir in Zukunft keine Experten mehr haben werden?
Bedeutet das nun, dass Fahrradhändler, Reisebüros, Steuerberater oder NLP-Trainer Auslaufmodelle sind, das sich nun jeder nach Herzenslust selbst schlau machen kann?
Nein – das heisst es nicht!

Nach Gunter Dueck, Ex-CTO von IBM, Philosoph und Autor zahlreicher lesenswerter Bücher wird sich unsere Welt in zwei Wissenssegmente aufteilen:

  1. den Bereich des Allerwelts-Wissen (Commodity) und
  2. den Bereich des Premium-Wissen

Das Allerwelts-Wissen kann man sich bequem im Internet besorgen – was bleibt ist „der Premium-Bereich“. Und was der Premium-Bereich benötigt, ist eine neue Professionalität.

Nicht jene Professionalität des letzten Jahrhunderts, in der man hohes Ansehen (und auch Gehalt) genoss, wenn man immer mehr über immer weniger wusste – der fast autistisch anmutende Fachexperte – sondern das, was David Guest schon 1991 in seinem Artikel „The hunt is on for the Renaissance Man of computing“ „T-Shaped“ nannte.

Bei einem „T-Shaped“-Kompetenzprofil steht der senkrechte Strich des „T´s“ nach wie vor für ein Spezialwissen und Können – wenn ich nochmals meinen Fahrradhändler vom Anfang bemühe, dann wäre dies meinetwegen „Den Einbau von E-Motoren in Lastenfahrräder“  – hier ist er absolut der Experte, verfügt über reichlich Erfahrung und kennt jeden Kniff. Zugleich sollte er aber über den eigenen Tellerand hinausblicken können und seine Expertenkompetenz mit dem dafür nötigen Breitenwissen- und  können vereinen.

Der waagrechte Strich auf dem „T“ steht also für jenes Wissen und Können, das die Expertenkompetenz erst wirken lässt – ja darüberhinaus auch jede Menge alternativer Zukünfte erschliesst:
Wenn ich mich als Hochschulprofessor mit coolen Videoproduktion, als Projektleiter für Windkraftwerken mit agilen Projektmanagementmethoden oder als Fahrradhändler damit beschäftige, E-Bike-Leasingangebote für Unternehmen zu machen, dann brauche ich mir nur wenig Sorgen zu machen, dass ein Teil meiner heutigen Expertise morgen vielleicht schon Allerweltswissen wird.

Übrigens: IBM legte bereits Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts seiner Mitarbeiterentwicklung das Modell einer „T-Shaped Career“ zugrunde.

Lust, über das eigene Profil nachzudenken?
Vielleicht haben Sie ja Lust, einmal über Ihr „T-shaped“-Profil nachzudenken:

Ein guter erster Schritt wäre, sich folgende Fragen zu stellen:

  1. Wie sieht mein persönliches „T“ aus – bezogen auf meine Fachdiziplin? Worin bin ich Experte – also erfahrener und kompetenter als die meisten in meinem Gebiet?
    Wenn Sie in der IT-Branche sind, könnte das z.B. „Das Wissen über Workflow-management-Systeme“ sein und oder als Ingenieur z.B.  „Hydrodynamische Wälzlagertechnik“ sein.
  2. Wie sieht der „waagrechte Strich auf Ihren „T“ aus? Welches interdisziplinäre Wissen und Können brauchen Sie, um dieses „T“ noch „wirkungsvoller“ zur Geltung zu bringen?
    Oder: Welches Nicht-Wissen oder Nicht-Können verhindert, dass Ihre Expertenkompetenz richtig zur Geltung kommt?
    Bitte beachten Sie, dass es hierbei nicht darum geht, morgen ein Studium generale zu beginnen oder weitere 5 Fremdsprachen zu lernen. Es geht darum, sich jene Fähigkeiten anzueignen, die Ihre Expertise in Ihrem Umfeld zur Wirkung bringt.
    Im Zweifelsfall wären Sie im Pool der „Softskills“ fündig“: Kommunikation, Verhandlungsgeschick, Das Leiten von Gruppen, Projektmanagement. usw.

Schlussbemerkung:

Mir persönlich gefällt diese Entwicklung sehr. Wenn immer mehr Menschen in meine Seminare kommen, die z.B. über NLP oder Führung schon eine Menge wissen, die Basics schon intus haben, dann können wir immer mehr wertvolle Zeit im Seminar dafür nutzen, worum es eigentlich geht: neue tragfähige Lösungen für eine Zukunft schaffen, in der es sich lohnt zu leben.

Das hat doch etwas, oder?

Autor: Hans-Jürgen Walter

Quellen und weitere Links:

AK074 Die Losada-Rate… so stärkt man (nicht nur) Teams

© N-Media-Images - Fotolia.com2005 machte eine wissenschaftliche Studie Furore, in der die amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson und der brasilianische Unternehmensberater Dr. Marcial Losada eine spannende Entdeckung veröffentlichten: Es gibt einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Performance eines Teams und der Art der Sprache, die Teammitglieder miteinander pflegten.

Dazu Barbara Fredrickson:Wir gingen in 60 Unternehmen und transkribierten jedes Wort, das in den Team-Meetings diese Unternehmen geäussert wurde. Einige dieser Teams waren „High-Performer“, andere „Low-Performer“ und wieder andere Teams lagen im Mittelfeld. Danach kodierten wir jeden Satz nach positiven und negativen Äusserungen und berechneten das Verhältnis von positiven zu negativen Wortmeldungen.

Unsere Studie zeigt klar auf: Es gibt hier eine klare Trennlinie. Teams, bei denen das Verhältnis von positiven zu negativen Aussagen besser als 2,9 : 1 war, waren eindeutig „High Performer“. Sie hatten ein deutlich besseres Team-Klima, eine grössere Bandbreite von kreativen Ideen, wenn es um Problemlösungen ging und es waren zudem auch die erfolgreichsten Teams, gemessen an Kriterien, wie Profitabilität, Kundenzufriedenheit und den Ergebnissen ihrer 360-Grad-Beurteilung.

Wow – dachte ich, als ich diese Studie vor kurzem wieder einmal zwischen die Finger bekam. Wenn das stimmte, was Fredrickson und Losada da festgestellt haben wollen, dann wäre in diesem Ansatz ja „eine Menge Musik“ drin – und zwar nicht nur für Teams, sondern für jede Art von zwischenmenschlicher Beziehung – also auch für Familien oder Partnerschaften. Und ich forschte weiter, bis ich vor 14 Tagen einen eigenen Feldversuch startete – aber davon später.

Als ich mich in die Studien der beiden tiefer einlas, erfuhr ich u.a., dass jene Teams, die unter dem Verhältnis 2,9:1 lagen, interessante Phänomene zeigten: Sie verloren in schwierigen Zeiten ihre Flexibilität, zeigten wenig Bereitschaft, festgefahrene Wege zu verlassen und wiesen eine eher geringe Resilienz auf. Resilienz ist der psychologische Fachausdruck für die Widerstandsfähigkeit, Krisen erfolgreich zu meistern.

Das erinnerte mich lebhaft an die Ergebnisse der letzten Gallup-Studien (1), nach der 86% der deutschen Arbeitnehmer eine geringe oder gar emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen haben.

Liegt diese katastrophale Quote u.U. auch an der Art der Kommunikation die diese Menschen untereinander und ihre Führungskräfte zu ihnen pflegen?

Wenn ich mir die Kriterien von Losada anschaue, die er 2005 bei seinen Untersuchungen zu Grunde gelegt hat, neige ich dazu, meine Frage selbst mit „ja“ zu beantworten.

Losada zählte damals in den Teammeetings:

  1. negative Redebeiträge wie gegenseitige Abwertungen, Geringschätzungen, Missbilligung, oder sogar Sarkasmus und Zynismus im Vergleich zu positiven Aussagen, wie Ermutigung und Wertschätzung
  2. wie oft Team-Mitglieder sich gegenseitig in Frage gestellt haben im Vergleich dazu wie stark sie sich gegenseitig unterstützt haben
  3. wie oft die Mitglieder der einzelnen Teams eher auf sich selbst bezogen waren – also versuchten, die eigene Meinung und den eigenen Standpunkt durchzusetzen im Vergleich dazu, wie oft sie versuchten, wirklich zu verstehen, was der andere meint.

Kurzum: Wenn es also mindestens 3 Mal so viel wertschätzende, unterstützende und positive Wortbeiträge in den Teammeetings gab, blühten die Menschen richtiggehend auf. Und nicht nur, dass sie sich wohler fühlten, nein, dies schlug sich sogar „knallhart“ in ihrer Performance nieder.

Das war Grund genug für mich, einmal zu recherchieren, mit welchen praktischen Übungen ich meine persönliche “Losada-Rate” verbessern kann (“man muss ja nicht schlecht sein;-)), um noch besser zu werden.).

Wenn Sie sich für diese “Pimp-your-Losada-Rate”-Technik interessieren,

  • erfahren möchten, wie dies genau geht, um Ihre persönliche “Losada-Rate” zu verbessern,
  • als Führungskraft die Performance Ihres Teams zu erweitern
  • oder zu Hause in Ihrer Familie etwas Gutes tun wollen…

… dann hören Sie dazu meinen aktuellen Podcast und/oder laden das komplette 7-seitige Manuskript zu diesem Thema herunter.
Sie finden beides Podcast und Manuskript auf meiner Seite: www.abenteuer-kommunikation.de oder direkt unter http://j.mp/ak074-losada

 

Die zwei Wege, um (unerwünschtes) Verhalten zu ändern

© Andy Dean - Fotolia.comHeute ist mein zweiter Hörbeitrag zum Thema “Wie verändere ich unerwünschtes Verhalten bei anderen Menschen?” auf Sendung gegangen.

Worum es geht da?

Wenn wir versuchen, bei anderen Menschen (Partner, Kollegen, Kinder) unerwünschtes Verhalten nachhaltig zu verändern, stehen uns zwei grundsätzlich unterschiedliche Wege zur Verfügung:

 

  1. Der innere Weg über die Einstellung
    Bei diesem Weg appellieren wir an den Anderen und versuchen seine Einstellung und  seine Überzeugung zu einem bestimmten Verhalten zu verändern – in der Hoffnung, dass sich damit auch sein Verhalten ändert.
  2. Der direkte äussere Weg über das direkt wahrnehmbare Verhalten
    Auf diesem Wege kritisieren wir direkt und zeitnah das unerwünschte Verhalten

Beide Wege habe ich in meinem Podcast etwas näher beleuchtet – Vor- und Nachteile erforscht und versucht, eine Antwort auf die Fragen zu finden: Welcher Weg ist effektiver und wirkt nachhaltiger?

Hören Sie doch einmal hinein (18:25 min):
[haiku url=”http://hjwalter.podspot.de/files/ak072_menschenbeeinflussen2_111021.mp3″ title = “Die Losada-Rate*]

NEU: Sie möchten in Ruhe den Inhalt dieser Sendung nachlesen? Gerne! Hier gibt es die  kompletten Sendetexte zum Nachlesen.

Falls Ihnen gefallen hat, was Sie da gehört haben – abonnieren Sie doch einfach mein “Das Abenteuer NLP & Kommunikation”. Am einfachsten geht dies über iTunes.
Podcastkanal “Das Abenteuer NLP & Kommunikation” abonnieren.

Übrigens: Weitere 987 !!! interessante und (meist) kostenlose Hörsendungen von mir und 25 Kollegen finden Sie auf unserem Edutainment-Portal “Das Abenteuer Leben.de

Einfluss oder Manipulation – Wo liegen die Grenzen?

Kommunikation lässt sich kaum nur  auf die Weitergabe von Informationen zu reduzieren. Wir kommunizieren sehr oft, um andere Menschen zu etwas zu bewegen: Ihr Verhalten zu ändern, anders über bestimmte Dinge zu denken oder auch, Menschen dazu zu bringen, sich anders zu fühlen. Und sei es nur die banale Kommunikation eines gelungenen Witzes, der einen anderen Menschen dazu bringt, zu Lachen, sprich: seinen inneren Gefühlszustand zu ändern.

Kurzum: Wir kommunizieren (auch;-), um andere Menschen zu beeinflussen. Und kaum nimmt so man mancher dieses Wort “Beeinflussung” in den Mund, sprechen andere bereits von Manipulation.

Aus diesem Grund habe ich gestern eine neue Podcast-Reihe (=kostenlose Hörsendungen) begonnen, in denen ich mit dem Thema “Kommunikation & Beeinflussung” etwas näher beschäftige. Die erste Sendung ist seit gestern online und darin geht es um “Wie kann ich zwischen positivem Einfluss und negativer Manipulation unterschieden?”

Viel Spaß beim Reinhören und über Feedback freue ich mich.

[audio:http://hjwalter.podspot.de/files/ak071_menschenbeeinflussen1_110917.mp3]

NEU: Ab dieser Sendung werde ich auch den kompletten Sendetexte zum Nachlesen zur Verfügung stellen.

Übrigens: Weitere 950 !!! interessante und (meist) kostenlose Hörsendungen von mir und 25 Kollegen finden Sie auf unserem Edutainment-Portal “Das Abenteuer Leben.de)

Körpersprache im NLP und anderswo

Dein Körper spricht so laut, ich verstehe nicht, was Du sagst.

Der Wunsch, die Gedanken und Gefühle unserer Mitmenschen “lesen” zu können, ist so alt wie die Menschheit selbst und hat bis heute nichts an seiner Faszination verloren. Auch wenn diese Fähigkeit heutzutage nicht ganz so überlebensnotwendig ist, als vor  ca. 600.000 Jahren der homo heidelbergensis durch die dunklen Wälder des Kraichgaus streifte und bei einem Zusammentreffen mit einem fremden Artgenossen möglichst schnell entscheiden musste: “Freund oder Feind?” Dennoch wünschten sich auch heute noch die meisten homo sapiens, sie könnten erkennen:

  • ob der nette Gebrauchtwagenhändler tatsächlich die Wahrheit sagt?
  • ob die Partnerin wirklich nur eine freundschaftliche Beziehung mit dem neuen jungen Assistenten pflegt?
  • ob der Bewerber für die ausgeschriebene Stelle wirklich so kompetent ist, wie er vorgibt?

Dieser Wunsch, nonverbale Kommunikationssignale “richtig interpretieren” zu können, basiert offensichtlich auf der Annahme, dass verbale Aussagen nicht zwangsläufig der Wahrheit entsprechen und im Zweifelsfall eher der Körper derjenige ist “der nicht lügt”.
Aber ist das wirklich so?
Hat unsere nonverbale (Mimik, Gestik, Körperhaltung) und unsere paraverbale Kommunikation (Stimmqualitäten) wirklich mehr Aussagekraft?

Spätestens hier stösst man auf die oft zitierten (und leider öfters fehlinterpretierten) Zahlen von Prof. Albert Mehrabian und Ferris, die bereits 1967 veröffentlich wurden: Nur 7% der kommunikativen Wirkung entfallen auf den Inhalt (das was wir sagen), während 38% der Wirkung der Stimme und gar 55% der Mimik und Gestik zuzuordnen sind. Allerdings treffen diese Zahlen nur auf jene Situationen zu, in denen sich unser Gesprächspartner extrem inkongruent verhält, z.B.  bei ironischen oder zynischen Botschaften, in denen das “Was” sich deutlich von dem “Wie” unterscheidet. Bei inkongruenten Botschaften weisen wir den nonverbalen Signalen die höhere Bedeutung zu. Das Zahlentrio 7-38-55 besitzt also keine allgemeine Gültigkeit, (wie leider in allzu vielen Artikeln behauptet wird).

Nichtsdestotrotz haben non- und paraverbale Kommunikationssignale eine Bedeutung – eine Bedeutung, die für uns Menschen jedoch weitaus schwieriger zu entschlüsseln sind als das gesprochene Wort.

Der Grund:

  • Verbale Botschaften basieren auf offiziell anerkannten Regeln einer Muttersprache (Grammatik, Syntax)
  • Für non- und paraverbale Botschaften gibt es hingegen keine dieser allgemein anerkannten Regelwerke – sie liegen meist unbewussten und oft sogar subjektiven “Regeln” zugrunde. Ich habe (als Empfänger) damit zu rechnen, dass z.B. der Gesichtsausdruck meines Gesprächspartners etwa vortäuschen soll – und zwar ohne dass es ihm selbst bewusst sein muss oder dass jemand versucht, seine Unsicherheit durch eine besonders “feste” Stimme zu kaschieren. (Prof. W. Linker)

Es wäre also durchaus nützlich, das “Komplettpaket” an kommunikativen Signalen (verbal + nonverbal + paraverbal), das mir mein Gesprächspartner anbietet, möglichst “richtig” zu interpretieren. Und da dies bei Worten und Sätzen meist mehr oder weniger gut funktioniert – wäre es zudem ja ganz hilfreich, auch seine körpersprachlichen Signale “korrekt” zu deuten. Daraus lässt sich die ungebrochene Faszination an diesem Thema ableiten.

Aber: Lässt sich Körpersprache denn wirklich so “eindeutig lesen”, wie unsere verbale Sprache?
Und spätestens bei dieser Frage scheiden sich die Geister;-)

1. Die klassische/n Schule(n) der “semantischen Körpersprache”
… behaupten, dass bestimmte Gesten wie eine Sprache interpretiert werden können, d.h. wie einzelne Worte, die eine mehr oder weniger feststehende Bedeutung haben, z.B. verschränkte Arme bedeutet “Ablehnung” etc..
Ich persönlich bin überzeugt, dass die Arbeiten z.B. von Samy Molcho unbestritten Ihren Nutzen haben z.B. unsere Wahrnehmung für bestimmte körpersprachliche Signale zu schärfen. Was allerdings allzu begeisterte Adepten dieser Schulen daraus ableiten, kann m.E. nicht im Sinne des Meisters gewesen sein und lässt sich für mich entweder nur mit a) unreflektiertem Flachdenkertum oder b) mit übersteigertem Geschäftssinn erklären.

2. Der funktionale NLP-Ansatz
Im Gegensatz zum semantischen Ansatz gehen wir im NLP einen eher funktionalen Weg. Wir “glauben” sehr wohl daran, dass sich unsere inneren Zustände wie Freude, Ärger, Neugier oder Interesse in einer äusseren Physiologie (Körperhaltung, Mimik, Gestik, stimmlichen Qualitäten) ausdrücken,  sind jedoch der Meinung, dass sich diese Physiologie von Mensch zu Mensch und sogar von Situation zu Situation verändern kann.
Mit anderen Worten: Der gleiche innere Gefühlszustand kann bei unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Physiologien hervorrufen.
“NLP-Schulbuch-mässig” lernt der NLP-Trainee sich deshalb auf die einzelnen Physiologien seines Gesprächspartners zu “kalibrieren“, d.h. er lernt, Veränderungen in der Physiologie (z.B. Veränderung des Muskeltonus) den einzelnen Gefühlszuständen zuzuordnen.
Zugegeben: Dieser (NLP)-Weg bedarf mehr (Wahrnehmungs-) Training als der semantische Ansatz. Der klassische NLP-Ansatz des Kalibrierens birgt zudem noch einen weiteren “Fallstrick“: Wenn ich z.B. als praktizierender Psychotherapeut, als Grundschullehrer oder als Lebenspartner meiner Partnerin in den Genuss komme, einen längeren Zeitraum mit den gleichen Menschen immer wieder zusammen zu kommen, dann funktioniert “Kalibrieren” sehr gut.
Robert Dilts schreibt : “For example, let´s say a teacher has noticed that every time a learner talk about feeling “confused”, the learner furrows her eyebrows, tightens her shoulder muscles and clenches her teeth slightly. If at some time later the teacher observes these same cues as the learner is listening to a certain part of lesson, the teacher would have evidence that the learner is experiencing the “confused” response and may respond appropriately to it.
Was ist jedoch, wenn ich z.B. als Vertriebsmensch, als Flugbegleiter oder an der Rezeption eines Hotels  dauernd mit neuen Leuten zu tun habe und mir die Zeit mit diesen Menschen nicht vergönnt ist, meine Kalibrierung immer wieder zu verifizieren?
Wäre es dann nicht ganz nützlich, wenn es einen 3. Ansatz gäbe, der irgendwo “zwischen” dem semantischen und dem funktionalen (NLP)-Ansatz läge?

Positionierung der "Körpersprache-Ansätze"

Positionierung der “Körpersprache-Ansätze”

3. Der Ansatz nach Dr. Paul Ekman
Dr. Paul Ekman, ein US-amerikanischer Anthropologe und Psychologe hat zusammen mit seinem Kollegen W.V. Friesen eine physiologisch orientierte Klassifikation aufgestellt, wie sich Emotionen in unserer Mimik darstellen – das Facial Action Coding System. Ekman fand in empirischen Studien heraus, dass die sieben – von ihm unterschiedenen – Basisemotionen “Freude, Ärger/Wut, Furcht, Verachtung, Ekel, Überraschung und Traurigkeit” in allen Kulturen sehr ähnlich ausgedrückt und erkannt werden. Mit anderen Worten: Nach Ekman drücken Menschen auf der ganzen Welt z.B. “Überraschung” mit einem spezifischen Gesichtsausdruck aus.
Unser mimischer Ausdruck lässt sich in zwei Kategorien einteilen:
1. die bewusste, kontrollierte Ebene unserer Mimik
Wenn z.B. eine Flugbegleiterin bewusst ein Lächeln auf ihre Lippen zaubert, um Sie zu begrüssen.
2. die unbewusste – nicht kontrollierte Ebene unserer Mimik
Wenn sich Ihr Kind spontan freut, dass Sie früher nach Hause gekommen sind, als erwartet, dann kann man davon ausgehen, das das strahlende Lächeln im Gesicht dieses Kindes eine unbewusste Reaktion ist und ein authentischer Ausdruck des momentanen inneren Zustandes ist.

Dr. Ekman hat mit den sogenannten “Microexpressions” (Mikro-Ausdrücken) ein Konzept formuliert, nachdem wir mit diesen – extrem schnellen Gesichtsbewegungen, die weniger als eine 1/5 Sekunden dauern – jene inneren Zustände mimisch ausdrücken, die uns wirklich bewegen.

Das richtige Erkennen dieser Mikroausdrücke lässt sich trainieren – wenn auch mit einigem Aufwand. (Ich habe gerade ein Trainingsprogramm hinter mich gebracht, nachdem ich es nach ca. 50 Stunden Training auf eine Trefferquote von 96% brachte;-)
Falls Sie Lust haben, können Sie gerne einmal einen kurzen Microexpression-Test machen, inwieweit Sie diese mimischen Mikroausdrücke erkennen können.

Klärende Randbemerkung zu den Microexpressions und der US-TV-Serie “Lie to me”:
Seit 2009 die US-amerikanische TV-Serie “Lie to me” über die Bildschirme  flackerte, erlebte auch die “Körpersprache-Szene” einen neuen Hype. Und jeder mediale Hype lockt auch mehr oder weniger seriöse Entertainer, Buchautoren oder “Gedankenleser” auf die Bühne. So tickt die Welt (die wir geschaffen haben;-) nun mal. Auch wenn es sicherlich spannend wäre, jede Lüge an einem Mundwinkelzucken zu erkennen – so funktioniert das nicht:

  1. Wenn Sie die eine oder andere Sendung von “Lie to me” gesehen haben, wissen Sie: auch ein Mr. Cal Lightman erkennt im besten aller Fälle, dass hier eine Inkongruenz zwischen verbaler Aussage und mimischem Verhalten vorliegt, er kann die Mimik sicherlich auch einer Emotion zuordnen – der Rest ist und bleibt Hypothese.
  2. Gehen Sie davon aus, dass solch eine Fähigkeit, permanentes Training erfordert … oder Sie ein Naturtalent in “Mimik lesen” sind;-)
  3. Beachten Sie bitte, dass Mr. Lightman unter Laborbedingungen arbeitet (nachträgliches Analysieren via Videoaufnahme, Konzentration auf die reine Beobachtung ohne ablenkende Interaktionen, z.B. dadurch, dass er selbst am Gespräch teilnimmt).
  4. Dennoch… sind die ersten ca. 5 Sendungen der 1. Staffel durchaus sehenswert … und sind zudem auch noch recht spannend.

Der “Wirkungs-Ansatz” nach Prof. Wolfgang J. Linker
Wenn non- und paraverbale Kommunikationssignale eher subjektiv, mehrdeutig und deshalb u.U. nur mit hohem (Wahrnehmungs-) Trainingsaufwand korrekt interpretierbar sind – warum lassen wir dann nicht gänzlich die Finger von dem Versuch, Körpersprache lesen zu wollen und konzentrieren uns nicht auf das, was in der Praxis weitaus relevanter scheint – nämlich die unbestreitbare Wirkung unserer Körpersprache?
So liest sich der Ansatz eines – von mir hochgeschätzten Kollegens – von Prof. Dr. Wolfgang J. Linker. Um es auf den Punkt zu bringen: Verschwenden Sie keine Zeit mit dem durchaus faszinierenden Thema “Wie lese ich Körperprache?”, sondern fokussieren Sie sich darauf, wie Sie mit den richtigen nonverbalen Kommunikationssignalen Ihre Worte sinnvoll unterstreichen.  In seinem MERKwürdigen Buch “Kommunikative Kompetenz: Weniger ist mehr!” beschreibt Prof. Linker eine Vielzahl von sogenannten verbalen, non- und paraverbalen “Mikromustern”, die eine bestimmte Wirkung auf unseren Gesprächspartner haben.
Zum Beispiel den Unterschied zwischen dem Mikromuster “Blickkontakt suchen und halten” und dem Mikromuster “Blickkontakt vermeiden”.
Den Vorteil dieses Ansatzes sehe ich besonders in der praktischen Umsetzbarkeit und in der Praxisrelevanz. Allerdings kann ich nicht umhin, behaupten zu wollen, dass dieses Modell ebenfalls einen “semantischen Körpersprache-Ansatz” impliziert, denn wenn bestimmte Micromuster eine spezifische Wirkung auf meinen Gesprächspartner haben, dann sollten diese vom geschulten Empfänger auch recht eindeutig interpretierbar sein.

Mein Fazit: Wie so oft liegt wohl ein guter Weg in der goldenen Mitte. Doch wo diese genau liegt, mag jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass uns der funktionale NLP-Ansatz (Kalibrieren) in der täglichen Praxis von höherem Nutzen ist,  als der – mir – zu übergeneralisierte und zu vereinfachte “klassisch-semantische Ansatz”. Ich gehe konform mit Prof. Linker, dass es besonders für Menschen, die nicht im professionell-komunikativen Bereichen (Trainer, Therapeuten) unterwegs sind, ein guter (erster) Weg ist sich mehr auf die Wirkung der eigenen Körpersprache zu konzentrieren, als lernen zu wollen, diese zu interpretieren. Und zu guter Letzt erachte ich es für hilfreich, dass wir NLP-Experten unsere Axiome im NLP immer wieder kritisch überprüfen und uns vielleicht auch neuen (teil-semantischen) und überprüfbaren Ansätzen (Dr. Paul Ekman) öffnen.
(vgl. meinen Artikel “Wenn es wirkt, war es NLP… oder war es umgekehrt?“)

Quellen:

  • Dr. Paul Ekman: “Gefühle lesen – Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren”, Spektrum 2004
  • Robert Dilts: “Encyclopedia of NLP”
  • Albert Mehrabian, Susan Ferris: “Inference of Attitudes from Nonverbal Communication In Two Channels”, Journal of Consulting Psychology, Vol. 31, Juni 1967
  • Prof. Dr. Wolfgang Linker: “Kommunikative Kompetenz: Weniger ist mehr! Die Mikromuster der Impuls-Kommunikation”, GABAL 2009

Das 3-Gänge Menü zum Probleme lösen

Kaum etwas kann so tiefenentspannend sein, wie ein leicht abgedunkelter Raum, eine monotone Rednerstimme und dazu das regelmässige Aufflackern von textüberladenen Power-Point-Folien. Wer alternativ zu Letzerem einmal  etwas anders ausprobieren möchte, dem sei “PREZI” empfohlen. Nicht nur dass ich mit dieser “Browser-basierten” Software den Zuschauern immer wieder den “Überblick” geben kann, wo wir uns in der Präsentation gerade befinden – mit Hilfe eines guten Grafikers kann damit Ihre Präsentation schnell zu einem kleinen Kunstwerk avancieren… wie die folgende Präsentation von Livia Janoch und Balazs Turai, die ich ins Deutsche übersetzt habe.

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