Wertequadrat-Ordnung-Improvisation

Der Flirt mit dem Zufall – die Alternative zu Zwang und Chaos

Heute früh bin ich aufgestanden und mir kam etwas in den Sinn, was mich vor einiger Zeit bewegt hat. Lasst es mich mal nennen: Der Flirt mit dem Zufall.

Ich glaube, ich war so Anfang 20 und der Sinn stand mir nach Extremen, was mich das eine oder andere Mal haarscharf um mein Erbe gebracht hätte. Und dementsprechend war auch die Lektüre, die wir damals Ende der 70er lasen. Wir konnten nächtelang über Castanedas Don Juan diskutieren und liebten den Steppenwolf von Hermann Hesse.

Zu unserer Kultlektüre zählte damals auch der Diceman, jene Story von und über Luke Rhinehart, jenes durchgeknallten New Yorker Psychiaters, der sein Leben vom Zufall, um genau zu sein, von einem Würfel bestimmen ließ. Das Buch war wild und anarchisch, so waren die Zeiten eben – glaubten wir wenigstens. Vor einiger Zeit fiel es mir wieder in die Hände. Vielleicht kennst Du das. Du stehst so vor dem Bücherregal. Dein Blick fliegt über die Buchrücken und Du suchst etwas, was Dich anmacht. Und just da fiel es aus dem Regal, das alte abgegriffene Paperback von „Der Würfler“.

Zufall? Manche Menschen sagen ja, Zufall ist, wenn dir etwas zufällt – im richtigen Augenblick. Und ich denke, so war es. Und ich beginne zu lesen:

In erster Linie bin ich Psychiater. Meine Leidenschaft als Psychiater und als Würfler gehört der menschlichen Persönlichkeit und den Möglichkeiten, sie zu verändern. Meine Persönlichkeit, die anderer, die jedermanns. Ich will den Menschen das Gefühl der Freiheit, der ungetrübten Freude verschaffen. Die reinen nackten Empfindungen sollen wieder zum Leben erweckt werden. Empfindungen, die etwa entstehen, wenn wir mit bloßen Füßen am frühen Morgen die Erde spüren und plötzlich gleich horizontalen Blitzen die Strahlen der aufgehenden Sonne durch das Blattwerk der Bäume hervorbrechen sehen. Wenn ein junges Mädchen zum ersten Mal die Lippen zum Kuss reicht, wenn ein plötzlicher Ideenblitz uns innerhalb von einer Zehntelsekunde die Erfahrung eines ganzen Lebens im neuen Lichte erscheinen lässt. Das Leben besteht aus kleinen Inselchen der Ekstase und Verzückung inmitten eines Ozeans der Langeweile. Und ist man einmal 30, dann sieht man immer seltener Land. Wenn man gut ist, wandert man solange von einem Streifen Sand zum anderen, bis man fast jedes Sandkörnchen kennt.“

Manchmal denke ich, ein klein wenig mehr von Lukes Einstellung könnte uns in einer Zeit, in der zwei Drittel aller Steuergesetze auf der Welt in Deutsch verfasst sind nicht schaden.

“Die Zehn Gebote zählen 279 Wörter, die Unabhängigkeitserklärung der 13 US Staaten zählen 300 Wörter und haltet Euch fest! Die EG-Verordnung über Importe von Karamellbonbons zählen 25.911 Wörter.”

Wo Du hinschaust, alles ist geregelt. Wir haben die DIN 820, die Mutter aller Ordnungen, die auf 150 eng beschriebenen Seiten regelt, wie alles geregelt sein muss. Es gibt über 20.000 DIN-Vorschriften und 40.000 Fachleute in Unternehmen, Behörden und Verbänden arbeiten haupt- und nebenamtlich an der Weiterentwicklung dieser Regelwerks. Jeder Deutsche hat mindestens fünf Versicherungen oder waren es zehn? Genau aus diesem Grund ist mein Bruder vor vielen Jahren nach Brasilien ausgewandert, weil es ihm hier irgendwie einfach zu eng wurde.

Hermann Rühle, hat seinem bemerkenswerten Buch  “Die Kunst der Improvisation” schön beschrieben. Er sagte:

“Ordnung ist das halbe Leben. Und was ist eigentlich mit der anderen Hälfte?”

“Es scheint irgendwie so zu sein, dass zwei Welten unser Leben bestimmen und miteinander ringen. Auf der einen Seite eine ordentliche Welt, voller Planung, Exaktheit, Organisiertheit und Geradlinigkeit, die aus Gesetzen, Normen, Fahrplänen, Arbeitszeitmodellen, Friedhofsordnungen und Synchronschwimmen besteht. Und auf der anderen Seite eine außerordentliche Welt, in der es locker zugeht, in der man das Unvorhergesehene irgendwie spontan bewältigt, mit einer Stegreifrede zum Beispiel oder mit einer Sicherheitsnadel provisorisch, last minute-mäßig. Und beide Welten können ins Extreme abdriften. Das Ordentliche ins Zwanghafte und das Außerordentliche ins Chaos.” Der französische Schriftsteller Paul Valéry sagte dazu:

Zwei Gefahren drohen der Welt, Ordnung und Chaos.

Bitte versteh mich richtig. Ich mag Ordnung. Aber jede Ordnung hat auch die Tendenz, sich zu verfestigen und endet im Zwanghaften. Zwang ist eher unbehaglich und kein Zustand, den man auf Dauer aushalten möchte. Deshalb kippt eine zu starre Ordnung nach der Chaostheorie zwangsläufig irgendwann um, wird zur Unordnung und wir stecken im Chaos. Nach dem Chaos, wenn nichts mehr da ist, beginnt man zu improvisieren, schafft eine vorübergehende Ordnung, bis sich diese wieder langsam, aber sicher manifestiert. Die Ordnung geht in Ordnung – mit der Tendenz zum Zwang. Nach dem Soziologen Manfred Wöhlcke wirken auf alle sozialen Systeme, und zwar von der Partnerschaft über den Kegelklub, bis hin zu ganzen Staaten, immer zwei Kräfte, Syntropie und Entropie.

Syntropie ist die Tendenz zur konstruktiven Ordnung.

Von Jörg Zägel – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11739298

1996 hat Otto Rehhagel den zweitklassigen 1. FC Kaiserslautern übernommen und ist mit ihm 1998 direkt zur deutschen Meisterschaft gestürmt. Entropie ist der absteigende Ast, der Niedergang eines Systems, die Tendenz zur Unordnung, zur Anarchie, zum Chaos. 2000 wurde Rehhagel vom Betzenberg gestoßen und 2001 hatte er die müden Kicker aus Griechenland übernommen. Und 2003 syntropierte König Otto zum griechischen Nationalhelden und nach dem Hochmut kam der Zerfall. Es geht rauf und runter.

Aus dieser Idee kann man nun verschiedene Modelle basteln.

Analog zum Friedemann Schulz von Thun´s Wertequadrat sähe das in etwas so aus:

Wertequadrat-Ordnung-Improvisation

Oben links stünde die Qualität der Ordnung. Je wichtiger diese mir ist desto mehr versuche ich diese in mein Leben zu integrieren … laufe Gefahr, das Gute zu übertreibend lande im “Zwang”. Die Qualität der “Ordnung” braucht also eine zweite Qualität an ihrer Seite, die verhindert, dass wir das Kinde mit dem Bade ausschütten : die lockere Kunst der Improvisation. (Für alle, die das Wertequadrat noch nicht kennen – hier ein kurzer Video dazu.)

 

Doch wenn ich viele (auch eigene) Projekte betrachte, dann scheinen diese vier Elemente auch in einer sequentiellen Logik miteinander zusammen zu hängen.

Egal ob ich jetzt an diesen Blogartikel denke oder auch an grössere Projekte … oft beginne ich “aus dem Bauch heraus” .. zeichne einige Mindmaps… fülle die Wand hinter mir mit Dutzenden von Post-its – kurzum: Ich improvisiere. Bis ich zu einem Punkt komme, an dem ich drohe, die Übersicht zu verlieren. Meist eher ein (Stör-)Gefühl als ein Gedanke – als ob ich mental einen Schwellenwert überschritten hätte und etwas in mir beginnt .. zu ordnen.

Das macht Spaß – der Überblick kehrt zurück und mit ihm meldet sich eine weitere Qualität – die

Perfektion. “Da gibt es sicher noch eine bessere App, mit der man das Ganze grafisch noch optimaler (=perfekter) darstellen kann .. oder kann man die Post-Its vielleicht sogar “noch sauberer” (=perfekter) mit dem Drucker beschriften?” Die anfängliche Ordnung degeneriert langsam aber sicher zum Zwang. Und dann kommt irgendwann das Chaos ins Spiel zerstört (meist) auf recht schöpferische Art und Weise die zwanghafte über-perfekte Ordnung und führen uns wieder in die Leichtigkeit der Improvisation. … die irgendwann nach mehr Ordnung ruft…. ein ewiger Kreislauf.

 

Warum ich das erzähle? Weil das mit dem “Würfel” von Luke Rhinehart zu tun hat. Meine Erkenntnis aus dem Ganzen: Panta rhei, alles ist im Fluss. Schaue auf Dein Leben und bemerke, wo in diesem Kreislauf Du Dich gerade befindest und vielleicht ist es hin und wieder gut, den eigenen Improvisationsmuskel etwas zu trainieren, wobei wir genau bei den Würfeln von Luke wären. Wie wäre es denn mit einem kleinen Abenteuer á la Luke, ein klein wenig weniger Routine, Struktur und ein klein wenig mehr innere Flexibilität? Wie wäre es mal damit, sich einmal zu trennen von lieb gewonnenen Alltagsritualen und etwas zu wagen, etwas Neues beginnen? Übrigens, wann hast Du denn das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Hast Du Lust dazu? Hier ist die Chance für ein kleines Abenteuer.

Schritt eins: Schreibe zunächst sechs Dinge auf einen Zettel, die Du schon immer mal machen, lernen, erleben wolltest. Vielleicht fallen Dir Dinge ein, Sachen ein, die Du früher gerne getan hast und die aus irgendwelchen Gründen irgendwann unter den Tisch der Zeit gefallen sind. Du, das muss nichts Großartiges sein, keine Kilimandscharo-Besteigung und auch keine Weltumseglung. Aber es sollte etwas sein, was Dich aus Deiner Komfortzone herausholt. Denn wie man weiß echtes Wachstum findet niemals in dieser Zone statt. Natürlich hängt das von jedem Einzelnen ab, was und was in und was außerhalb der Komfortzone ist. Hier mal ein paar völlig unrepräsentative Beispiele out of my zone:

  • Erstens, zwei Monate absolut nix bei Amazon.de bestellen.
  • Zweitens, einen Gesangsworkshop besuchen.
  • Drittens, einen Theaterkurs machen.
  • Viertens, einen ganzen Tag ohne Internet verbringen. Horror.
  • Fünftens, ein asiatisches Vier-Gänge-Menü kochen und zwar ohne Rezept.
  • Sechstens, nix von alledem. Alles bleibt so, wie es ist. Denn die Beständigkeit braucht ja auch ihre Chance, oder?

So, und jetzt kommt es. Nimm einen Würfel zur Hand, und bevor Du ihn wirfst, ringe Dir das Versprechen ab, dass Du das zu hundert Prozent tust, was der Würfel Dir sagt. Los geht es.

Genau. And now role the die. Ach, Du hast keinen Würfel zur Hand? Die Ausrede gilt nicht. Im Internet gibt es ein Online-Würfel (https://www.freeonlinedice.com/#dice)

Und achte doch mal auf Deine Gedanken, während Du das tust. Denn die Gedanken sind fast so interessant, wie das Würfelerlebnis selbst. Okay, das war es schon. Wenn Du möchtest, schreib mir einfach mal Deine Erfahrung, und wenn Du nette andere Würfeloptionen gefunden hast, freue ich mich. Schreibe sie einfach in eine Mail rein oder in die Kommentare. Übrigens solltest Du noch ein paar ausgefallene Würfeloptionen benötigen, ich wüsste da schon noch ein paar. 🙂

 

Flirt mit dem Zufall from Hans J. Walter on Vimeo.

Quellen: 

Hermann Rühle: Die Kunst der Improvisation

Luke Rhinehart: Der Würfler

Lohnt es sich in der Führung über Generation Y nachzudenken?

Der Stereotyp der “Generation Y” (geboren zwischen 1981 und 1997) erfreut sich ungebremster Popularität – wenn ich der Amazon-Trefferliste Glauben schenken kann. Es gibt über 500.000 Publikationen zu diesem Thema:

  • Gebrauchsanleitung für die Generation Y
  • Wie die Generation Y unsere Welt verändert
  • 30 min Generation Y
    usw. usw.

Was in vielen dieser Bücher proklamiert wird, ist die Annahme, dass diese ca. 15 Millionen Menschen der Generation Y eine in sich homogene, im Vergleich zu anderen Generationen aber völlig andere Werthaltungen, Interessen und Motive haben.

Ergo: Diese Menschen wollen auch anders rekrutiert, motiviert und geführt werden. Logisch, oder;-)

Doch bevor wir gemeinsam eine Sammelbestellung bei Amazon starten, lassen Sie uns einmal etwas kritischer hinterfragen:

  • Wer gehört eigentlich genau zur Generation Y? Und wer definiert dies?
  • Sind die Unterschiede zu anderen Generationen wirklich so entscheidend?
  • Und: Haben die Menschen dieser Generation Y wirklich eine so grosse Übereinstimmung in ihren Werthaltungen, dass dies für die Führung und Personalentwicklung von Relevanz ist.
  • Kurzum: Ist es sinnvoll, sich im Rahmen von Führung intensiv mit der “Generation Y zu beschäftigen?

Im Sinne meines Mottos “Denken lehren – nicht Gedachtes” schätze ich Menschen, wie Prof. Uwe Peter Kanning von der Hochschule Osnabrück, der zu dem Thema  ein MERKwürdiges Video anbietet.

In seinem Artikel (s.u.) schreibt Uwe Peter Kanning in seinem Schlusssatz: “Die Bedeutung der Generation Y für die alltägliche Personalarbeit im Unternehmen tendiert jedoch gegen Null – ganz so wie bei jedem Stereotyp.”

Dem mag ich mich nicht anschliessen: Typologien können uns in ihrer holzschnittartigen Überzeichnung durchaus aufmerksamer machen – aufmerksam darauf, dass andere Menschen anders ticken, wie wir selbst.

Wir sollten jedoch immer bedenken, dass jede Typologie eine starke Vereinfachung der Realität ist – wie eine Landkarte zu einem bestimmten Gebiet. Eine Vereinfachung, die durchaus ihren Nutzen haben kann, solange sie das Gebiet hinreichend genau und korrekt darstellt und …  solange wir nie vergessen, dass es nur eine Landkarte ist und nicht das Gebiet selbst.

Und so wünsche ich mir, dass wir Typologien als das sehen was sie sind – ein mehr oder weniger nützliches Konstrukt und (vielleicht erst dadurch) jeden Menschen in seiner individuellen Einzigartigkeit erkennen und führen.

Weitere Quellen:

Kanning, Uwe-Peter: Gibt es die Generation Y”? (Personalmagazin 11/16)

Eine Unternehmensvision mit Herz

Es erschreckt mich immer wieder.

Wenn ich Menschen frage, was sie über die Vision oder die Werte ihres Unternehmens wissen, bekomme ich häufig Antworten wie:

“Ja ich glaube, wir haben so etwas… das hängt irgendwo. Da stehen so Dinge darauf, wie “Kundenzufriedenheit” oder so. Das hat einmal die Geschäftsleitung erstellt mit so einem externen Berater erstellt. Wenn Sie mich fragen, sind das alles blutleere austauschbare Floskeln, mit denen keiner etwas richtig anfangen kann, aber man muss es halt haben…”

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Wie empathisch sind Sie? incl. Empathie-Test

Spätestens seit Daniel Golemans “Emotionale  Intelligenz” pfeiffen es die Spatzen von den Dächern: Empathie ist eine wichtige Kernkompetenz – besonders für Führungsmenschen.

Empathie bezeichnet die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen und Absichten eines anderen Menschen (oder auch eines Tieres) zu erkennen und richtig zu beurteilen. Zur Empathiefähigkeit gehört auch das Einfühlen als eigene Reaktion auf die Gefühle anderer, wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder ein Hilfeimpuls.

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Der Öko-Check für Ihre Ideen und Ziele

Passen Ihre Ideen zu Ihren Werten?

Haben Sie das schon einmal erlebt? Sie lesen über ein tolles Reiseziel, ein Freund erzählt Ihnen von seiner neuen Sportart  oder Sie entdecken in Ihrem Spanien-Urlaub eine traumhafte Finca, die zu verkaufen ist.

Und dann entwickelt sie sich in Ihrem Kopf: Die Idee.

Sie träumen davon wie es wäre, wenn…

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Nichts ist so so praktisch wie eine gute Theorie

Von Theorien, mentalen Modellen und Ihren Landkarten im Kopf

“Ach… das ist so theoretisch.” “Das ist doch pure Theorie – die Praxis sieht doch ganz anders aus.”

Warum reagieren so viele Menschen allein auf das Wort “Theorie” schon mit Aversionen? Weil Theorien fernab der Praxis sind? Weil Theorien so kompliziert und weltfremd daher kommen?

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Einfluss versus Manipulation – Wie man Menschen positiv beeinflusst

“Manipulieren – aber richtig”.

Cover-Artikel-Einfluss-ManipulationSo hiess es provokant Ende der 1990er Jahre auf dem damaligen Bestseller von Josef Kirschner, der übrigens immer noch auf Amazon erhältlich ist. Auch heute noch ruft kaum ein Wort so schnell so kontroverse Diskussionen auf den Plan wie “Manipulation“. Und gerade deshalb schreibe ich diesen Artikel, mit dem Versuch ein wenig Licht in dieses Phänomen zu bringen.

Denn: Wir kommunizieren ja nicht nur, um zu informieren, sondern (meist) auch, um andere Menschen dazu zu bewegen, etwas zu tun. Wie tut man dies möglichst wirksam? Wann ist diese Einflussnahme manipulativ und wann nicht?

Es soll also um das Thema gehen: “Die Beeinflussung von Menschen mittels Kommunikation.”

Mittels Kommunikation deshalb, da es darüber hinaus natürlich noch eine ganze Reihe anderer – nicht-kommunikativer Möglichkeiten gibt, Menschen dazu zu bringen, etwas Bestimmtes zu tun, z.B. jemanden mit einem Hammer auf den Finger zu schlagen, damit er schreit oder ihn zu kitzeln, um ihn zum Lachen zu bringen. Aber lassen Sie uns bei den kommunikativen Möglichkeiten der Beeinflussung bleiben.

[info_box]Falls Sie lieber hören, als lesen – hier ein ähnlicher Beitrag als Podcast: [/info_box]

Was hat dieses Thema an sich, dass so viele Menschen ein recht gespaltenes Verhältnis dazu haben? 

Jeder von uns spürt, dass wir nicht umhin können, jeden Tag viele Menschen dazu zu bewegen, bestimmte Dinge zu tun. Wenn ich so darüber nachdenke, dann habe ich heute schon eine Vielzahl von Menschen beeinflusst, d.h dazu bewegt, etwas Bestimmtes zu tun:

  • Meine mittlere Tochter, den Frühstückstisch abzuräumen.
  • Meinen Sohn dazu, auf Grund des Wetters, eine Jacke mit in die Schule zu nehmen.
  • Einen Interessenten dazu bewegt, sich für meinen NLP-Practitioner-Kurs im Frühjahr anzumelden und eben gerade….
  • … die Verkäuferin beim Edeka-Markt dazu gebracht, mir ein Fleischkäse-Brötchen zu machen. Wobei letztere Intervention nicht so funktioniert hat, wie ich mir das vorgestellt habe, denn der Fleischkäse war dicker als das umliegende Brötchen, was nicht ganz so mein Fall ist.

E-i-g-e-n-t-l-i-c-h ist  “andere Menschen  beeinflussen” unser täglich Brot.
Ja, ich mag fast sogar im besten Sinne von Paul Watzlawick behaupten: 

Man kann nicht nicht beeinflussen!… denn allein dadurch, dass Sie nun meine Worte lesen, könnte es sein, dass Sie auf Gedanken und Ideen kommen, die Sie vielleicht ohne meinen Artikel nicht gehabt hätten?!
Einerseits ist also die Beeinflussung von Menschen, oder um das Kind beim Namen zu nennen  „Das Einwirken auf das Denken, Fühlen oder Verhalten anderer Menschen“ etwas sehr Alltägliches – und zwar nicht nur für “Profis”, wie Werber, Politiker oder Diplomaten, sondern für jeden von uns.

Und nicht nur das: Die meisten von uns investieren sogar eine Menge Geld und Zeit, um zu lernen, wie man Menschen besser beeinflusst. Manager besuchen Führungskräfteseminare, Lehrer beschäftigen sich mit Methoden der Gruppendynamik, Redner trainieren ihre rhetorischen und dialektischen Fertigkeiten und Eltern wälzen Bücher darüber, wie sie ihren pubertierenden Nachwuchs wieder auf die Spur bekommen.

Aber ist das wirklich legitim?

Und doch stellen Menschen sich selbst und … auch mir die Frage: Ist das wirklich legitim und rechtens? Meist liegt der Grund dieser Frage darin, dass wir uns noch nicht völlig klar darüber geworden sind, was Einfluss, Macht oder gar negative Manipulation bedeutet.

  • Was ist der Unterschied zwischen Macht und Einfluss?
  • Wann wird Einfluss manipulativ?

Milton H.Erickson, ein Grossmeister der Kommunikation und Begründer der modernen Hypnotherapie hat dazu einmal folgendes gesagt:

Man hat mir vorgeworfen, Menschen zu manipulieren, worauf ich antworte: Jede Mutter manipuliert ihr Baby, wenn sie möchte dass es überlebt. Und jedes Mal, wenn du einkaufen gehst, manipulierst du den Angestellten, deinen Anweisungen zu folgen. Und wenn du ins Restaurant gehst, manipulierst du den Kellner. Und der Lehrer in der Schule manipulierte dich, damit du lesen und schreiben lerntest. Das Leben ist eine einzige große Manipulation.“ (aus Lehrgeschichten, S. 223)

Damit schüttet Erickson Öl ins Feuer meiner obigen These: „Jeder Mensch beeinflusst sich selbst und andere Menschen – ob er will oder nicht.“

Die Frage ist doch vielmehr, mit welcher Intention er das tut – zum Guten oder Schlechten des anderen?

Das wiederum könnte den Vorwurf gegenüber NLP-Techniken im Keim ersticken, sie seien “manipulativ“. Denn es liegt nicht im Wesen einer Methode, einer Technik, manipulieren zu können. Erst durch ihre Anwendung durch Menschen bekommt sie ihre Wirkung.

Was veranlasst nun Menschen, sich Gedanken zu über Einfluss und Manipulation zu machen?

Hier fallen mir spontan folgende Gründe ein:

  1. Die Angst, selbst von anderen unbemerkt zum eigenen Nachteil beeinflusst zu werden.
 Dieses Argument kann ich  gut nachvollziehen, denn wer will schon gerne manipuliert werden. 
Oder vielleicht doch? 
Wenn sich meine Frau sehr geschickt Mühe gibt, mich dazu zu manipulieren, mit ihr ins Kino zu gehen … bin ich nicht zwangsläufig traurig darüber, sondern ihr sogar dankbar für den tollen Abend.
    Aber … Spaß beiseite: Natürlich mag auch ich es nicht besonders, von einem geschickten Manipulator an der Haustüre so beeinflusst zu werden, dass ich plötzlich mit einer einer 5-Jahres-Mitgliedschaft im “Club zur Erhaltung der nordbadischen Heckenrose” da stehe.
    So paradox es klingt: Der beste Schutz gegen derartige Manipulationen ist zu wissen, wie man Menschen manipuliert.  Spätestens seit der Lektüre von Robert Cialdinis Buch „Die Kunst des Überzeugens“ muss ich jedes Mal grinsen, wenn ein cleverer Verkäufer versucht, mir geschickt etwas aufzuschwatzen, was ich gar nicht haben will.
  2. Die Angst, Einfluss auf andere Menschen auszuüben und dafür die Verantwortung zu tragen.
    Puhh, das scheint etwas schwerer zu wiegen. Dazu zwei Beispiele: Nehmen wir einmal an, ich beeinflusse meinen 10-jährigen Sohn dazu, auf eine bestimmte Schule zu gehen (… was übrigens vor einiger Zeit  geschehen ist) und in 20 Jahren kommt er dann zu mir und beklagt sich bitterlich darüber, dass ich ihm mit dieser Entscheidung das Leben versaut hätte.
    Da werde wohl oder übel ich die Verantwortung tragen müssen, wie ich das übrigens zusammen mit meiner Frau für jede Einflussnahme auf unsere drei Kinder tue – solange sie noch nicht volljährig sind.
    Ein zweites Beispiel: Nach einem  Coaching mit mir trifft ein Coachee die Entscheidung, seinen überaus gut bezahlten Job zu kündigen und sich mit einem Fahrradladen selbstständig zu machen, worauf ihm seine Frau die Freundschaft kündigt und … auszieht.
    Wer trägt nun die Verantwortung für was? Ich fühle mich als Coach sehr wohl in der Verantwortung, bei einem Entscheidungs-Coaching alle denkbaren Szenarien mit meinem Coach durchzuspielen und ihn auf mögliche Konsequenzen seiner Entscheidung hinzuweisen. Und … da ich niemals Entscheidungen für meine Coachees treffen kann, das können diese nur selbst  – fühle ich mich in diesem fiktiven Fall eben nicht verantwortlich für die Trennung von seiner Frau.
    Grundsätzlich bin ich jedoch davon überzeugt, dass mit wachsender Einflussnahme auf die Welt automatisch auch der Grad der Verantwortung steigt – aber die … hat man wohl auch, wenn man seine Einflussmöglichkeiten nicht nutzt, oder?

Über diese beiden Grundängste hinaus mögen die ambivalenten Gefühle zum Thema „Beinflussung von Menschen“ auch daher rühren, dass man für sich noch nicht klar definiert hat, wo und wann (positive) Einflussnahme aufhört und (böse, negative) Manipulation anfängt.

Dazu vielleicht noch ein Modell, das ich aus einem Seminar mit Prof. Dr. Wolfgang Linker habe:

Die Kreise der Beeinflussung

Stellen Sie sich dazu einfach einige  Kreise vor. Wir beginnen mit dem innersten Kreis und Sie fragen sich bitte selbst, wann d.h. bei welchem Kreis für Sie negative Manipulation beginnt.

Einfluss-Kreise

Einfluss-Kreise

  1. Kreis: Manipulation ist….
    …wenn ich im weitesten Sinne bei anderen Menschen eine Veränderung bewirke.

    Falls das bereits für Sie manipulativ wäre, dann müssten Sie ab sofort jeder Begegnung mit anderen Menschen aus dem Weg gehen, denn allein Ihre Anwesenheit könnte Gedanken und Gefühle bei den Menschen um Sie herum hervorrufen, die diese wahrscheinlich nicht hätten, wenn Sie nicht anwesend wären.
  2. Kreis: Manipulation ist
    … wenn ich diese Veränderung zielbewusst beabsichtige.
    Falls hier für Sie Manipulation beginnen würde, dürften Sie keine Witze mehr erzählen, denn damit beabsichtigen Sie ja wohl  eine ganz bewusste Zustandveränderung in Richtung Lachen. Auch Bitten an andere Menschen wären dann bereits manipulativ, denn auch damit hat man ja  eine bewusste Veränderung der derzeitigen Gefühle, Gedanken oder Verhalten eines anderen Menschen im Sinn.
  3. Kreis: Manipulation ist…
    … wenn ich bei anderen Menschen zielbewusst und absichtlich eine Veränderung bewirke, die zu meinem Vorteil ist.
    Na, das ist die Bitte, mich in der Schlange an der Supermarktkasse nach vorne zu lassen, weil ich es eilig habe, ja auch, oder?
    Und andererseits ist nicht alles, was zu meinem Vorteil ist, auch vollautomatisch zu Nachteil eines anderen Menschen?!
  4. Kreis: Manipulation ist…
    … wenn ich zielbewusst eine Veränderung zu meinem Vorteil bewirke und der andere stimmt nur deshalb zu, weil ich ihm vorsätzlich einige Konsequenzen dazu vorenthalte. 
    Ahhhh, beginnt vielleicht hier das negative Manipulieren? Also dann, wenn ich den anderen dazu bringe, etwas zu tun, was der gar nicht tun würde, wenn er wüsste, was ihm bevorsteht?Vielleicht – vielleicht aber auch – noch nicht?
    Denn wenn ich z.B. meinem Junior (14 Jahre alt) erzählt hätte, welche möglichen Konsequenzen ein regelmässiger Besuch seines Jiu-Jitsu -Trainings für ihn haben könnten, z.B. sich Überwinden, auch wenn man Null Bock aufs Training hat oder diverse Prellungen und blutige Nasen… dann hätte er wahrscheinlich damals vor 5 Jahren gesagt:  „Papa, lass mal gut sein, das ist nix für mich.”
    Wie viele Eltern, Lehrer oder Trainer lassen ihre Kinder, Schüler oder Teilnehmer bewusst in Unkenntnis, um z.B. den Lernerfolg zu steigern oder um schlichtweg eine Überforderung zu vermeiden?
  5. und letzter Kreis: Manipulation ist..
    wenn ich bewusst und absichtlich eine Veränderung zu meinem Vorteil bewirke, den anderen absichtlich in Unkenntnis über alle Konsequenzen lasse … weil dies mir zum Nachteil gereichen würde.
    Sorry, hierzu ist mir wirklich kein positives Beispiel mehr eingefallen, was  nichts anderes heisst: Spätestens hier beginnt auch für mich der Bereich der negativen manipulativen Einflussnahme.

Und falls ich mit diesem Artikel mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet habe, dann  habe ich mein Ziel erreicht.  Denn meiner Ansicht nach steht nirgends die entgültige Wahrheit darüber, wo positive Beeinflussung von Menschen aufhört und negative Manipulation beginnt.

Dies zu entscheiden bleibt jedem Einzelnen selbst überlassen, ganz im Sinne von Heinz von Foerster, der einmal schrieb:

 “Das ist das Amüsante an den prinzipiell unentscheidbaren Fragen; dass es eben keinen Formalismus, keinen Zwang gibt, der mich zwingt, diese Frage in dieser oder jener Form zu beantworten. Mit dieser prinzipiellen Unentscheidbarkeit ist ein Raum der Freiheit geöffnet, in dem du jetzt entscheiden kannst. Das heißt, prinzipiell unentscheidbare Fragen können nur wir entscheiden, indem wir sagen: Ich möchte diese Entscheidung wählen, denn ich habe die Freiheit, hier zu wählen, was ich will.” (Teil der Welt, S. 178)

In der Hoffnung, Sie mit diesem Artikel zielbewusst und absichtlich zu Ihrem Vorteil beeinflusst zu haben, freue ich mich auf konstruktives Feedback.

Quellen:

Seminare zum Thema:

Sie interessieren sich für Seminare und Workshops zum Thema

  1. Wie kann ich wirkungsvoll(er) Einfluss nehmen mittels Kommunikation und
  2. Wie kann ich mich vor manipulativen Übergriffen schützen?

Folgende Kurse aus unserer NLP-Business-Practitioner Ausbildung beschäftigen sich explizit mit diesen beiden Themen:

 

© Depositphotos.com/fotoall (Vladyslav Danilin)

6 Strategien um ein Unternehmen lahm zu legen

Inspiriert durch ein Video von Peter Kruse, Professor für Organisationspsychologie an der Uni Bremen, habe ich hier  sechs Strategien zusammengestellt, wie Sie als Unternehmer oder Führungskraft Ihr Unternehmen spielt leicht völlig lahm legen können. 

(Natürlich haben diese Strategien keinerlei Bezug zu Ihrem Unternehmen und sind im Prinzip auch völlig Realitäts-fremd. Auch existieren alle in meinem Artikel aufgeführten Unternehmen nicht wirklich und sind rein fiktiv. Sollten Sie dennoch Parallelen zu Ihnen bekannten Unternehmen entdecken … ist das reiner Zufall;-) 

Weiterlesen

Business Model Canvas – ein Erfahrungsbericht

Wie Sie Ihr Geschäftsmodell mit dem Business Model Canvas auf nur einer DIN A4-Seite darstellen können.

Papa, was machst Du eigentlich auf der Arbeit?

via-canvas-coverAls Kommunikationstrainer kann man viele Fehler machen. Einer der schlimmsten ist: Man glaubt, jeder kommunikativen Situation gewachsen zu sein. Bis einen dann irgendwann wieder die Realität einholt;-)

Haben Sie schon einmal Ihrem halbwüchsigen Sohn erklärt, womit Sie genau Ihre Brötchen  verdienen?

Nein?! Das könnte ein spannendes Experiment mit weitreichenden Folgen werden.

In diesem Artikel erzähle ich von meinen Erlebnissen aus genau diesem Feldversuch, mit dem Hintergedanken, dass Sie einen Nutzen für sich daraus ziehen können. Na, und vielleicht versteht ja nicht nur Ihr Sohn danach, womit Sie Ihr Geld verdienen.

Papa, was machst Du eigentlich genau?

Mit dieser Frage überfiel mich mein Junior vor einigen Wochen. „Na ja“, sagte ich, „Du weisst doch, ich gebe Seminare“. In der Hoffnung, dies würde seine Neugier hinreichend stillen. Fehlanzeige. Er hakte bei jeder meiner Antworten mit neuen Fragen nach und brachte mich binnen einer halben Stunde an den Punkt, an dem ich begann, mir selbst Fragen zu stellen:

  • Was mache ich eigentlich genau?
  • Und wie kann ich ihm – meinem Sohn – in ein paar Minuten erklären, worin mein Geschäftsmodell besteht?

Noch am selben Abend begann ich MindMaps und Grafiken zu zeichnen und surfte so nebenbei im Internet auf der Suche nach der zündenden Idee. Durch Zufall stiess ich dabei auf ein Zitat von Alexander Osterwalder:

„Ein Geschäftsmodell beschreibt die Logik wie eine Organisation Werte für ihre Kunden erschafft, vermittelt und aufrecht erhält.“

Obwohl mir das noch sehr akademisch daher kam,  liess mich Herr Osterwalder nicht lange im Ungewissen und präsentierte mir schon auf der nächsten Webseite die Lösung in Form einer recht einfachen Grafik.

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 Die 9 Bausteine des Business Model Generation

Auf Anhieb gefiel der Ansatz von Osterwalder die wichtigsten Bausteine eines Geschäftsmodell auf einer Seite grafisch darzustellen. Er entwickelte dieses Modell übrigens 2004 im Rahmen seiner Dissertation an der Universität Lausanne (2004) als Gerüst zur Beschreibung und Design von Geschäftsmodellen nennt es „Business Model Canvas” (= „Leinwand“.) Osterwalders Ansatz fand zu seiner Überraschung nicht nur in akademischen Kreisen Anklang, sondern wurde auch von Unternehmern begeistert aufgenommen. Doch zurück zu der „Leinwand“.

Die 9 Felder in der Business Model Canvas

Diese „Leinwand“ besteht im Original (… es gibt eine Menge Varianten davon) aus 9 Boxen. Jede dieser Boxen steht für ein elementares Feld einer Organisation. Jedes Feld steht in Beziehung zu anderen Feldern und zusammen beschreiben sie das Geschäftsmodell.

  1. Kunden: Für wen arbeiten wir? Welche Kunden(-segmente) bedienen wir?
  2. Kundennutzen: Welche Probleme unserer Kunden lösen wir?
  3. Kanäle: Wie treten wir mit unseren Kunden in Kontakt? Über welche Wege kommt unser Leistung zum Kunden?
  4. Kundenbeziehung: Welche Beziehungen haben wir zu unseren Kunden? Wie gehen wir mit unseren Kunden um?
  5. Einnahmen: Welche Umsätze werden durch unsere Leistungen generiert?
  6. Ressourcen: Was nutzen wir (Gegenstände, Wissen etc.), um unsere Leistung zu erbringen?
  7. Aktivitäten: Über welches Tun werden unsere Ressourcen zu einer Leistung für den Kunden?
  8. Partner: Wer hilft und unterstützt uns von aussen, unsere Leistungen zu erbringen?
  9. Ausgaben: Was kostet uns es, diese Leistungen zu erbringen?

Die richtige Reihenfolge

Ich zeichnete mir also die „Leinwand“ auf ein Blatt Papier und begann, diese neun Fragen zu beantworten und damit die Boxen zu füllen.
Doch die Reihenfolge, in der man sich diesen Boxen widmen soll, erschien mir auf den ersten Blick alles andere als plausibel.

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Die Reihenfolge im Business Model Canvas

Warum sollte ich mit „Kunden“ und dem „Wert für den Kunden“ beginnen? Mir wäre viel schneller etwas zu den „Aktivitäten“ oder „Ressourcen“ eingefallen. Aber klar: Für wen mache ich das eigentlich? Für unsere Kunden natürlich. Und wozu? Um ihnen einen Mehrwert, einen Nutzen zu bieten. Es ist also nur logisch, sich zunächst mit diesen beiden Feldern auseinander zu setzen.

Lernerfahrung Nr. 1

Es ist weitaus einfacher, eine tolle Idee oder die genialen Eigenschaften eines Produktes zu beschreiben, als sich darüber klar zu sein, für WEN man dies eigentlich tun und WELCHEN konkreten NUTZEN und Wert man dabei generiert.

Die richtige Art und Weise

Zunächst schrieb ich direkt auf die Vorlage, bis ich bemerkte, dass mein ganzes Canvas recht dynamisch war: Je länger ich über die Dinge nachdachte, desto bessere Begriffe fielen mir ein. Mancher Kundennutzen sprach nur bestimmte Kunden an, andere nicht. Also stieg ich – nach einer Empfehlung – um auf die Arbeit mit farbigen Post-it und damit gleich auf einen A0 grossen Papierbogen. Dort hatte ich weitaus mehr Überblick.

Lernerfahrung Nr. 2
Auf einer DIN A0 grossen „Leinwand“ mit Post-its zu arbeiten macht weitaus mehr Spaß, ist flexibler und bietet mehr Überblick.

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 Mit Post-Its arbeiten und flexibel bleiben

Mit anderen darüber sprechen

Vielleicht kennen Sie dieses Phänomen: Sie glauben, etwas verstanden zu haben und kaum sollen Sie es einer anderer Personal-Canvas-ProzesPerson erklären, merken Sie, was Sie (noch) nicht verstanden haben. Am zweiten Abend war mein Canvas soweit, dass es mir „rund“ erschien und das darstellte, was ich im Seminargeschäft machte.
Als am nächsten Tag ein Freund zu Besuch war, packte ich die Gelegenheit am Schopfe und erklärte ihm an Hand meiner Canvas mein Business. Eine klasse Erfahrung! Nicht nur, dass ich von ihm eine Menge Feedback bekam, ich merkte beim Erzählen auch recht schnell, wo es demnächst Verbesserungspotenzial in meinem Geschäftsmodell gab.

Lernerfahrung 3:
Zunächst versuchte ich meinem Freund mein Modell zu erklären, als es voller Post-Its hing. Das ging gehörig schief und ich sah förmlich die Knoten in seinem Hirn, als er verzweifelt versuchte zu verstehen, was ich da produziert hatte. Also sammelte ich alle Post-its ein und erzählte ihm mein Modell, während ich ein Post-it nach dem anderen wieder auf seinen Platz klebte. 

Und auf diese Weise vernetzten sich meine einzelnen Begriffe vor seinen Augen zu einer plausiblen und runden Geschichte. 

Wozu das Ganze? Verstehen und verändern!

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Unsere Welt wird nicht einfacher – unsere Unternehmungen auch nicht. Es wird eher anspruchsvoller, Mitarbeitern und auch Kunden zu erzählen, was wir eigentlich tun und warum wir das tun.

Um zusammen mit dem eigenen Team über das zu sprechen, braucht es eine einfache  Sprache. Das Business Model Canvas  bietet dazu einen Rahmen, um unsere Geschäftsmodelle klar und übersichtlich zu beschreiben, das eigene Tun besser zu verstehen, neue Szenarien für die Zukunft zu entwickeln … und vor allen Dingen… mit anderen darüber zu diskutieren und ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln.

Mein Resümee:

Natürlich ist das “Business Modell Generation” im Kern nichts wirklich Neues. Und vielleicht schmunzeln Sie auch über die “netten Bildchen”, die soweit entfernt scheinen von den klassischen (… und meist langweiligen) Business-Plänen, die Sie kennen. Aber genau darin liegt der Effekt: In nur 20 Minuten haben Sie mit der Business Model – Leinwand Ihren ersten Entwurf und zwar auf einen Blick. Ganz gleich, ob Sie Ihr momentanes Geschäftskonzept einmal durchleuchten oder eine neue Idee lancieren möchten: Es geht schnell, zeigt auf einen Blick, um was es im Kern geht und vor allen Dingen: Es wird kommunizierbar.

1. Machen Sie sich klar, was Sie damit tun wollen:

Die Toolbox des Business Model Generation ist recht vielfältig einsetzbar – und je klarer die Fragestellung, mit der Sie starten ist, desto besser werden Ihre Ergebnisse.
Wollen Sie damit….

  • … das Geschäftsmodell Ihrer bestehenden Firma analysieren?
  • … eine neue Geschäftsidee systematisch entwickeln?
  • …. oder vielleicht zunächst einmal die Geschäftskonzepte Ihrer Mitbewerber studieren?

2. Auf dem Papier oder am PC

Ob Sie lieber auf dem Papier arbeiten oder am PC modellieren, ist Geschmackssache

Auf dem Papier: Drucken Sie sich eine Vorlage aus. Oder á la „Think BIG“:  Sie nehmen gleich eine Rolle Packpapier und zeichnen darauf die 9 Boxen. Schreiben Sie nicht direkt auf die „Leinwand“, sondern arbeiten Sie mit Post-Its. Damit bleiben Sie flexibler, können Ideen schnell austauschen und umorganisieren. Kurzum: Ein grosser Bogen Papier, ein Stapel Post-It und ein paar Filzstifte ist alles was Sie dazu brauchen.

Papiervorlagen für zur Business-Model Canvas:

Originalvorlage (engl.) von Alex Osterwalder

deutsches Template von Thorsten Faltings

mein handgezeichnetes Template;-) via Business Modell-Vorlage (PDF) (1084)

Am PC: Sollten Sie eher technophil veranlagt sein, gibt es im Internet eine ganze Reihe von recht pfiffiger Tools, aber mit Word, Pages oder PowerPoint geht es im Notfall ja auch.

Liste von Business-Model-Software:

Buchtipps:

BMG-Buch-CoverDas Buch von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur „Business Model Generation“  möchte ich Ihnen gerne weiterempfehlen. Es ist alles andere als ein klassisches Business-Buch, sehr visuell aufbereitet, macht Spaß und motiviert, selbst zu “modellieren”.
Link zum Buch

Eine Leseprobe dieses Buches können Sie über den folgenden Link kostenlos herunterladen und auf der Seite meines Kollegens Andreas Zeuch finden Sie dazu auch eine ausführliche Buchbesprechung.

dtsch (9 Seiten) : http://www.boersenblatt.net/media/747/BMG_Leseprobe.pdf

engl. (72 Seiten) 72 Seiten Leseprobe als PDF

Videos

Alexander Osterwalder hat zusammen mit der Kauffman Foundation sechs Videos produziert, die  recht gut erklären, wie das Business Model Generation mit dem Business Model Canvas funktioniert.

Ach übrigens: Ja ich habe mein Geschäftsmodell mittlerweile auch meinem Sohn präsentiert. Sein Feedback: Cool Papa, aber an Deinen Zeichnungen musst Du noch arbeiten;-)

 

Wie Sie mit Ritualen Zugehörigkeit schaffen

Ich glaube, es war Prof. Gerald Hüther, der sinngemäss schrieb: „Was Menschen brauchen um glücklich und zufrieden zu sein, ist das Gefühl sich zugehörig zu fühlen.“

Worauf ein Bereichsleiter in meinem letzten Seminar meinte: „Dann sollten wir unbedingt wieder einmal einen Team-Event machen: In den Hochseilgarten oder Rafting oder wenigstens Kart-Fahren gehen“.

Nicht dass solche Events keinen Spaß machen, aber das Geld könnte man sich sparen. Denn Menschen haben seit Jahrtausenden eine äusserst wirksame Methode, um soziale Zugehörigkeit und Bindung zu stärken: Rituale.

Wenn das Wort „Ritual“ fällt, denken viele an archaische Initiationsriten oder japanische Teerituale. Aber schauen Sie sich einmal um: Auch wir sind tagtäglich von kleinen und grösseren Ritualen umgeben:

  • eine Hochzeitsfeier
  • Die Überreichung der goldenen Uhr zum Firmenjubiläum
  • Das Richtfest eines Hauses
  • das allabendliche Vorlesen

Wenn Sie dieses Beitrag lieber hören, als lesen…

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